Finanzmärkte
Ackermann: Keine Entwarnung in der Finanzkrise

Die Finanzmärkte erholen sich, trotzdem warnt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vor verfrühtem Optimismus. Ohne die Liquiditätshilfen der EZB könnten sich viele europäische Banken nicht refinanzieren, so Ackermann.
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FrankfurtDer Schweizer lobte in dieser Woche zwar die Milliardenspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) als richtigen Schritt zur kurzfristigen Verbesserung der Lage. Doch der scheidende Bankchef wies zugleich darauf hin, dass die Beruhigungspille der Notenbank nicht unbegrenzt wirkt: „Die Frage ist nun: Was passiert in drei Jahren? Muss man dann ein neues Instrument auflegen oder werden die Märkte das nötige Vertrauen wiedergewonnen haben?“

Die Antwort hierauf hänge maßgeblich von der Entwicklung der Schuldenprobleme und des Wirtschaftswachstums in Europa ab, sagte Ackermann der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. Der Chef des größten deutschen Geldhauses macht damit deutlich, dass viele Banken in Europa kurzfristig aufatmen können, aber noch nicht aus dem Gröbsten heraus sind. In den vergangenen Monaten pumpte die EZB zu einem Zinssatz von nur einem Prozent insgesamt eine Billion Euro in das Finanzsystem - die Laufzeit dieser Kreditgeschäfte beträgt drei Jahre.

Damit reagierte die Notenbank auf erhebliche Refinanzierungsnöte zahlreicher Banken in der Euro-Zone. Wegen der Angst vor Abschreibungen auf Staatsanleihen von Euro-Krisenländern liehen sich die Institute kaum mehr Geld. „Ohne die Liquiditätshilfen der EZB könnten sich viele europäische Banken vor allem in den mittleren Laufzeiten nicht mehr refinanzieren“, sagt Ackermann. „Sie hätten erhebliche Probleme.“ Nun konnten die ersten Institute sogar wieder unbesicherte Anleihen platzieren, was vor einem halben Jahr unmöglich gewesen wäre.

Auch die Deutsche Bank deckte sich Finanzkreisen zufolge bei der jüngsten Liquiditätsspritze der EZB mit fünf bis zehn Milliarden Euro ein. Ackermann hatte zuvor betont, dass sein Institut nur teilnehmen werde, wenn es ökonomisch Sinn ergebe, da es keine Refinanzierungsprobleme habe. Insgesamt griffen 800 Banken in Europa zu. Die Gelder müssen in spätestens drei Jahren wieder zurückgezahlt werden. Viele Banker gehen davon aus, dass dann weitere Milliardenspritzen der Notenbank nötig werden, um erneute Turbulenzen an den Märkten zu vermeiden.

„Der Ausstieg wird deutlich schwieriger als der Einstieg“, sagte unlängst der Chef einer europäischen Staatsbank. Auch EZB-Chef Mario Draghi betonte in dieser Woche, dass es trotz der verbesserten Refinanzierungssituation keinen Grund gebe, die Hände in den Schoß zu legen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzmärkte : Ackermann: Keine Entwarnung in der Finanzkrise"

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  • Herr Ackermann hat sicher recht: Die Finanzkrise ist keineswegs bereits überwunden. Weder sind die zugrundeliegenden Probleme in den Schuldenländern gelöst, noch ist es gelungen, den Finanzsektor dauerhaft krisenfest zu machen. Hier tummeln sich immer noch zu viele Marktteilnehmer, zudem sind Institute ohne dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell unterwegs. Eine echte Marktbereinigung hat leider nicht stattgefunden.Der von Politik und Notenbanken eingeschlagene Kurs, mit immer neuen Krediten und Bürgschaften bzw exorbitanten Liquiditätsspritzen an Banken einen Kollaps zu verhindern, sind keine dauerhafte Lösung. In einigen Jahren wird sicher zeigen, dass durch diese Politik neue Probleme und Ungleichgewichte aufgebaut worden sind, die im Zweifel noch schwieriger zu lösen sind.

  • "„Ohne die Liquiditätshilfen der EZB könnten sich viele europäische Banken vor allem in den mittleren Laufzeiten nicht mehr refinanzieren“"

    Ich wuerde sagen, die sind aufgrund ihrer eigenen Geschaeftspolitik finanziell am Ende.

    Die zahlen sicher noch tolle Boni an ihre Mitarbeiter und auch keine Zinsen fuer Einlagegelder.

    Die Banken und die Politiker haben eines sicherlich gemeinsam - die grenzenlose Narrenfreiheit. Die Narren sind aber wir, die sie ungehindert schalten und walten lassen.

  • CDU, FDP, SPD und Grüne haben seit 2008 nichts dazu gelernt. Die wollen alle Problem mit dem Geld der Steuerzahler ertränken. Aber die Ursachen will man nicht beseitigen. Jetzt wird bald die SPD wieder zeigen, dass wir in Deutschland keine Opposition haben und beim Thema Transaktionssteuer einknicken, wie immer. Eins ist so sicher wie der Tod, Politiker retten nach 2008 immer noch die Zocker und Bänker.

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