Finanzaufsicht Bafin
Großteil der Versicherer schaffen Solvency II

Die verschärften EU-Kapitalvorschriften, kurz Solvency II, stellt die deutschen Lebensversicherungen vor Probleme: Laut Bafin fehlten gut 20 Versicherern die Eigenmittel – gäbe es nicht eine Übergangsregelung.
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FrankfurtDie allermeisten deutschen Lebensversicherer sind nach einer Umfrage der Finanzaufsicht BaFin für die künftigen verschärften Kapitalregeln gerüstet.

Nur einige kleine Lebensversicherer, die zusammen weniger als ein Prozent Marktanteil erreichten, könnten die Anforderungen der EU-Vorschriften von Solvcency II trotz der Übergangsregeln nicht erfüllen, teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Mittwoch in Bonn mit.

„Die BaFin wird mit diesen Unternehmen umgehend die nötigen Schritte erörtern“, erklärten die Aufseher. Das Regelwerk, das den Kapitalbedarf der Versicherer stärker an den Risiken in den Büchern ausrichtet, tritt 2016 in Kraft.

Die BaFin hatte die 87 Lebensversicherer durchrechnen lassen, wie sie mit Solvency II zurechtkommen würden. Etwa 20 von ihnen erfüllten Solvency II Ende des vergangenen Jahres nach den Erkenntnissen der BaFin aber nur dank der Übergangsregeln.

Die betroffenen Unternehmen kommen zusammen auf zehn Prozent Marktanteil. Inzwischen könnten es aber noch mehr geworden sein, weil die Zinsen weiter gesunken seien, was die Branche massiv belastet, wie die BaFin warnte.

Würde Solvency II sofort ohne Übergangsfristen eingeführt, fehlten ihnen zusammen Eigenmittel von 15 Milliarden Euro. Die Branche hat bis 2032 Zeit, um das nötige zusätzliche Kapital aufzubauen. Viele kleine Versicherer haben allerdings kaum Zugang zum Kapitalmarkt.

„Dauert die Niedrigzinsphase an, müssen die Lebensversicherer in der 16-jährigen Übergangsphase erhebliche Anstrengungen unternehmen, um ihre Kapitalbasis zu stärken“, mahnte Felix Hufeld, der Chef der Versicherungsaufsicht bei der BaFin.

Schaffen die Versicherer das absehbar nicht, kann die Behörde mit einem ganzen Werkzeugkasten an Maßnahmen eingreifen: von erzwungenen Änderungen in der Anlagepolitik bis hin zu einer Übertragung der Policen auf die Auffanggesellschaft der Branche, Protektor. Einige Lebensversicherer sind bereits aus dem Neugeschäft ausgestiegen.

Vor allem die langfristigen Garantien an ihre Kunden machen den deutschen Lebensversicherern unter Solvency II zu schaffen. Auch Lebensversicherer, die nur knapp über den Mindestquoten liegen, müssten daher Kapital aufbauen, forderte Hufeld. Denn das am Risiko ausgerichtete Regelwerk kann schnell zu starken Schwankungen in der Kapitalausstattung führen, wenn die Märkte verrückt spielen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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