Finanzaufsicht
Bafin ermittelt in neuem Fall gegen Deutsche Bank

Wegen angeblich zu laxer Kontrollen bei der Geldwäsche ermittelt die Finanzaufsicht Bafin gegen die Deutsche Bank. In mehreren Fällen habe die Bank verdächtige Transaktionen zu spät an die Polizei gemeldet.
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BerlinDie Deutsche Bank ist einem Zeitungsbericht zufolge wegen zu laxer Geldwäsche-Kontrollen ins Visier der Finanzaufsicht Bafin geraten. Die Bank habe in mehreren Fällen verdächtige Transaktionen zu spät an die Polizei gemeldet, weil möglicherweise das interne Alarmsystem nicht richtig eingestellt sei, berichtete die Zeitung "Welt am Sonntag" ohne Quellenangabe. Um die Systeme zu überprüfen, habe die Bafin eine Ermittlertruppe des Wirtschaftsprüfers EY (früher Ernst & Young) in die Bank geschickt. Das potenzielle Bußgeld betrage höchstens 100.000 Euro, berichtete die Zeitung.

Die Finanzaufsicht wollte sich nicht äußern. "Zu einzelnen Instituten nehmen wir grundsätzlich keine Stellung", sagte ein Bafin-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Auch die Deutsche Bank wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Generell gelte, dass die Bank die Geldwäschebekämpfung ernst nehme. "Angesichts der regulatorischen Veränderungen bauen wir unsere Kapazitäten aus und entwickeln unsere Systeme beständig weiter", sagte ein Sprecher der Bank.

Die Finanzaufsicht hat bereits mehrfach Untersuchungen gegen die Deutsche Bank eingeleitet - unter anderem in der Affäre um manipulierte Zinsen sowie wegen möglicher Bilanztricksereien. In ihrem Abschlussbericht zur Manipulation des Referenzzinses Libor kommt die BaFin Finanzkreisen zufolge zu dem Schluss, dass die Bank ihre Mitarbeiter zu lax kontrolliert hat. "Die Abberufung eines Vorstands steht nicht zur Debatte", sagte eine mit den Plänen vertraute Person vergangene Woche Reuters. Damit kann offenbar der heutige Co-Vorstandschef Anshu Jain aufatmen. Er hatte bis zum Frühjahr 2012 das Investmentbanking der Deutschen Bank geführt, in dem die Manipulationen passierten.

Weltweit wird in dem Manipulationsskandal gegen mehr als ein Dutzend Banken ermittelt, weil einzelne Händler an dem Zinssatz geschraubt haben sollen, um Handelsgewinne einzustreichen. UBS, Barclays und die Royal Bank of Scotland schlossen bereits Vergleiche und mussten dafür Strafen von zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Mit Spannung werden daher nun auch im Ausland die Ergebnisse der Sonderprüfung bei der Deutschen Bank erwartet, die die Bafin im vergangenen Jahr gestartet hatte.

Zudem hat die Bafin inzwischen Untersuchungen wegen mutmaßlicher Tricksereien bei einem viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte, dem sogenannten Isdafix, eingeleitet, wie Anfang August bekanntwurde.

Bereits im April war bekanntgeworden, dass die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin eine Sonderprüfung wegen mutmaßlicher Bilanztricksereien bei der Deutschen Bank eingeleitet haben. Der frühere Risikoanalyst Eric Ben-Artzi wirft der Bank vor, hochkomplexe Wertpapiere in einem bis zu 130 Milliarden Dollar schweren Derivate-Portfolio zwischen 2007 und 2010 zu hoch bewertet zu haben. Hätte die Bank die niedrigeren Marktwerte angesetzt, wäre sie damals "in sehr viel schwächerer Verfassung" gewesen, hatte er gesagt. Die Deutsche Bank hatte dagegen wiederholt erklärt: "Die Vorwürfe waren Gegenstand einer sorgfältigen und umfangreichen Untersuchung und haben sich als vollkommen unbegründet erwiesen."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wenn die Aktionen eines ausdrücken, dann ist es die fehlende Souveranität und Kompetenz der Behörden. Die Grenze von 15.000 € kann zu tief und gleichzeitig zu hoch sein. Sich an solchen Größen fix zu orientieren kann doch nur bedeuten, dass die Profis, die man fangen will, durch das Netz schlüpfen und die, die man nicht fangen will schikaniert.

    Was ich ausdrücken will, eine effiziente Kontrolle kann sich an einem fixen Geldbetrag nie orientieren. So etwas "macht man", wenn man nicht weiß, was man machen soll, um später zu behaupten, man habe ja alles unternommen.

    Diese "Aufpasser" muss man raus werfen und kompetent neu anfangen!

    Mit Schwarz-weiß-Malerei versucht man die eigene Unfähigkeit zu überpinseln. Jetzt hat die BAFin schon das Personal so stark aufgestockt, fragt unzählige Konten ab, bekommt von den wahren Risiken im Markt weiterhin nichts mit und verbreitet jetzt operative Hektik, um von der eigenen geistigen Windstille abzulenken, dass kann keine gute Entwicklung sein.

    Wer "gut" ist, darf/muss "pingelig" sein. Wer keine Ahnung hat und pingelig ist, dem fällt jeder Stein auf die Füsse.

  • Der Bericht in der Welt zum gleichen Thema ist seriöser und ausgewogener formuliert (ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal bei einem Vergelich Handelsblatt und Welt sagen würde)
    Anstelle die gleiche alte Soße (Libor, angebliche Unterbewertung von Derivaten etc.) nochmal wieder aufzurühren, wie es dieser Habdelsblatt-Artikel tut (was eigentlich tatsächlich nur dazu gedacht sein kann, Ressentiments weiter zu schüren). geht der Bericht in der Welt - wenn auch nur oberflächlich - auf die Schwierigkeiten bei den Meldeprozessen für die Geldwäsche ein und auf den Zwiespalt der Banken zwischen Schutz der Privatsphäre ihrer Kunden und sofortiger Verdächtigung als Schwerverbrecher (Geldwäsche ist ja eine Straftat), wenn ein Kunde bei einem höheren Geldeingang nicht sofort anruft und mit offiziellen Dokumenten nachweist, dass er legal an diese Gelder kam.
    Schwellenwert ist übrigens €15.000, also wagen Sie es bloß nicht, ein höherwertiges Auto gebraucht zu verkaufen, ohne das dann für die Bank (die das eigentlich so genau gar nicht wissen will) durch eine Kopie des Kaufbvertrags und des Fahrzeugbriefs, idealerweise verbunden mit einem Foto des Fahrzeugs, des Käufers und einer Kopie dessen Personalausweis zu dokumentieren - sonst muss die Bank Sie an die Polizei melden, wenn Sie die Summe auf Ihr Konto einzahlen wollen.
    Zumindest scheint das die neue Wunschvorstellung der Staatsanwaltschaften und scheinbar auch der BAFIN zu sein. Früher hätte es der Bank gereicht, wenn Sie im Gespräch mit dem Kassierer glaubhaft (passt zu Ihren Lebensumständen) sagen, dass das Geld aus dem Verkauf eines Gebrauchtwagens stammt.
    Ganz nebenbei: Auch Autohändler müssen eine Geldwäschemeldung machen, wenn ein Kunde ein Auto bar bezahlt ohne die Herkunft des Geldes nachzuweisen - und ggf. mit Nachweisen dokumentieren, warum sie auf die Meldung verzichtet haben ...

  • Musi,
    wer spricht von Geld, was ihm nicht gehört???
    Hat die DB nicht wieder einmal gezeigt, woran sie eines schönes Tages vom Markt genommen werde. Die DB ist noch viel schlechter als die Mafia. Bei der Mafia weiß man, dass die mit nicht legalen Mitteln die Volkswirtschaft außer Kraft setzt, bei der DB ist dies und mit Hilfe der Politiker nur möglich, ALSO legal. Das die vorigen Kommentare dies nicht erklären können, muß dies hier nachgeholt werden. Peinlich ist dies schon, dass immer noch der Glaube vorherrscht, die Banker sind ein seriöses Volk. Dem kann nur vehement widersprochen werden.

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