Finanzkrise: Staat prüft Mehrheitsübernahme der HRE

Finanzkrise
Staat prüft Mehrheitsübernahme der HRE

Im Bankensektor ist in diesen Tagen offenbar alles möglich: Erst steigt der Bund mit 25 Prozent bei der Commerzbank ein, dann über die Deutsche Post indirekt bei der Deutschen Bank. Nun könnte der Staat sogar die Mehrheit an einer großen Privatbank übernehmen: Der Hypo Real Estate geht es offenbar so schlecht, dass der Bund erwägt, mehr als 50 Prozent aufzukaufen.

fmd/ax/HB BERLIN/MÜNCHEN. Eine mögliche Beteiligung des Staates am angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate soll größer ausfallen als bei der Commerzbank. „Wenn man diesen Weg wählt, sind 25 Prozent sicher nicht genug“, hieß es gestern in Finanzkreisen. Aus Berlin kamen Signale, dass der Staat die Mehrheit übernehmen könnte.

Nach dem Präzedenzfall Commerzbank sei nun eine relativ rasche Einigung zu erwarten, hieß es im Umfeld der Verhandlungen. „Offenbar will man in Berlin die Commerzbank nicht so lange allein im Regen stehen lassen.“ Allerdings sei ein Abschluss der Gespräche eher noch nicht für heute zu erwarten. „Noch ist alles offen.“

Die Hypo Real Estate braucht dringend frisches Kapital. Laut Finanzkreisen geht es voraussichtlich um einen einstelligen Milliardenbetrag. Die staatlichen Garantien über 30 Mrd. Euro wurden gerade erst um drei Monate verlängert. Die Hypo Real Estate braucht aber eine langfristig tragfähige Unterstützung. Laut Konzernchef Axel Wieandt hat das Institut zusätzlichen Liquiditäts- und „erheblichen Kapitalbedarf“.

Bei den Verhandlungspartnern zeigte man sich zugeknöpft. Das Bundesfinanzministerium verwies lediglich auf die Ad-hoc-Meldung der HRE vom November, in der Verhandlungen auch über eine Kapitalbeteiligung eingeräumt wurden. „Das ist der Stand der Dinge“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Auch beim Soffin und bei der HRE wollte man den Verhandlungsstand nicht kommentieren.

Der finanzpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Otto Bernhardt, bestätigte zumindest grundsätzlich das Ziel einer Staatsbeteiligung. „Es ist in der Tat beabsichtigt, wie bei der Commerzbank bei der Hypo Real Estate einzusteigen“, sagte er. In Bundestagskreisen hieß es, bei einer Mehrheits- oder Komplettübernahme der HRE müsse das Finanzmarktstabilisierungsgesetz geändert werden. Es begrenzt eine Staatsbeteiligung auf 33 Prozent. Eine Gesetzesänderung werde geprüft, hieß es.

Die Hypo Real Estate war als erste große private Geschäftsbank in Schieflage geraten. Verantwortlich für die Probleme war in erster Linie die irische Depfa-Tochter. Sie hatte langfristiges Geschäft kurzfristig refinanziert. Als der Interbankenmarkt nach der Lehman-Pleite austrocknete, brach das Geschäftsmodell zusammen. Die ganze HRE stand vor dem Aus.

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