Finanzkrise
Uniqa verkauft Versicherer mit schillernder Vergangenheit

Die österreichische Versicherungsgruppe Uniqa schreibt Verluste und muss sanieren. Daher will sie die Reste der 2002 von der Branche aufgefangenen Mannheimer-Gruppe an die Dortmunder Continentale abgeben. 
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WienIn der deutschen Versicherungswirtschaft bahnt sich eine größere Übernahme an. Die österreichische Uniqa will ihren rund 92-prozentigen Anteil an der Mannheimer AG Holding an die Dortmunder Continentale verkaufen. Beide Unternehmen haben eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet. Es geht um ein Prämienvolumen von rund 412 Millionen Euro. Für die Continentale, die im vergangenen Jahr 2,7 Milliarden Euro einnahm, wäre dies ein Wachstumsschub.

Die Mannheimer Gruppe hat eine schillernde Vergangenheit. Der Konzern war durch den Zusammenbruch seiner Lebensversicherung, die sich mit Aktienspekulationen verhoben hatte, 2002 in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Lebensversicherungen werden seither von der Auffanggesellschaft Protektor verwaltet. Diese gewährte der Holding zudem einen großzügigen Schuldenerlass. Danach übernahm Uniqa, die bereits vor der Krise Großaktionär in Mannheim war, im Jahre 2004 die restlichen Anteile für rund 80 Millionen Euro.

Hintergrund der Vereinbarung: Die österreichische Uniqa leidet unter der Finanzkrise, wie sie in einem Zwischenbericht darlegte. In den ersten neun Monaten rutschte die Gruppe in die roten Zahlen und wies einen Konzernverlust von 120 Millionen Euro aus. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 30 Millionen Euro Gewinn. Die Prämien sanken dabei leicht auf 4,56 Milliarden Euro.

Hauptgrund für das Minus beim Ergebnis waren Investment, insbesondere Abschreibungen auf griechische Schuldtitel in Höhe von rund 318 Millionen Euro, erklärte der Versicherer im Zwischenbericht. Vor allem deshalb hätten sich die Netto-Erträge aus Kapitalanlagen in den ersten neun Monaten 2011 um 78,2 Prozent auf 147 Millionen Euro verringert. Der Börsenkurs der Gruppe fiel in diesem Jahr entsprechend von mehr als 16 auf nur noch rund 10 Euro, der Börsenwert sank damit auf weniger als 1,5 Milliarden Euro.

Rolf Bauer, Vorstandschef der Continentale, erklärte zum geplanten Deal: „Wir erhoffen uns von diesem Schritt eine wesentliche strategische Ergänzung, insbesondere in der Sachversicherung, und eine nachhaltige Stärkung unseres Verbundes wie auch der Mannheimer im Versicherungsmarkt.“ Zur Mannheimer-Gruppe gehören neben der Holding die Mannheimer Versicherung AG, die Mannheimer Krankenversicherung AG und die mamax Lebensversicherung AG.

Die Continentale hielt von 2003 bis 2005 bereits 51 Prozent der Anteile der Mannheimer Krankenversicherung. „Wir haben die damalige Partnerschaft in ausgesprochen guter Erinnerung und sehen sie als Basis einer für alle Beteiligten positiven Zusammenarbeit in der Zukunft“, erklärte Rolf Bauer.

Im Vorstand der Gruppe sitzt zudem seit dem 1. September ein ausgesprochener Kenner der Mannheimer-Gruppe. Helmut Posch war Chef der Mannheimer und soll ab dem 1. Juli den Chefsessel als Nachfolger von Bauer bei der Continentale übernehmen.

Der Verkauf der Beteiligung an der Mannheimer stehe in vollem Einklang mit dem Ende Mai veröffentlichten Programm zur Restrukturierung der Uniqa-Gruppe, erklärte der Versicherer. Demnach werde die Gruppe international in Zukunft einen klaren Fokus auf die hohen Wachstumspotenziale in Osteuropa legen. Zur Absicherung ihres ursprünglichen Investments und der damals rund 20prozentigen Beteiligung hatte die Uniqa im Sommer 2004 im Rahmen eines Kapitalisierungs- und Sanierungskonzeptes die Mehrheit an der Mannheimer übernommen.

Im Zuge einer Kapitalerhöhung unter Bezugsrechtausschluss erreichte Uniqa eine Beteiligungsquote von rund 87 Prozent, die in den Folgejahren auf knapp 92 Prozent erhöht wurde.

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