Finanzkrise IKB braucht erneut Milliardenhilfe

Der Name IKB ist eng mit dem Ausbruch der Finanzkrise in Deutschland verbunden: Die Düsseldorfer Bank war im Juli 2007 nach massiven Fehlspekulationen als erstes deutsches Institut in den Sog der US-Immobilienkrise geraten und konnte nur durch Garantien über fünf Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Doch das reicht nicht. Nun muss noch mehr Staatshilfe her.
Die IKB macht mal wieder Schlagzeilen, und wieder sind es keine guten. Quelle: dpa

Die IKB macht mal wieder Schlagzeilen, und wieder sind es keine guten.

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HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Schon wieder steht die Düsseldorfer Mittelstandsbank beim Rettungsfonds Soffin an und bittet um staatliche Milliarden. Von sieben Mrd. Euro ist in Finanzkreisen die Rede - Garantien zwar, kein Eigenkapital, doch Experten werten den erneuten Antrag als Beleg dafür, dass das Geschäft der Bank nach wie vor nicht rund läuft. Zwar haben viele Institute damit zu kämpfen, dass es trotz leichter Entspannung nach wie vor wenig Vertrauen im Markt gibt. Doch das Misstrauen gegenüber der IKB, die sich mit US-Ramschkrediten verzockt hatte und nur dank Milliardenhilfen überlebte, ist nach Einschätzung von Experten besonders groß.

"Refinanzierung ist mehr denn je ein Bonitätsthema", sagt der Kölner Bankenprofessor Thomas Hartmann-Wendels. Viele Institute hätten derzeit Schwierigkeiten, sich am Markt Geld zu Konditionen zu beschaffen, die es ihnen erlaubten, dabei noch zu verdienen. "Das Vertrauen gegenüber der IKB ist sicher eher noch weniger vorhanden, als bei anderen Instituten", meint Hartmann-Wendels.

Dass der neue IKB-Eigentümer, der US-Finanzinvestor Lone Star, als "Heuschrecke" gilt, verpasste dem Image der IKB zusätzlich Kratzer. "Bei Finanzinvestoren ist der Markt noch vorsichtiger, sie gelten tendenziell als nicht so kreditwürdig am Kapitalmarkt", sagt der Ökonom Martin Faust von der Frankfurt School of Finance & Management.

Auch das Geschäftsmodell der Bank sei noch immer nicht ganz eindeutig, meint Faust, was die Platzierung von Anleihen am Markt oder bei Investoren zusätzlich erschwere. Die IKB versteht sich als "Spezialinstitut für Unternehmensfinanzierung in Deutschland und Europa". Doch der Wettbewerb um Mittelstandskunden in Deutschland ist schärfer geworden: Die vom Staat gestützte Commerzbank drängt noch stärker in das Segment, Konkurrent Deutsche Bank wittert die Chance, neue Firmenkunden dadurch zu gewinnen, dass der Branchenprimus die Krise nach wie vor ohne Staatshilfe durchsteht.

Und die IKB hat ein weiteres Problem: Sie kann für die Finanzierung ihrer Kredite nicht auf eigene Kundeneinlagen zurückgreifen, wie das viele Wettbewerber zumindest teilweise können. Bleibt am Ende also nur der - abermalige - Gang zum Staat. Erst kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember 2008, hatte die IKB mitgeteilt, sie erhalte vom SoFFin staatliche Garantien von bis zu fünf Mrd. Euro.

Die IKB wolle so "ihre Liquidität sicherstellen und das Geschäft mit ihren mittelständischen Kunden stabilisieren". Schneller als erwartet klopft das Institut wieder an. Und so beraten die Experten des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) darüber, ob das Institut noch einmal Mittel aus dem 480-Milliarden-Hilfstopf des Staates bekommen darf. Die IKB bleibt ein Fass ohne Boden - selbst mancher Banker meint inzwischen, eine Pleite des Instituts wäre der bessere Weg gewesen.

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