FDP-Generalsekretär Döring
Der Kampfhund-Versicherer

Der Wadenbeißer der FDP kehrt zurück in die Versicherungswelt: Generalsekretär Patrick Döring gibt seinen Posten in Berlin auf. Zurück in Hannover wird er wieder Handys und Hunde versichern.
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DüsseldorfDer „tierfreundlichen Krankenkasse für Miaus und Wauwaus“ hat Patrick Döring so richtig nie den Rücken gekehrt. Auch während seiner anderthalb Jahre als Generalsekretär der FDP war er immer Vorstand der Agila Versicherung in Hannover. Das Unternehmen versichert Hunde und Katzen. Auch als Mitglied des Bundestags stand so Dörings blumiges Wauwau-Grußwort an Herrchen und Frauchen auf der Internetseite tierfreunde.info. Bei der Hundehalter-Versicherung seines Unternehmens müsse „keine Rasse draußen bleiben“. Auch Kampfhunde sind also willkommen.

Döring selbst ist ein politischer Kampfhund. Als Generalsekretär war er für die Angriffe auf die politischen Gegner zuständig. Im April 2012 war er nach Berlin geholt worden. Doch nach dem Wahldebakel seiner Partei bei der Bundestagswahl hat er seinen Rückzug von dem Parteiposten und die Rückkehr in die Versicherungswelt angekündigt. Statt auf SPD und Grüne muss er sich wieder auf Konkurrenten wie die Uelzener Versicherungen oder die Axa einschießen. Und für Schlagzeilen taugen dann allenfalls Umfragen zu den beliebtesten Tiernamen (Laut Agila liegen Sammy, Buddy, Luna und Emma vorne).

Nach eigenen Angaben wird Döring neben dem Job als Tierversicherer auch wieder in den Vorstand der Agila-Muttergesellschaft, der Wertgarantie AG, einsteigen. Das Unternehmen verkauft mit über 300 Mitarbeitern Spezial-Sachversicherungen, etwa Handy-Policen.

Der Rückzug aus Berlin hat ein Gutes für Döring. Statt mit dem schrumpfenden Wählerpotenzial der Partei kann er sich wieder ganz mit einem Wachstumsmarkt beschäftigen. Im Jahr 2012 hatte Agila die Zahl der Versicherungen im Bestand um elf Prozent auf 154.000 Verträge erhöhen können. Auch in diesem Jahr soll es in ähnlichem Tempo weitergehen: Neun Prozent sind die Erwartung.

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Kommentare zu " FDP-Generalsekretär Döring: Der Kampfhund-Versicherer"

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  • @Lobster: Und was hat das mit der FDP zu tun?

    Sorry, aber es ist einfach Unsinn zu behaupten, dass im neuen Parlament keine freiheitliche Gesinnung mehr vorhanden ist, nur weil Brüderle, Döring, Niebel und Co. nicht mehr drin sitzen.

    Schliesslich kann sich jede Partei den Liberalismus auf ihre Fahne schreiben und ihn entweder praktizieren oder nur als Vorwand nutzen wie die FDP.

    Ob eine Partei liberal, Sozial oder Christlich ist, hängt doch nicht von ihrer Präambel ab, sondern von dem, was sie tatsächlich tut.
    Die SED war auch keine sozialistische Partei im Sinne des theoretischen Sozialismus, obwohl sie sich als sozialistisch bezeichnet hat.

    Was diese Leute in den letzten 20 Jahren veranstaltet haben, war eine zunehmende Veruntreuung der Idee des Liberalismus.

    Und egal ob man diesen als "Fundament" bewertet, deshalb bleibt er immer auch eine Ideologie die nur dann einen Sinn haben kann, wenn man sie in einen gesellschaftspolitischen Kontext stellt und dort anwendet. Für sich gesehen ist sie bedeutungslos.

    Und dieser Kontext ist in Deutschland die soziale Marktwirtschaft auf dem Fundament unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung.

    Und damit ist Liberalismus nur ein Teil von Ganzen. Nicht mehr nicht weniger. Das bedeutet nicht, dass wir darauf verzichten können. Aber auf die FDP können wir leicht verzichten.

  • „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ - Der Satz schränkt Macht und Herrschaft ein.
    Eigentum z.B. bedeutet Herrschaft über Sachen und wenn man sagt, daß Eigentum verpflichte, dann heißt das, seine Verwendung soll der Freiheit aller dienen können und nicht etwa ihrer Unterdrückung. Das heißt, daß der Staat z.B. die unternehmerische Freiheit nicht durch Überregulierung ersticken,aber auch, daß wirtschaftliche Übermacht durch Unterregulierung nicht zu menschenunwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen führen darf. Rechte sind Freiheiten und wer die Freiheit schützen will, muß das Recht achten. Die „Freiheit der Finanzmärkte“ z.B. ist damit nicht gemeint. Wer das „market making“ für den Kauf und Verkauf von irrealen Finanzprodukten zu seinem Geschäftsmodell macht, der verfolgt in der Hauptsache eine Strategie, rechtlich noch ungeordnete Gebiete zu erfinden oder bestehende rechtliche Regelungen zu unterlaufen. Indem er auf das Recht pfeift, gefährdet er die Freiheit aller.
    Eine andere Weise Herrschaft auszuüben ist die Gewalt über Menschen. Auch sie muß eingeschränkt werden durch den Rechtsstaat und vor allem durch die Gewaltenteilung – horizontal durch die Trennung der Exekutive von der Legislative und der Judikative, vertikal etwa durch den Föderalismus und nach dem Subsidiaritätsprinzip, an dessen Basis wiederum die individuelle Person und ihre Familie steht. Erst wenn sie sich nicht mehr helfen können, darf der Staat in ihre Sphäre eingreifen. Man prüfe mal staatliches Handeln etwa auf dem Feld der Besteuerung, der Bildung, der Gesundheit in dieser Hinsicht. Man stelle sich einen Sohn vor, dessen Mutter zum Pflegefall wird. Unter Umständen wird sie in ein Pflegeheim zwangsweise eingewiesen und der Sohn zur Finanzierung der Pflege zum Verkauf seiner Lebensversicherung oder Eigentumswohnung gezwungen, also enteignet.
    "Die Freiheit ist auf dem Rückmarsch" - Beispiele gibt es viele. Das Internet ist vielleicht demokratisch, aber es ist nicht freiheitlich geordnet.

  • Im neu gewählten Bundestag gibt es keine freiheitliche Partei im vollem Sinne des Wortes. Denn die freiheitliche Idee ist kein ideologisches Element unter anderem, sondern ein Fundament. Ich bin ein Deutscher von heute, d.h. ein Anhänger der parlamentarischen Republik und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Aber weder die Begriffe Parlament noch Republik oder Demokratie für sich allein genommen bedeuten Freiheit. So gibt es auch Republiken, die zwar die Regelung der staatlichen Angelegenheiten über Wahlen und Abstimmungen entscheiden, aber nicht demokratisch sind (z.B. „Adelsrepubliken“), es gibt auch Parlamente, die Mehrheiten organisieren, aber keine Opposition kennen und Minderheiten als Abweichler denunzieren, unterdrücken, verfolgen und ausschließen (z.B. „Volkskammern“), es gibt auch Demokratien, die weder republikanisch noch parlamentarisch sind (selbst der Diktator Hitler hat im Namen des Volkes geherrscht, natürlich völlig pervertiert in der Gleichsetzung von „Ein Reich, ein Volk, ein Führer“). Und dann gibt es zahlreiche Varianten davon: Parlamente, die keine wirkliche Macht gegenüber der Regierung haben (wie früher der deutsche Reichstag oder heute das europäische Parlament) oder Demokratien und Republiken, in denen längst nicht alle Teile der Bevölkerung wählen dürfen (wie früher die USA unter Ausschluß der Frauen, der Schwarzen, der Roten und der Gelben oder der Grundbesitzlosen wie im alten Großbritannien). Entscheidend ist für mich das Freiheitliche und das ist nach meinem Eindruck überall auf dem Rückmarsch.„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – das ist die Freiheitliche Idee. Dieser Satz gilt für Land und Leute noch bevor von einer Staats- und Regierungsform überhaupt die Rede ist. Er stellt den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt und spricht von seinen angeborenen Rechten, nämlich von seinen Freiheiten - gegenüber den staatlichen und gesellschaftlichen, einschließlich wirtschaftlichen Mächten und allen parlamentarischen Mehrheiten.

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