Finanzbranche Anleihen retten den Banken das Geschäft

Deutschlands Investmentbanker atmen auf. Trotz einer Flaute bei Fusionen und Übernahmen nahmen die Institute dank eines boomenden Geschäftes bei Anleiheemissionen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres genauso viel ein wie im halbierten Gesamtjahr 2008.
Die Deutsche Bank mit Josef Ackermann an der Spitze ist Top-Verdiener. Quelle: Reuters

Die Deutsche Bank mit Josef Ackermann an der Spitze ist Top-Verdiener.

(Foto: Reuters)

FRANKFURT. Nach den Berechnungen des Finanzdatenanbieters Dealogic kassierten die Banken in Deutschland bislang 0,86 Mrd. Dollar mit der Deutschen Bank als Top-Verdiener an der Spitze. Die Befürchtungen über einen weiteren Rückschlag nach dem schlechten Vorjahr sind nicht eingetroffen. Und bei den Bankern kommt Hoffnung auf, dass sie bei den Gehältern keine erneuten Abstriche hinnehmen müssen.

Zuletzt hatten internationale Banken höhere Grundgehälter ins Spiel gebracht, um ihre Mitarbeiter zu halten. So sollen bei der Citigroup die Investmentbanker die größten Gehaltserhöhungen bekommen. Auch die schweizerische UBS hatte sich kürzlich für diesen Schritt entschieden, und Morgan Stanley will ebenfalls das Gehalt vieler Top-Manager nach oben setzen. Bislang standen Bonuszahlungen oftmals für bis zu zwei Drittel der Gesamtentlohnung von Top- Bankern. In Deutschland liegt die Gehaltsobergrenze bei Instituten wie der Commerzbank, die Staatshilfe erhalten, bei 500 000 Euro.

Die Halbjahreszahlen im Investment-Banking geben nicht nur in Deutschland, sondern weltweit Entwarnung. Mit globalen Gebühreneinnahmen über 16 Mrd. Dollar, wie der Finanzdatenanbieter Thomson Reuters errechnete, stiegen die Provisionen erstmals in den vergangenen zwölf Monaten. Zwar brach das Volumen von Fusionen und Übernahmen (M&A) in den ersten sechs Monaten um 44,5 Prozent auf 872,5 Mrd. Dollar ein.

Allerdings sorgten die Anleiheemissionen der Unternehmen mit knapp 600 Mrd. Dollar für einen Ausgleich, ein neuer Rekord. Firmen wie Daimler oder Thyssen-Krupp haben den Markt verstärkt genutzt. Auch die Aktienemissionen kommen langsam zurück und liegen bei 347 Mrd. Dollar, derzeit noch bei 20 Prozent unter Vorjahresniveau. In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild (siehe Tabellen). Der drittgrößte deutsche M&A-Deal war 2009 mit 4,2 Mrd. Dollar die Übernahme der Hypo Real Estate durch den staatlichen Rettungsfonds Soffin.

Den Boom bei Unternehmensanleihen erklärt Stephan Leithner, Chef des deutschen Investment-Bankings der Deutschen Bank, damit, dass "Emittenten der besten Qualitätsstufe, das heißt von Unternehmen im Investmentgrade-Bereich, heute bei Anleihen geringere Finanzierungskosten als vor einem Jahr haben". So seien etwa die Zinsaufschläge gefallen. Sie lägen auf dem Niveau von vor der Lehman-Pleite. Er sieht Europa deshalb auch für das Gesamtjahr auf Rekordkurs.

Sorgenkind bleibt der M&A-Bereich. Johannes Gröller, Ko-Chef des deutschen Investment-Bankings bei Morgan Stanley, sieht derzeit vor allem die Ankündigung von defensiven Transaktionen. Unternehmen konzentrieren sich auf den Kernbereich und spalten Randaktivitäten ab. Das Dealvolumen sei mit dem schlechten Jahr 2003 vergleichbar. "Private Equity wird nach dem Einbruch im vergangenen Jahr auch 2009 weiter ein Schattendasein fristen", ergänzt Wilhelm Schulz, Europa-Chef für Fusionen und Übernahmen bei der Citigroup. Dagegen setzt er auf die Konsolidierung im Versorgerbereich in Europa. Viele Konzerne wollten diversifizieren, andere würden von den Aufsichtsbehörden gezwungen, Konzernteile zu veräußern.

Die wichtigen Trends in Europa sieht er im zunehmenden Einsatz von Aktien als Akquisitionswährung, nachdem sich die Kursschwankungen reduziert hätten. Auch feindliche Übernahmen werde es wieder vermehrt geben. Doch bis Deutschland wieder auf dem Rekordniveau von 2007 steht, wird es für Berthold Fürst, der das heimische Fusions- und Übernahmegeschäft der Deutschen Bank leitet, noch dauern. Wenn sich die konjunkturelle Unsicherheit aufgelöst habe, kämen auch wieder strategische Übernahmen, glaubt er.

Bei Aktienemissionen konzentriert sich das Geschäft in Deutschland noch auf Kapitalerhöhungen und Wandelanleihen. Sie seien eine Alternative sowohl für Liquidität als auch zur Bilanzstärkung, urteilt Andreas Bernstorff, der das Aktiengeschäft der Citigroup in Deutschland führt. Er sieht aber auch erste Signale für Börsengänge, sie könnten im ersten Halbjahr 2010 zum Tragen kommen.

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