Finanzmärkte
Trump-Sieg macht EZB nervös

Die politischen Risiken für die europäischen Finanzmärkte sind nach Einschätzung der EZB gestiegen. Das liegt vor allem am Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl – und deren möglichen wirtschaftlichen Folgen.
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FrankfurtDie Gefahren für das europäische Finanzsystem sind nach Ansicht der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Mai weiter gestiegen. Zwar habe sich das Finanzsystem der Euro-Zone als widerstandsfähig gezeigt, doch die Gefahr von Kurskorrekturen an den globalen Finanzmärkten habe sich intensiviert, heißt es im Finanzstabilitätsbericht, den die EZB am Donnerstag veröffentlichte.

Ein wichtiger Grund dafür ist das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl, das der Republikaner Donald Trump Anfang November für sich entschieden hatte. „Die Folgen für die Finanzstabilität der Eurozone, die von Änderungen der US-Wirtschaftspolitik herrühren, sind höchst ungewiss“, heißt es in dem Bericht. Dessen ungeachtet dürfte die Wirtschaftspolitik stärker nach innen gerichtet werden und das Haushaltdefizit der USA könne wachsen. „Die Wirtschaft der Euro-Zone könnte direkt über Handelskanäle und durch mögliche Überlaufeffekte durch höhere Zinsen und Inflationserwartungen in den USA betroffen sein“, warnt die EZB.

Nehme man die Aussagen aus dem Wahlkampf als Grundlage, sei es möglich, dass die US-Regierung protektionistische Maßnahmen ergreife. Sollte das protektionistische Maßnahmen in anderen Ländern nach sich ziehen, sei das riskant, so Vitor Constancio, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank. Der weltweite Handel befinde sich ohnehin in einer Schwächephase, käme Protektionismus noch hinzu, werde der Handel und damit auch das Wachstum darunter leiden.

Zum Problem für die europäische Wirtschaft würde eine mehr auf Protektionismus ausgerichtete US-Politik vor allem dann, wenn sie mit steigenden Anleihezinsen einhergehen würde. Wenn das Zinsniveau steigt, weil eine Volkswirtschaft wächst, sei das eine gesunde Entwicklung. „Es besteht aber das Risiko, dass das für die USA eher gilt als für Europa und andere Teile der Welt“, warnte Constancio. Das gilt insbesondere dann, wenn die USA tatsächlich Schutzmaßnahmen für ihre Wirtschaft ergreifen, so dass Europa nicht durch Exporte an einem US-Aufschwung teilhat. Sollten in diesem Fall die Zinsen in Europa dennoch steigen, allein von der Entwicklung in den USA nach oben gezogen, ohne dass die Wirtschaft auf dem Kontinent sich entsprechend erholt, dann sei das „keine willkommene Entwicklung“. In diesem Fall deutete Constancio an, werde die EZB gegensteuern.

Schon im Mai hatte die EZB in ihrem Finanzstabilitätsbericht vor Kurskorrekturen gewarnt, damals aber auf die instabile Lage in einigen Schwellenländern verwiesen. Diese Risiken sind geblieben, die US-Wirtschaftspolitik kommt jetzt als weiterer Faktor oben drauf. Bislang haben die Aktien- und Anleihemärkte politische Überraschungen wie den Brexit, also den Beschluss Großbritanniens, aus der EU auszutreten, und auch die unerwartete Wahl Donald Trumps gut weggesteckt. Vor allem die Aussicht auf ein expansives Ausgabenprogramm Trumps habe die Märkte beflügelt, sagte EZB-Vizepräsident Vítor Constancio.

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