Finanzexperte Sorkin: „Die Eitelkeit der Banker verhinderte Lehmans Rettung“

Finanzexperte Sorkin
„Die Eitelkeit der Banker verhinderte Lehmans Rettung“

Andrew Ross Sorkin, Finanzjournalist der New York Times, ist Autor des Buches „Die Unfehlbaren“. Es ist eine detaillierte Schilderung der Ereignisse am Wochenende der Lehman-Pleite. Im Interview erklärt er, wer die Verantwortung für die Krise trägt und welche Lehren gezogen werden müssen.
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Handelsblatt: Herr Sorkin, Sie haben mit 200 Beteiligten an der gescheiterten Rettung von Lehman Brothers gesprochen. Was ist Ihr Fazit?

Andrew Ross Sorkin: Die Menschen schimpfen immer über die „gierigen Banker“. Aber das galt nach meinen Recherchen nicht für die Topmanager. Ihnen ging es um ihre Macht, verletzten Stolz und kleingeistige Eifersüchteleien und Eitelkeiten.

HB: War Lehman-Chef Dick Fuld der Verbrecher, der Verantwortliche, für den ihn alle halten?

Sorkin: Naja, in gewisser Weise war er eher eine tragische Figur. Er war vom Stolz auf seine Firma so verblendet, dass er die Probleme in den Bilanzen nicht wahrhaben wollte. Aber: Wenn die Regierung damals eine andere Bank, sagen wir die Citigroup, hätte kollabieren lassen, würde man heute mit den Fingern auf deren Chef Vikram Pandit zeigen.

HB: Fuld sagt, es sei eine politische Entscheidung gewesen, seine Firma untergehen zu lassen. Stimmt das?

Sorkin: Die Behörden verweisen immer darauf, dass sie keine legalen Eingriffsmöglichkeiten hatten. Und das stimmt auch. Aber es war damals auch politisch absolut nicht opportun, Lehman zu helfen. Entsprechend hat man auch nicht wirklich intensiv nach einem Weg zur Rettung der Bank gesucht. So gesehen hat Fuld nicht ganz unrecht.

HB: Gibt es einen Helden unter den Beteiligten der Rettungsaktionen?

Sorkin: Ich habe den damaligen Finanzminister Hank Paulson immer hart kritisiert. Aber ich glaube mittlerweile, dass die Geschichte ihn positiver beurteilen wird. Paulson war derjenige, der damals – anders als andere – seine Führungsrolle auch ausgefüllt hat.

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  • banken mögen den Kapitalismus. Warum wollen sie dann gerettet werden? -- Ach ja, das Geschäft - oder "nimm alles was Du kriegen kannst". Nur wenn sie in Schwierigkeiten sind möchten sie gern Geld vom Staat. Also ihre Schulden dem Volk unterschieben.
    Eine bank sollte genauso behandelt werden wie ein normales Unternehmen, wer im Geschäft versagt geht Pleite. Jede bank die Wertpapiere emmitiert, muß im Verhältnis über genügend Eigenkapital verfügen. Und auch die Anleger sollten sich genau ansehen, wem sie ihr Geld zum "Vermehren" überlassen.

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