Finanzgruppe: Nomura plant Verkauf von Sparten

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Nomura plant Verkauf von Sparten

Die japanische Finanzgruppe Nomura muss einen hohen Quartalsverlust ausweisen und plant nun den Verkauf von Unternehmensteilen, um an Kapital zu kommen. „Auch das Ergebnis für das Gesamtjahr wird hart ausfallen“, sagte Finanzvorstand Masafumi Nakada gestern in Tokio.

FINN MAYER-KUCKUK | TOKIO

Die japanische Finanzgruppe Nomura muss einen hohen Quartalsverlust ausweisen und plant nun den Verkauf von Unternehmensteilen, um an Kapital zu kommen. "Auch das Ergebnis für das Gesamtjahr wird hart ausfallen", sagte Finanzvorstand Masafumi Nakada gestern in Tokio. Im Quartal von Oktober bis Dezember verlor Nomura netto knapp drei Mrd. Euro (342 Mrd. Yen). "Diese Zeit war extrem schwer für die Finanzindustrie, und wir waren keine Ausnahme", sagte Bankchef Kenichi Watanabe. Das Unternehmen wolle sich nun von Aktivitäten trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Das geschehe im Rahmen eines Programms zur Kostensenkung. Welche Abteilungen betroffen sind und ob er diese schließen oder verkaufen will, ließ Watanabe offen.

Nomura hat im vergangenen Jahr große Teile der untergegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers übernommen. "Die Integration gestaltet sich nun als schwierig", sagt Naoko Nemoto, Bankenanalystin bei der Ratingagentur Standard & Poor's, die Nomura gestern wegen der schlechten Zahlen eine Kategorie herunterstufte. Nomura versteht sich im Kern als Vermögensverwalter und führt in diesem Geschäftsfeld den japanischen Markt an. Zur Firmengruppe unter der Holding gehört jedoch auch eine Bank, die beispielsweise Firmenkunden international bei Übernahmen beriet. Daher galt Nomura im US-Sprachgebrauch immer auch als Investmentbank.

Mit dem Zukauf des Asien- und Europageschäfts von Lehman-Brothers stärkt das Traditionshaus nun sein Profil im Bankgeschäft für Firmenkunden. "Das neue Team hat bereits an einer Reihe von Fusionen und Übernahmen gearbeitet, das Geschäft kommt in Gang", versichert Watanabe. "Unsere finanzielle Lage bleibt stabil, und wir sehen erste Erfolge bei der Kombination unserer Kundenbasis mit dem Marktwissen von Lehman."

Von Tokioter Bankern war gestern die Sorge zu hören, dass Nomura sich einerseits mit dem Lehman-Zukauf in ein globales Abenteuer stürzt, andererseits aber gesunde Sparten in Japan abstoßen muss, um das nötige Geld aufzubringen.

Der Verlust in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres (in Japan bis Ende März) entsprechen fast dem Dreifachen der durchschnittlichen Jahresgewinne der vergangenen Jahre. Sie gingen jedoch nur zum Teil auf Lehman-Kosten zurück. Viel stärker wirkte sich das Ergebnis des Eigenhandels aus. Nomura hatte unter anderem jeweils zweistellige Yen-Milliardenbeträge in isländische Bankanleihen und die Fonds des New Yorker Anlagemanager Bernard Madoff gesteckt, zwei der größten Pleitegeschichten der Finanzkrise. Japanische Banken halten zudem traditionell einen großen Bestand einheimischer Aktien.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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