Finanzstabilitätsrat
Gefährliche Schattenbanken kleiner als gedacht

Der Schattenbanken-Sektor ist im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent gewachsen – und nach Berechnungen des Finanzstabilitätsrats kleiner als gedacht. Sorge bereitet den Aufsehern der Sektor in China.
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Frankfurt/PekingDer als gefährlich eingestufte Schattenbanken-Sektor ist nach neuen Berechnungen der globalen Finanzaufseher deutlich kleiner als gedacht. Der vom britischen Notenbank-Chef Mark Carney geführte Finanzstabilitätsrat (FSB) korrigierte den Umfang der Kreditvergabe und weiterer Finanzdienstleistungen durch Nicht-Banken auf 35 Billionen von 62 Billionen Dollar nach unten. Der Sektor sei im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent gewachsen. Besonders stark gewachsen ist der Schattenbanken-Sektor laut FSB-Daten in China. Mit knapp drei Billionen Dollar ist er der drittgrößte der Welt hinter den USA und Großbritannien – und im vergangenen Jahr erneut um 37 Prozent gewachsen. Und diese Zahl unterschätze die Realität womöglich noch.

„Unter den Schwellenländern verlangen die Größe und das rapide Wachstum in China besondere Aufmerksamkeit“, warnte der FSB. Denn zuletzt häuften sich die Meldungen von Pleiten in dem Sektor. Das hat schon die chinesische Regierung auf den Plan gerufen, die die Schattenbanken selbst unter Kontrolle bringen will.

Zu den Schattenbanken zählen Hedge- und Geldmarktfonds, spezielle Börsenhändler und andere Investment-Vehikel wie etwa Stiftungen. Sie werden für riskant für das finanzielle Gleichgewicht weltweit gehalten, wenn sie wie klassische Banken Geld einsammeln und Kredite vergeben, ohne reguliert zu sein wie Kreditinstitute. Der FSB versucht die Ansteckungseffekte solcher Investoren auf die Wirtschaft und die Finanzbranche einzudämmen, hat aber Schwierigkeiten, die Schattenbanken zu identifizieren.

Insgesamt beziffert der FSB das Volumen der Schattenbanken zwar inzwischen auf 75 Billionen Dollar, fünf Billionen mehr als ein Jahr zuvor. Das ist die Hälfte der Bilanzsumme aller Banken und 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts weltweit. Doch nur ein Teil der Schattenbanken tummele sich im angestammten Feld der Banken, andere gehörten selbst zu Banken und seien damit bereits reguliert. Andererseits vermutet der FSB, dass das Volumen der Hedgefonds nach den vorliegenden Daten noch deutlich unterschätzt wird. Die Regulierer können zurzeit nur auf Zahlen aus der Euro-Zone und aus weiteren 25 Ländern zurückgreifen, aber nicht auf solche aus exotischen Steuerparadiesen, in denen diese Investoren oft sitzen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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