Finanzexperten rechnen mit reibungslosem Zusammenschluss mit Unicredito Bei der HVB-Übernahme wird's ernst

Die milliardenschwere Übernahme der Hypo-Vereinsbank (HVB) durch die italienische Unicredito geht in die heiße Phase. Heute soll das offizielle Übernahmeangebot veröffentlicht werden.
  • Christian Potthoff

HB FRANKFURT. Die Finanzaufsicht BaFin gab gestern grünes Licht für den mit Anhang fast siebenhundert Seiten starken Prospekt. Die HVB-Eigentümer haben nun sechs Wochen Zeit, ihre Aktien in jeweils fünf Unicredito-Titel zu tauschen.

Die meisten Branchenkenner glauben, dass die mit einem Börsenwert von 17 Mrd. Euro größte grenzüberschreitende Bankenübernahme in Europa durchgehen wird. Tatsächlich wurde aus dem HVB-Aktionärskreis bisher nur sehr vereinzelt Kritik an der Offerte laut. Überdies hat die Münchener Rück als größter Aktionär bereits signalisiert, dass sie ihren Anteil von 18 Prozent gegen Unicredito-Papiere tauschen wird.

Unicredito-Chef Alessandro Profumo und HVB-Chef Dieter Rampl hatten sich Mitte Juni auf einen Zusammenschluss verständigt. Die HVB leidet seit Jahren unter einem schwachen Deutschlandgeschäft und galt schon länger als Übernahmekandidat. Unicredito dürfte jedoch vor allem das große Netz der HVB in Osteuropa reizen, das bei der österreichischen HVB-Tochter Bank Austria gebündelt ist. In der Wachstumsregion ist Unicredito künftig mit großem Abstand die Nummer Eins.

Gerade die starke Stellung in Osteuropa macht die HVB nach Meinung von Bankern grundsätzlich auch für andere internationale Großbanken interessant. Zeitweilig kursierten Spekulationen, dass etwa die französische BNP Paribas auch noch für die HVB bieten könnte. Und noch immer glauben manche Investmentbanker an eine Gegenofferte. Nach Ansicht der meisten Experten ist es dafür aber zu spät. Konrad Becker, Analyst bei Merck Finck & Co., verweist darauf, dass keine andere Bank mit der HVB soviel gewinnen würde wie Unicredito. Wegen der Überlappung der Filialnetze in Osteuropa können die Italiener erhebliche Synergien erreichen. Für andere Banken wäre das Sparpotenzial weitaus geringer. Zudem gelten feindliche Übernahmen von Banken als schwierig. Zwar geht Becker davon aus, dass es in den nächsten Wochen noch diverse Spekulationen über vermeintliche Interessenten geben wird – schließlich können flinke Börsenhändler mit solchen Gerüchten einen schnellen Euro verdienen. „Aber letztlich wird es keinen weiteren Bieter geben.“

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