Finanzaufsicht
Immer noch finden Diktatoren-Gelder Asyl in der Schweiz

Die Schweizer Finanzaufsicht Finma untersuchte die Kundenbeziehungen einiger Banken, da sie „gewichtige Verfehlungen“ vermutet. Kritiker wollen die Geldwäscheregeln auf den Immobiliensektor ausdehnen.
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ZürichDer Finanzplatz Schweiz steht in der öffentlichen Wahrnehmung oft unter dem Generalverdacht, der Geldtresor für die Diktatoren dieser Welt zu sein. Nach den politischen Umwälzungen durch den arabischen Frühling hat sich die Schweizer Bankenaufsicht Finma genauer angeschaut, wie die Schweizer Banken ihre Kundenbeziehungen zu politisch heiklen Kunden, genannt PEP (politisch exponierte Personen) managen.

Das Ergebnis rüttelt auf: Bei vier von 20 untersuchten Banken schaut die Aufsicht noch einmal genauer hin, da sie „gewichtige Verfehlungen“ vermutet. Bei handfesten Verstößen drohen Banken und Verantwortlichen Sanktionen - das kann bis zum Entzug der Banklizenz gehen. Die meisten Finanzinstitute seien aber ihren besonderen Sorgfaltspflichten nachgekommen, schreibt die Finma. Bei welchen Banken die Aufseher nun nachfragen wollen, wurde nicht enthüllt.

Zu den von der Studie aufgedeckten Mängeln gehört, dass ein Institut eine Kundenbeziehung ganz bewusst nicht als politisch heikel eingestuft, obwohl dieser Kunde zur Familie eines Machthabers gehörte. Es geht aber auch anders: Eine andere Bank hatte die Geschäftsbeziehungen zum Kunden abgebrochen.

In einem anderen Fall prüfte die Bank die Geldeingänge eines Risiko-Kunden nicht gut genug. „Regelmäßig siebenstellige Beträge“ landeten auf dessen Konto, heißt es in der Studie. Offiziell bekam der Kunde das Geld dank langfristiger Verträge mit multinationalen Unternehmen. „In den Unterlagen der Bank finden sich aber keine Dokumente bezüglich der Verbindung der PEP zu den genannten Firmen“, schreiben die Aufseher. Mögliche Erklärung: Der Risikokunde ist „langjähriger Kunde eines Direktionsmitglieds der Bank“.

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Herangehensweise verfälscht Ergebnisse der Studie

Kommentare zu " Finanzaufsicht: Immer noch finden Diktatoren-Gelder Asyl in der Schweiz"

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  • Die Schweiz hat wohl zum Teil das Geschäftsmodell geändert. Das Schwächung des Bankgeheimnisses weltweit macht Geldwäsche nicht mehr so einfach.

    Ich denke, jetzt macht man mehr in Steuerhinterziehung, was sich aber angesichts exportierter Steuersünder-CDs vermindern wird.

    Ein gutes Geschäftsmodell ist auch, Multimillionäre und Milliardären eine Heimat zu geben. Das Geld wurde (wird) im Ausland verdient und in den Schweiz versteuert. Ein Nachbar hier hat das gerade gemacht. Michael Schumacher macht es schon lange.

    Das sieht wie ein legales Geschäft aus. Aus Sicht der betroffenen Länder ist es jedoch schädlich. Mir wäre wohler, wenn die Steuern unter den europäischen Ländern harmonisiert würden.

  • Ihr lieben Deutschen Nachbarn,
    in Sachen Geldwäsche IST Euer schönes Land tatsächlich ein Paradies. Siehe "OECD tadelt Deutschland beim Kampf gegen Geldwäsche" in dieser Zeitung datiert 23.2.2010. Die Schweiz WAR das mal. Und Miami, Florida ist die Waschmaschine für Narko-$.
    LG Wilhelm Tell

  • Auf Quellen wie Jan Helsing baue ich ungern meine Sicht der Welt auf. Das kann man glauben oder man lässt es. Ich halte mich an lieber an Fakten.

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