Finanzmarkt in Ungarn: Die Orbánisierung der Banken

Finanzmarkt in Ungarn
Die Orbánisierung der Banken

Ungarns rechtspopulistischer Premier baut den Einfluss auf den Finanzsektor in dem EU-Land aus. Bereits mehr als die Hälfte der Banken sind in ungarischer Hand. Ausländische Banken sehen neue Geschäftsmöglichkeiten.
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Budapest„Ungarn zuerst“ lautet die Devise der Budapester Regierung. Das gilt vor allem für den Finanzsektor. „Wir brauchen ein nationales Bankensystem, das sich in ungarischen Händen befindet“, sagte Premierminister Viktor Orbán in einer Grundsatzrede vor der ungarischen Industrie- und Handelskammer in Budapest.

„Es braucht nicht im Besitz des Staates sein, aber was wichtig ist, es sollte in ungarischem Besitz sein“, ergänzte der Chef der rechtspopulistischen Fidesz-Partei, die mit einer fast Zwei-Drittel-Mehrheit im ungarischen Parlament regiert.

Seit drei Jahren treibt der Rechtspopulist die Nationalisierung des Bankensektors voran. Von seiner historischen Mission ist der seit 2010 regierende Ministerpräsident zutiefst überzeugt. „Geld hat in der Tat keinen Geruch, dessen Besitzer aber schon“, sagte Orbán. In Erinnerung an die Finanzkrise von 2008 ergänzte der 53-jährige: „Bankkapital hat angeblich keine Nationalität, wenn die Möglichkeiten der Kreditvergabe beginnen zu schrumpfen. Aber siehe da, die Banken begannen die Zurückziehung von Kapital nicht in ihren Heimatländern, sondern hier in Zentraleuropa; sie schickten ihr Geld zurück nach Österreich und Deutschland.“ Die Wahrheit sein, dass Geld nur dann keinen Geruch hätte, wenn die Dinge gut laufen würden. Liefen die Geschäfte schlecht, hätte Geld plötzlich eine Nationalität.

Mit Stolz verwies Orbán darauf, dass sich dank seiner Politik nunmehr über die Hälfte des Bankensektors in dem osteuropäischen Land in ungarischer Hand befinde. Der Fidesz-Chef verspricht sich davon, für die nächste Finanz- und Wirtschaftskrise gegen Kapitalabflüsse besser gerüstet zu sein. Die Nationalisierung ist Teil der gesamten Wirtschaftspolitik der rechtspopulistischen Regierung. Vor der ungarischen Industrie- und Handelskammer betonte Orbán, dass sie einzig und allein auf den nationalen Interessen Ungarns basiere.

Die angestrebte Dominanz der ungarischen Banken macht den ausländischen Konkurrenten durchaus Sorgen, wirken sie doch wettbewerbsverzerrend. „Die in Ungarn fest verankerten österreichischen Banken stehen wieder sehr solide da in Bezug auf die Kapitalsituation auf Konzernebene und sind daher durchaus bereit, in Ungarn wieder zu wachsen. Allerdings ist auch gewisse Selektivität gefragt, denn hohe Marktanteile von staatlichen Banken oder Banken, die nur im Land aktiv sind, können auch die Marktkonditionen verzerren“, sagte Osteuropa-Chefanalyst Günter Deuber von der Raiffeisenbank International dem Handelsblatt. Raiffeisen zählt neben der Ersten Group und der belgischen KBC zu den größten Banken in Ungarn.

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