Fernsehkritik
Das kriminelle Stelldichein bei der WestLB

Eine TV-Dokumentation im WDR arbeitet den Niedergang der WestLB chronologisch präzise auf. Wenig beleuchtet werden die letzten Monate der Landesbank. Die WestLB bot zu viel Misswirtschaft für 45 Fernsehminuten.
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DüsseldorfDreieinhalb Monate ist die WestLB inzwischen schon zerschlagen. Geschichte ist die Landesbank damit aber noch lange nicht. Immer noch werden Milliarden an Erbmasse in die Bad Bank der WestLB verschoben, Skandale um Ex-Vorstände bekannt und sind Gerichtsprozess anhängig.

Nachrichten rund um die Skandalbank also werden die Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen, die das Desaster am Ende bis zu 18 Milliarden Euro kosten wird, wohl noch auf Jahre hinaus zu hören bekommen. Der Autor Klaus Balzer wagte sich am Montagabend im WDR Fernsehen an eine erste Aufarbeitung.

Dabei kamen die letzten Monate vor der Zerschlagung der WestLB zum 1. Juli 2012 leider zu kurz. Thematisiert wurde lediglich die Entlohnung des ehemaligen CDU-Spitzenpolitikers Friedrich Merz, der für sein vergebliches Unterfangen, Käufer für das marode Finanzinstitut zu finden, angeblich ein Tageshonorar von 5000 Euro erhielt. Der Hang zum Personalisieren ging auch hier mit den Fernsehmachern durch.

Die Wochen der zähen Verhandlungen zwischen der EU, Bund und Land, den Sparkassen, der Helaba und weiteren Beteiligten des Abwicklungs-Pokers, blieben in der Dokumentation ausgespart. Und was an Negativmeldungen noch kommen wird, das lässt sich für den Zuschauer am Ende nur erahnen. „Übrig bleiben nur die Erinnerung an Filz und Größenwahn und der Verlust von vielen Milliarden Euro“, so schließt der Film. Zugegeben: Die WestLB bot in den 43 Jahren ihrer Geschichte einfach zu viel Misswirtschaft und Skandale für 45 Fernsehminuten.

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Steinbrück und Co. trauen sich nicht

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  • Die WestLB ist ein besonders hervorragendes Beispiel, was passiert, wenn sich Politiker als Industrielenker auf-führen ("Wir lassen uns doch nicht von den Märkten sagen, wo es langgeht..."). Das Typische ist das völlige Versagen der Kontrolle, sowohl durch den Aufsichtsrat als auch durch die Aufsicht. Die ökonomischen Ergebnisse der WestLB interessierten damals niemanden, sie war ein reines Machterhalt-Instrument. Ich finde es zynisch, wenn Politiker mangelnde Aktivitäten bei der Bankenregulierung kritisieren, aber gleichzeitig einen gro0en Bogen um die politisch dominierten Banken - die als einziger Sektor der Bankbranche Mitverursacher der Finanzkrise waren - machen, die m.E. alle miteinander abgewickelt gehören. Problem: für all die Landesbank-Anleihen bis 2005 haftet der deutsche Steuerzahler. Hätte Brüssel nicht einen Riegel vorgeschoben, wäre das immer so weiter gegangen...

  • Das bedrückende Ergebnis dieser Dokumentation ist, dass genau die gleichen Politiker sich heute anmassen, so viel vom Bankgeschäft zu verstehen, dass sie diese regulieren können. Hieß es noch 2006 / 07 "stupid german money" als deutsche Landesbanken die grössten europäischen Investoren in CDO waren, wird es möglicherweise zukünftig "stupid german banking system" heissen.

  • Das heißt nicht Korruption. Das heißt "in tiefer Dankbarkeit". ;-)

    Je schlechter die Herkunft, desto korrupter der Charakter.

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