Finanzexperte einmal anders – André M. Bajorat „Fahrradfahren schweißt zusammen“

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„Ich will mehr Zeit auf dem Fahrrad verbringen“
Der 45-Jährige ist CEO von Figo und leidenschaftlicher Rennradfahrer. Quelle: Katharina Schneider
André M. Bajorat

Der 45-Jährige ist CEO von Figo und leidenschaftlicher Rennradfahrer.

(Foto: Katharina Schneider)

Die Tür geht auf und ein Kollege hält Bajorat ein Telefon entgegen. „Du musst hier mal hallo sagen, es geht um neue Website-Zertifikate.“ Wenige Minuten später kommt Bajorat zurück.

Herr Bajorat, sind Sie schwer abkömmlich?
Eigentlich nicht. Wenn man derjenige ist, der draußen sein sollte, kann man nicht gleichzeitig derjenige sein, an dem intern alles hängt. In der Anfangsphase, in den Jahren 2013, 2014, drehte sich noch alles um wenige Menschen. Aber inzwischen hat Figo 48 Mitarbeiter und im Management-Team sind wir zu viert.

Trotzdem sind Sie nach außen der Hauptrepräsentant.
Nach innen oft auch noch, aber man darf kein Flaschenhals sein. Wenn man alles entscheiden und bei allem dabei sein will, kann das nicht gut gehen. Zum einen brennt man irgendwann aus, und zum anderen sollte man auch nicht jede Entscheidung selbst treffen. Ich bin gut darin, Aufgaben abzugeben.

Sie sind nicht der Gründer von Figo, waren aber trotzdem von Anfang an dabei. Wie kam’s?
Figo wurde 2012 von einem sehr guten Design-Experten gegründet und sollte ursprünglich eine Banking-App sein. Ende 2011 haben wir das erste Mal darüber gesprochen. Aus meiner Zeit bei Star Finanz hatte ich schon Erfahrung mit Banking-Apps. Der Gründer wollte Banking neu denken und den Nutzern neue Funktionen bieten, das fand ich spannend. Ich habe mich an der ersten Finanzierungsrunde beteiligt und stand als Sparring-Partner zur Verfügung. Aus Dank wurden mir dann weitere Anteile an Figo überschrieben.

Wieso kam es kurz darauf zum Wechsel des Geschäftsmodells?
Es gab Probleme mit Apple. 2013 wurde die App aus dem App-Store geworfen und unsere Entwicklerlizenz wurde gekündigt. Gegen Apple zu klagen war keine ernsthafte Option. Gemeinsam mit den Gesellschaftern haben wir uns dann für den Schwenk auf ein Business-to-Business-Modell entschieden. Wir haben sehr lange gebraucht, um das abzuschließen, aber rückblickend war das die richtige Entscheidung.

Was haben Sie mit Figo noch vor?
Wir wollen unseren Dienst als regulierter Player gemäß der PSD2 nach ganz Europa bringen und noch mehr Funktionen über die Schnittstelle verfügbar machen, zum Beispiel Wertpapiergeschäft und die Aufbereitung von Daten. Für neue Projekte brauchen wir dann auch neue Mitarbeiter. Bis Ende des Jahres wollen wir von 48 auf etwa 70 wachsen.

Sie haben nie eine Ausbildung abgeschlossen, wollen Sie bei Figo etwas zu Ende bringen?
Ich hoffe, dass diese Firma noch lange kein Ende hat, zumindest nicht in den nächsten 20, 30 Jahren. Ich glaube aber nicht, dass ich hier bis zur Rente bleibe. Wenn ein Unternehmen wächst, sind immer wieder andere Fähigkeiten gefragt. Was meine Fähigkeiten angeht, bin ich ein total skeptischer Mensch und glaube, dass ich irgendwann nicht mehr der Beste für den dann notwendigen Job bin. Aber für die Firma, an der ich Anteile halte, möchte ich gerne die Besten an den richtigen Stellen.

Was kommt für Sie nach Figo, wollen Sie das Radfahren zum Beruf machen?
Ich bin keiner, der sein Leben strategisch plant, ich lasse mich gerne von Situationen treiben. Noch mehr Leidenschaft als fürs Banking habe ich für meine Familie, fürs Fahrrad, Reisen und draußen sein. Ich will mehr Zeit auf dem Fahrrad verbringen, das ist ein ganz klares Ziel.

Herr Bajorat, vielen Dank für das Interview.

Vita André M. Bajorat

Der Quereinsteiger: Ohne abgeschlossene Ausbildung stieg André M. Bajorat bei der Sparkassen-Tochter Starfinanz zwischen 1999 und 2009 rasch in eine Führungsposition auf und verantwortete den Start von Giropay.

Der Fintech-CEO: Figo stellt Datenschnittstellen bereit, über die Banken und Finanzdienstleister auf Kundenwunsch Kontoinformationen abrufen und Zahlungen auslösen können.

Der Blogger: 2011 startete er den Blog „Payment And Banking“. Was als Link-Liste begann, wurde bald zur Experten-Plattform.

Der Radfahrer: Mit 13 Jahren verkaufte er seine Modelleisenbahn und kaufte sein erstes Rennrad.

Das Konzept der Serie „Finanzexperten einmal anders“: Das Handelsblatt trifft bekannte Finanzexperten, um sich abseits der Kapitalmärkte über ihre Hobbys zu unterhalten. Einblicke in die Finanzszene gibt es dabei trotzdem.

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