Finanzaufsicht
Japan klopft Deutschen Bank auf die Finger

Die japanische Finanzaufsicht knöpft sich die Deutsche Bank vor: Die Kontrollsysteme müssten dringend verbessert werden. Die Deutsche Bank hat sich bereits entschuldigt – und plant disziplinarische Maßnahmen.
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Tokio/ FrankfurtJapan klopft der Deutschen Bank auf die Finger: Die Finanzaufsicht FSA hat das Institut am Donnerstag verpflichtet, sein Geschäftsgebaren zu ändern und seine Kontrollsysteme zu verbessern. Ein Mitarbeiter der Tochter Deutsche Securities hat nach Angaben der Polizei einen Manager des Betriebsrenten-Fonds für das Handelshaus Mitsui für umgerechnet rund 6500 Euro opulent bewirtet und auf Auslandsreisen und Golfausflüge eingeladen

Dies sei der Dank dafür gewesen, dass Mitsui 7,2 Millionen Euro bei Deutschlands größter Bank angelegt hatte. Zwischen 2010 und 2012 seien drei weitere Pensionsfonds-Kunden für zusammen rund 45.000 Euro „unterhalten" worden.

Die Deutsche Bank entschuldigte sich und kündigte eine Reihe von Maßnahmen an, damit sich solche Vorfälle künftig nicht wiederholen. Die für Pensionsfonds zuständige Abteilung wurde bereits im September geschlossen. Die Sparte, die für die Einhaltung der Regeln guter Unternehmensführung ("Compliance") zuständig ist, soll mehr Personal erhalten.

Auch die Kontrolle der Spesenabrechnungen will die Deutsche Bank verschärfen. Im aktuellen Fall habe die Abteilung nicht einmal gefälschte Spesenbelege erkannt, erklärte die FSA. Das Institut habe seine Vertriebsmannschaft auf der Jagd nach Provisionen „Amok laufen" lassen.

Ausufernde Abendessen sind in Japan üblich, um Geschäftsbeziehungen zu festigen. Nach einem Skandal im Jahr 1998, als sich Finanzaufseher von den Banken verwöhnen ließen, die sich eigentlich kontrollieren sollten, hat die Regierung jedoch strengere Auflagen für Beamte erlassen. Pensionsfonds-Manager unterliegen diesen Vorschriften auch, wenn ein Teil des von ihnen verwalteten Geldes ins staatliche Rentensystem fließt.

Der 36-Jährige Deutsche-Bank-Mitarbeiter, der den aktuellen Skandal ausgelöst hatte, wurde bereits vor einer Woche festgenommen. Die Deutsche Bank plant nach eigenen Angaben disziplinarische Maßnahmen gegen Mitarbeiter, die für die Gelage mitverantwortlich waren. Diese könnten von Gehaltskürzungen bis zu Entlassungen reichen. Die Führungsspitze der betroffenen Deutsche-Bank-Tochter sollen Finanzkreisen zufolge zeitweise deutlich weniger Gehalt bekommen.

Die Deutsche Bank ist weltweit in eine Vielzahl von Skandalen und Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Erst in der vergangenen Woche brummte die EU-Kommission dem Institut im Skandal um Zinsmanipulationen eine Rekordstrafe von 725 Millionen Euro auf. In zahlreichen anderen Fällen laufen noch Ermittlungen, milliardenschwere Strafen drohen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzaufsicht: Japan klopft Deutschen Bank auf die Finger"

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  • "Japan klopft Deutschen Bank auf die Finger"

    Das hat sicher kein Japaner geschrieben. Denn, wenn ein Japaner was kann, im vorliegenden Fall deutsch, dann kann er es richtig.

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