Finanzinstitut
Santander formt Branchenriesen in Polen

Die Großbank Santander steigt zum drittgrößten Finanzinstitut in Polen auf. Sie kauft die mit rund einer Milliarde Euro bewertete Kredyt Bank. Die Papiere des Instituts schossen nach der Ankündigung in die Höhe.
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BrüsselSantander will sich ein größeres Stück vom Kuchen der aufstrebenden polnischen Wirtschaft abschneiden. Der Branchenprimus in der Euro-Zone kauft die Kredyt Bank des belgischen Konkurrenten KBC und legt sie mit ihrem eigenen Bankengeschäft zusammen. Dadurch steigt Santander zum drittgrößten Anbieter in dem boomenden Nachbarland Deutschlands auf.

„Es ist ein kluger Deal, weil Santander mit minimalem Kapitaleinsatz an Umfang und Synergien gewinnt“, sagte Analyst Andrea Filtri von Mediobanca. Die polnische Wirtschaft wuchs im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent und konnte seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 als einzige europäische Volkswirtschaft eine Rezession vermeiden.

An der Börse kam der Santander-Kauf gut an. Die Kredyt-Aktien schossen bis zu 18 Prozent in die Höhe und verbuchten ihren höchsten Tagesgewinn in der Firmengeschichte. Die KBC-Papiere legten um knapp fünf Prozent zu. Die Anteilsscheine des polnischen Bankenführers PKO BP und des Zweitplatzierten, der Unicredit -Tochter Pekao, lagen leicht im Minus.

Santander hat es seit längerem auf Polen abgesehen, wo der Binnenmarkt mit seinen knapp 40 Millionen Einwohnern und der Zloty starke Wachstumsimpulse bieten. Im vergangenen Jahr erwarb das Institut das polnische Geldhaus Zachodni für rund 4,3 Milliarden Euro. Nun müssen die Spanier deutlich weniger auf den Tisch legen. Zachodni gibt 6,96 seiner eigenen Aktien für 100 Kredyt-Papiere. Damit wird das Kredyt-Institut mit etwa einer Milliarde Euro bewertet. Das entspricht einem Aufschlag von mehr als 30 Prozent auf den Börsenschluss-Kurs vom Montag und liegt damit auch nach den Aufschlägen vom Dienstag noch deutlich über dem Kurs. Bei der Großbank Santander wird sich der Kauf lediglich mit 0,05 Punkten auf das Kernkapital auswirken.

Zunächst wird KBC noch einen Anteil von 16,4 Prozent an der fusionierten Bank mit 3,5 Millionen Kunden halten. Diesen wollen die Belgier nach und nach abbauen. KBC hatte zugesagt, sich im Gegenzug für Staatshilfen in Höhe von sieben Milliarden Euro während der Finanzkrise von Randaktivitäten zu trennen. Dazu gehört der Verkauf der Kredyt Bank.

Vom polnischen Versicherer Warta, seinem britischen Broker-Geschäft und den asiatischen Derivate-Operationen hat sich das Institut unter anderem bereits getrennt. Nur das Geschäft in Deutschland und die Bank Antwerp Diamond müssen noch unter den Hammer gebracht werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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