Finanzskandal in Malaysia
Singapur geht in die Offensive

Der malaysische Staatsfonds soll Gelder in Milliardenhöhe veruntreut haben. Singapur friert daher eine große Zahl von Konten ein. Betroffen ist offenbar auch ein ranghoher Mitarbeiter einer Schweizer Bank.

BangkokIm Skandal bei Malaysias Staatsfonds 1MDB um mutmaßlich veruntreute Gelder in Milliardenhöhe sind in Singapur die Konten eines Mitarbeiters der Schweizer Bank BSI eingefroren worden. Dies geht aus lokalen Medienberichten hervor.

Bei dem betroffenen Angestellten der BSI-Niederlassung in Singapur soll es sich um den ehemaligen Kundenbetreuer von 1MDB handeln, berichtete die Zeitung „Straits Times“ am Dienstag auf ihrer Website. BSI wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.

Die Ermittlungen um verdächtige Geschäfte des malaysischen Fonds erhielten in den vergangenen Tagen neuen Schwung. Die Schweizer Bundesanwaltschaft sieht nach Angaben vom vergangenen Freitag ernsthafte Anhaltspunkte dafür, dass bei dubiosen Transaktionen von 1MDB rund vier Milliarden Dollar veruntreut wurden.

Singapurs Aufsichtsbehörden teilten am Montag mit, im Zusammenhang mit dem Fall wegen des Verdachts auf Geldwäsche und andere Vergehen „eine große Zahl“ an Konten beschlagnahmt zu haben. „Singapur duldet es nicht, wenn sein Finanzsystem als Rückzugsort für illegale Gelder genutzt wird“, hieß es in der Mitteilung der Zentralbank und Polizei des südostasiatischen Stadtstaates.

1MDB löste in Malaysia eine Kontroverse aus, nachdem bekannt wurde, dass der Fonds wenige Jahre nach seiner Gründung Verluste von rund zehn Milliarden Dollar angehäuft hatte und seine Schulden kaum noch bedienen konnte. Der frühere Ministerpräsident Mahathir Mohamad warf der Regierung seines Nachfolgers Najib Razak vor, dass aus dem Fonds Milliardensummen verschwunden seien. Er forderte Najib zum Rücktritt auf.

Eine Empfehlung von Malaysias Zentralbank zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen 1MDB wies im Oktober der kurz zuvor von der Regierung ins Amt gehobene Generalstaatsanwalt zurück. Die gleiche Behörde sprach Najib von dem Vorwurf frei, dass Gelder von 1MDB auf dessen Privatkonto gelangten. 1MDB und Najib bestritten sämtliche Anschuldigungen in dem Fall.

Auf die Ermittlungsergebnisse aus der Schweiz reagierte die malaysische Regierung irritiert: 1MDB sei von internationalen Prüfern umfassend kontrolliert worden. Unter diesen Bedingungen sei es „einfach nicht möglich“, dass mehrere Milliarden Dollar veruntreut wurden, sagte am Dienstag Kommunikationsminister Salleh Said. Für die Verluste habe der Fonds schlüssige Erklärungen vorgelegt. Der Minister kritisierte die Schweizer Staatsanwaltschaft für ihren Untreuevorwurf: „Diese voreiligen Äußerung scheinen ohne vollständiger Würdigung der Fakten getroffen wurden zu sein.“

Mathias  Peer
Mathias  Peer
Wirtschaftspresse Bangkok / Auslandskorrespondent
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