Finanzkrise
Banken im Schwitzkasten

Es wird eng für die Geldhäuser: Britische Banken verlieren ihr Toprating. Die taumelnde Dexia muss aufgefangen werden. Die Deutsche Bank kassiert ihr Gewinnziel. Und auf der Straße wächst der Protest.
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Washington/DüsseldorfEs ist das Finale einer für viele europäischen Banken furchtbaren Woche: Moody's hat heute zwölf britische Banken herabgestuft. Begründung: Die Analysten gehen zwar weiter davon aus, dass die britische Regierung systemrelevante Banken stützen wird. Allerdings werde die Unterstützung zurückgehen. Außerdem sei die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass die Regierung kleinere Institute fallen lasse, wenn diese in Nöte geraten sollten.

Was auch die Analysten spüren, ist der scharfe Wind, der den Banken entgegenbläst. Die Stimmung kippt. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass Banken gerettet werden, sondern es gibt eine Protestbewegung, die deutlich macht, dass sie nichts davon hält, die großen Spieler in der Finanzbranche mit Geld vom Staat über Wasser zu halten.

Michael Miller ist einer aus dieser Bewegung. Der 72jährige Arzt im Ruhestand aus New York ist kein Berufsrevoluzzer. Klar - vor langer Zeit, als es gegen den Vietnamkrieg und gegen Rassismus ging, da hatte er Straßen blockiert, mit Polizisten gerangelt, in Sprechchören mitgebrüllt. Aber heute steht der ganz still mit seinem Transparent im Zucotti-Park unweit des New Yorker Bankenviertels. Miller, groß gewachsen, die weißen Haare nach hinten gestrichen, wirkt wie eine Statue inmitten eines Gewusels aus hunderten jungen Menschen.

Sie könnten Millers Enkel sein, doch er wollte unbedingt mitmachen, wie er sagt. „Ich habe zufällig mit angesehen, wie brutal die Polizei neulich zugelangt hat. Das war für mich die Zündung“. Also malte der Rentner ein Transparent, das zur Kündigung des Kontos bei der Bank of America aufruft („Du bist nicht machtlos“) und schloss sich der Bewegung „Occupy Wall Street“ an. Jeden Tag steht er nun für ein paar Stunden auf dem Broadway vor dem kleinen Zuccotti Park, auf dem die Aktivisten seit fast drei Wochen demonstrieren, campen und essen. „Es ist höchste Zeit, dass sich die Leute gegen die Macht der Banken, den Lobbyismus, die Entmündigung zur Wehr setzen“, sagt Miller.

An Menschen wie Miller kommen auch jene Politiker nicht mehr vorbei, die derzeit zwischen der Rettung des eigenen Staatshaushalts, dem von Griechenland und der Rettung von Banken hin- und hereilen. Der britische Schatzkanzler George Osborne erklärte in einer ersten Reaktion auf die Moodys-Aktion, einer der Gründe dafür sei, dass die Ratingagentur glaube, die britische Regierung versuche von den Garantien für britische Banken wegzukommen. Die Ratingagenturen und andere kalkulierten damit, dass die Banken ihren Weg allein gehen müssen.

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Der Wind dreht sich - gegen die Banken

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  • ach Moika

    Sie haben es mal wieder nicht verstanden.
    Gott schütze uns vor den Menschen, die nur das sehen, was offen vor ihnen vorgelegt wird.

    Sie glauben wohl auch noch an den Weihnachtsmann
    oder daran, dass Frau Merkel etwas zu entscheiden hat.

  • Unsere charmante Angela macht bewusst einen auf doof und man baut darauf, dass sie so besser als Schuzschiorm gegen die wahre Macht der Illuminaten agieren kann.

    Sie ist doch nur eine kleine Marinette, die brav das sagt, was die Bilderberger ihr ins Notizbuch geschrieben haben. Und ohne den Druck von der Staße (we are 99%) werden die Bankster bestimmt nie etwas ändern.

  • Prima, dann kann ich beim Bäcker ja mit Feile und Barren bezahlen, indem ich zwei Gramm für ein Brot abfeile. Oder beim Metzger 10 Gramm für drei Kottelets.

    Man ist das ein ödes Geplärre, dieses deckt euch mit Gold ein...

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