Finanzbranche Ackermann und die Bullen von Peking

Bei der Frühjahrstagung des Institute of International Finance (IIF) in Peking beschwört die internationale Finanzbranche den Aufbruch in eine bessere Zukunft. Im Land der Superlativen wird der Blick voraus gerichtet – eine selbskritische Rückschau auf die Krise wird ebenso vermieden wie Kritik am Finanzmarkt China.
  • Andreas Hoffbauer
Daumen hoch: IIF-Präsident Josef Ackermann will die Krise abhaken. Quelle: dpa

Daumen hoch: IIF-Präsident Josef Ackermann will die Krise abhaken.

(Foto: dpa)

PEKING. Vielleicht liegt es an der prunkvollen Ausstattung des Konferenzhotels. In dem großen Saal, mit den schweren kristallenen Leuchtern und barock gedrechselten Rokoko-Stühlen, wollen sich die mahnenden Worte zur globalen Krise nicht so recht breit machen. Wie die Schritte im tiefen, rotgelben Plüschteppich, so scheinen auch sie abgedämpft zu werden.

Bei der Frühjahrstagung des Institute of International Finance (IIF) – einem wichtigen und hochkarätig besetzten Treffen der internationalen Finanzbranche – haben die Bullen schon am ersten von insgesamt drei Tagen das Podium in Peking erobert. Die Erholung ist da, das Tal der Tränen fast durchschritten, lautet die Botschaft der meisten Redner.

Allen voran stürmt IIF-Präsident und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der „Bulle von Peking“. Siegerlächeln statt Sorgenfalten, den Blick voraus statt selbstkritischer Rückschau. Ackermann macht deutlich: Für die Bankenwelt hat der Aufbruch in ein neues Zeitalter bereits begonnen.

China, das Land des Aufschwungs und Peking, die Stadt der Superlativen – für die Veranstaltung ein denkbar geeigneter Rahmen. „Hier ist die Welt noch in Ordnung“, sagt Zhu Min, Vize-Präsident der Bank of China. Ein kleiner Rüffel für die Herren aus den Industrieländern. „Die Menschen in Peking fühlen sich momentan sehr viel besser als die Bürger von New York“, stellt er fest. Wie zum Beweis strahlt die Sonne am blauen Pekinger Himmel.

Auch IIF-Präsident Ackermann will keine dunklen Wolken; noch am Abend vor seiner Rede entschärft er seinen Text, um nicht mit dem erhobenen Zeigefinger aufzutreten. Seine Kritik am neuen Protektionismus, eigentlich auf die Regierung daheim gemünzt, könnte zu stark auf China bezogen werden. Die Volksrepublik hat so stark kontrollierte und abgeschottete Finanzmärkte wie kaum ein anderes Land der Welt. Die Türen wurden bislang für ausländische Banken trotz WTO-Beitritts längst nicht so weit geöffnet, wie es sich viele der Teilnehmer der IIF-Tagung wünschen würden.

Kein Wort davon auf der Konferenz. Die Tagung ist ein Treffen der Harmonie. Das Gastgeberland, als Mitveranstalter durch die Bank of China bei der Konferenz im Boot, muss sich keine Sorgen machen. Kritiker der chinesischen Politik waren ohnehin nicht geladen.

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