Finanzlücke
Britische Banken müssen 13 Milliarden auftreiben

Rund 66 Milliarden Pfund pumpte die britische Regierung in der Krise in das Bankensystem des Landes, doch noch immer fehlt den Geldinstituten eine Menge Geld. Allein die RBS braucht 13 Milliarden Pfund.
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LondonIn den Bilanzen der britischen Banken klaffen noch immer riesige Löcher. Die Aufsichtsbehörde des Landes bezifferte die Finanzlücke für fünf Institute am Donnerstag auf zuletzt 27 Milliarden Pfund. Die Royal Bank of Scotland, Lloyds, Barclays, die Co-operative Bank sowie Nationwide haben bereits Pläne vorgelegt, um 13,7 Milliarden Pfund davon aufzutreiben – die übrigen 13 Milliarden sollen nun Verkäufe und Umstrukturierungen erbringen. Banker beschweren sich bereits hinter vorgehaltener Hand darüber, dass die Straffung der Zügel die Kreditvergabe einschränken und damit die Erholung der krisengeplagten Wirtschaft weiter verzögern wird.

Die bei der Notenbank angesiedelte neue Finanzaufsicht Prudential Regulation Authority (PRA) soll als Lehre aus der Finanzkrise die von der Branche ausgehenden Gefahren entschärfen. Trotz der radikalen Umbauprogramme übersteigen die Bilanzen der größten Institute die Wirtschaftsleistung des gesamten Landes jedoch noch immer um das Fünffache. Die Bank of England fürchtet deshalb, dass die Geldhäuser weiterhin „too big to fail“ sind und damit im Falle einer Pleite der britischen Wirtschaft unkalkulierbaren Schaden zufügen würden.

In der Finanzkrise pumpte die britische Regierung 66 Milliarden Pfund - umgerechnet 78 Milliarden Euro - in die Institute, um ihren Kollaps zu verhindern. Diese gigantische Finanzspritze lastet noch heute schwer auf der Wirtschaft und dem Staatshaushalt.

Mit Abstand das größte Loch klafft mit 13,6 Milliarden Pfund in der Bilanz der damals größtenteils verstaatlichten RBS. Dies unterstreicht die Herausforderung für die Regierung, die ihren Anteil von 81 Prozent gerne verkaufen würde. Deshalb räumte Finanzminister George Osborne am Mittwoch ein, dass ein Verkauf noch viel Zeit in Anspruch nehmen wird und eine Aufspaltung des Instituts in einen marktfähigen Teil sowie eine sogenannte Bad Bank geprüft wird.

Die ebenfalls staatlich gestützte Lloyds Bank kommt demnach auf eine Lücke von 8,6 Milliarden Pfund, Barclays auf drei Milliarden, Co-op auf 1,5 Milliarden und Nationwide auf 400 Millionen. Die Bankenaufsicht beharrt darauf, dass die Institute bis Dezember auf eine harte Kernkapitalquote (Core Tier 1) von mindestens sieben Prozent der Bilanzrisiken kommen.

Die Banken sollen außerdem strengere globale Richtlinien schon lange vor der internationalen Einführungsfrist 2019 einhalten. Die Bank of England verdonnerte die Geldhäuser deshalb mit sofortiger Wirkung dazu, mindestens drei Prozent ihrer gesamten Kreditvergabe als Kapital vorzuhalten - und zwar unabhängig von der Qualität der Kredite. Viele Banker kritisieren, dass diese Vorgabe de facto hochvolumige Geschäfte mit relativ geringem Risiko wie etwa Hypotheken bestraft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzlücke: Britische Banken müssen 13 Milliarden auftreiben"

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  • 13 Milliarden...die sollen doch mal Frau Merkel fragen, irgendwo liegen bestimmt noch diese paar Milliarden rum.

  • Bei einem Darmverschluss noch drücken....gute idee! :-)

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