Finanzmarkt Kampf um Kundenaufträge

Scharfe Konkurrenz für die klassischen Börsen: Alternative Handelsplattformen senken ihre Gebühren, um Marktanteile zu gewinnen. Damit sorgen sie für Nervosität bei den traditionellen Häusern. Wie die jungen Wilden die Finanzlandschaft verändern.
Blick in den Handelssaal der Frankfurter Börse: Scharfe Konkurrenz durch neue Anbieter. Quelle: ap

Blick in den Handelssaal der Frankfurter Börse: Scharfe Konkurrenz durch neue Anbieter.

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BERLIN. Der unter anderem über den Preis geführte Wettbewerb zwischen traditionellen Wertpapierbörsen und alternativen Handelsplattformen spitzt sich zu, zeigt eine Handelsblatt-Umfrage. Multilateral Trading Facilities (MTF) erreichen in Europa bereits einen Marktanteil von rund 25 Prozent. Von Banken gebildete sogenannte "Dark Pools", in denen anonym gehandelt werden kann, verschärfen die Konkurrenzsituation im Wertpapierhandel zusätzlich. "Unsere Landschaft hat sich total verändert", sagt Artur Fischer, Vorstand der Börse in Berlin.

Reto Francioni, Vorstandschef der Deutschen Börse, hat MTF kürzlich als "parasitäre Systeme" ohne Zusatznutzen für den Gesamtmarkt bezeichnet. Nachdem mehrere MTF ihre Gebühren stark gesenkt haben, sieht sich Francioni jetzt unter Druck. Er begegnet dem Konkurrenzdruck, indem er eine neue Preisrunde einläutet und ab Herbst die Börsengebühren senkt.

MTF wie Chi-X, Bats, Turquoise, Tradegate, Equiduct oder Burgundy sind Resultat eines EU-Vorstoßes. Mit der Mifid-Richtlinie (Markets in Financial Instruments Directive) heizte sie vor gut zwei Jahren die Konkurrenz unter den Börsen an. Die neuen, alternativen Handelsplattformen zeichnen sich im Gegensatz zu traditionellen Börsen dadurch aus, dass sie den Preis einer Aktie weltweit an allen Handelsplätzen ermitteln. Die Kunden können dadurch alle Aktien handeln und bekommen immer den besten Preis. Die Ausführung der Order soll zudem sehr rasch erfolgen. Kunden der alternativen Plattformen sind vor allem Institutionelle Anleger und Banken.

Traditionelle Börsen bieten dagegen zusätzlichen Service wie etwa die Wertpapierabwicklung oder-Verwahrung. Sie sehen die Konkurrenz naturgemäß nicht gern.

Letztlich hat die Liberalisierung des Wertpapierhandels auch das Entstehen von "Dark Pools" gefördert, die ein zusätzlicher Faktor im globalen Wettbewerb sind. Mary L. Shapiro, Chefin der US-Börsenaufsicht SEC, sieht in deren wachsender Bedeutung ein Risiko. Die von Banken organisierten Plattformen, die den anonymen Handel von Wertpapieren und damit eine für den breiten Markt nicht sichtbare Aufrechnung von Aufträgen ermöglichen, könnten Spekulation und Misstrauen schüren, warnt sie.

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