Finanzkrise erhöht Streitlust Beratern droht Klagewelle

Unternehmen und Investoren bewerten Beratungsleistungen wegen der Finanzkrise so kritisch wie nie zuvor. Das berichten Versicherer und Makler. Die Zahl von Klagen gegen Berater wachse, vor allem in Amerika. Die Experten leiten daraus ab, dass die Versicherungsprämien für beratende Berufe bald steigen – so wie das für Managerhaftpflicht in der Finanzbranche bereits der Fall ist.

FRANKFURT. „Die Berufshaftpflicht könnte in naher Zukunft einer neuartigen Belastungsprobe ausgesetzt werden“, warnt Felix Hufeld, Chef des Versicherungsmaklers Marsh in Deutschland. Er verweist auf Marktbeobachter. Sie sagen, dass Investoren und Mitarbeiter nach Alternativen suchen, um an ihr Geld zu kommen, wenn ein Unternehmen wegen einer Insolvenz beispielsweise nicht mehr erfolgreich haftbar gemacht werden könne. So könnten sie vermehrt Ansprüche gegen Berater richten.

Wie realistisch dieses Risiko ist, zeigt sich derzeit in den USA. Dort laufe die größte Klagewelle seit 2002, sagt Hufeld. Sie betreffe alle Branchen, vor allem aber den Finanzsektor. So schätzt die auf die Versicherungsbranche spezialisierte Researchfirma Advisen auf der Basis des ersten Quartals, dass die Zahl der Klagen in Amerika dieses Jahr um 40 Prozent in die Höhe schießen könnte. Hauptgrund dafür sind Prozesse im Zusammenhang mit dem Madoff-Skandal; etwa 30 Prozent der Fälle drehten sich im ersten Quartal um dieses Thema, stellte Advisen fest. Der Finanz- und Börsenmakler Bernard Madoff wurde Ende 2008 verhaftet, weil er jahrzehntelang einen Investmentfonds nach einem Schneeballsystem betrieben haben soll. Er hat damit einen Schaden von mehr als 50 Mrd. Dollar verursacht und Tausende Anleger geprellt.

Madoff sowie zahlreiche weitere Klagen im Zusammenhang mit der Immobilien- und Finanzkrise würden den Versicherern von Managern und Beratern „ein weiteres hartes Jahr“ bringen, erwartet David Bradford, der Gründer von Advisen. Davon geht auch der größte Rückversicherer, die Münchener Rück aus: „Eine Folge der Finanzkrise ist ganz klar, dass jede Form von Beratungsleistung im Zusammenhang mit Finanzen und Vermögen stärker hinterfragt wird. Wir registrieren, dass zunehmend Ansprüche gestellt werden.“ Mit Blick auf die bei der Münchener-Rück-Tochter Ergo versicherten Rechtsanwälte und Steuerberater gilt aber noch: „Mehr Ansprüche gegen Berater sind nicht feststellbar“. Allerdings hätten die Anwälte wegen der Krise mehr zu tun.

Wesentlich mehr Bewegung stellt Robert von Bennigsen fest, der geschäftsführende Gesellschafter der BDJ Versicherungsmakler. Die erheblichen Wertverluste bei direkten Kapitalanlagen, unternehmerischen Beteiligungen und Fonds-Anteilen veranlassten die Auftraggeber von Beratern im Finanzdienstleistungsbereich zunehmend, rechtliche Schritte zu prüfen und einzuleiten. Auf dem Prüfstand ständen vor allem Aktivitäten von Investor-Relations-Abteilungen, Inhalte von Prospekten, Gewährleistungsvereinbarungen bei Firmentransaktionen sowie Rechteketten bei Verwertungen künstlerischer Vermögenswerte. „Ansprüche werden deutlich schneller geltend gemacht“, sagt von Bennigsen. Die Preise der Berufshaftpflicht, kurz E&O, für Private- Equity-Gesellschaften, Banken und Vermögensverwalter, aber auch für Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte im Finanzbereich stiegen daher „spürbar“ an.

Andere Makler beurteilen den Preistrend in der Berufshaftpflicht zurückhaltender. Matthias Neumann von Aon Jauch & Hübener sagt: „Signifikante Preissteigerungen sind noch nicht erkennbar.“ Dieser Teil des Versicherungsmarktes sei schon sehr lange sehr stabil.

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