Finanzmärkte
Genossenschaftsbanken befürchten Lehman II

Die Genossenschaftsbanken werten die Situation an den Finanzmärkten ähnlich problematisch wie vor drei Jahren. Die Angst sei ähnlich groß wie bei der Lehman-Pleite, sagte Gerhard Hofmann vom Bankenverband BVR.
  • 6

WashingtonDie aktuelle Situation an den Märkten ist nach Ansicht des genossenschaftlichen Bankenverbands BVR mit der Krisenstimmung nach dem Kollaps des US-Instituts Lehman Brothers vor drei Jahren vergleichbar. „Die Angst der Investoren vor einem Ereignis vergleichbar mit der Lehman-Pleite ist im Moment besonders hoch“, sagte BVR-Vorstand Gerhard Hofmann in Washington. „Damit sind die systemischen Risiken ähnlich einzuschätzen wie im Herbst 2008.“ Damals verschärfte sich die Finanzkrise dramatisch, weil sich die Banken untereinander kein Geld mehr geliehen haben. Einige Häuser, wie die Münchener Hypo Real Estate mussten verstaatlicht werden.

Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte neulich Parallelen zum Herbst 2008 gezogen. Denn auch heute gibt es wieder ein gewisses Misstrauen innerhalb des Bankensektors, was die Refinanzierung erschwert.

Hofmann sieht nun vor allem die Politik am Zug, um die Unsicherheit zu beenden. „Das Kernproblem und Hauptursache erhöhter systemischer Risiken ist die Staatsschuldenkrise und nicht die Kapitalausstattung der Banken“, sagte der frühere Bundesbanker. „Wenn die Staatsschuldensituation entschärft würde, stellte sich die Eigenkapitallage der Banken anders dar.“ Die Investoren forderten jetzt entschlossene Entscheidungen der Politik, die einen Weg zur Besserung aufzeigten. „Sie brauchen Belege, dass die Schulden mittelfristig in einem nachhaltigen Rahmen bleiben.

Ein möglicher Weg wäre, auf nationaler Ebene Schuldengrenzen einzuführen, die Verfassungsrang haben, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen“, schlug das Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Volk- und Raiffeisenbanken vor.

Im Zentrum der gegenwärtigen Unruhe an den Märkten steht die Furcht vor einem Zahlungsausfall Griechenlands. „Die Politik lässt eine Pleite Griechenlands aber derzeit zu Recht nicht zu“, sagt Hofmann. „Die Sorge der Investoren bezieht sich vor allem auf mögliche Ansteckungsgefahren.“ Diese wären nach seiner Ansicht geringer, wenn das hoch verschuldete Mittelmeerland nach einem Zahlungsausfall in der Euro-Zone bliebe, womit derzeit europaweit gerechnet wird. Hofmann begründet das unter anderem mit gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen eines Austritts - insbesondere auch für die deutsche Exportindustrie.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzmärkte: Genossenschaftsbanken befürchten Lehman II"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Mehrheit der Deustchen will sich nicht von ihrem vermeintlich noch vorhandenen Geld trennen, das ist die Wahrheit. Aber dafür haben bereits andere gesorgt, alles steht nur noch auf dem Papier. Demnächst ist "Aufwachen" dran, Ihr Schlafmützen!

  • Einige Staaten und Banken huste bereits Blut und diese Lügner reden von "Ansteckungsgefahr". Man sollte die Särge bereitstellen! Auch für die, die mitgeholfen haben, das alles bis absolut "gehtnichtmehr" fortzusetzen.

  • Die Schuldengrenze gibt es bereits nur keiner hält sich daran.
    Die Mastricht Verträge sehen eine Schuldengrenze von 60% des BIP vor und eine max. Neuverschuldung von 3% des BIP. Ferner sehen die Verträge nicht vor, das ein EU Staat die Schulden eines anderen Staates zahlt. Nicht anderes als dies hatte Philipp Rösler von der FDP doch gefordert. Und was hat man mit ihm gemacht?
    Übrigens die Mehrheit der Deutschen wollen Griechenland subventionieren. Das ist eben Demokratie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%