Finanztechnologie-Unternehmen Hypoport Ein Marktplatz für Versicherungen

Der Berliner Technologiekonzern Hypoport kauft ein weiteres Mal zu. Die Strategie dahinter ist einfach: Mit Versicherungen soll die gleiche Erfolgsstory geschrieben werden wie einst mit dem Thema Baufinanzierung.
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Wäre Hypoport ein junges Unternehmen, würde man es heute als „Fintech“ bezeichnen. Quelle: IMAGO
Hypoport

Wäre Hypoport ein junges Unternehmen, würde man es heute als „Fintech“ bezeichnen.

(Foto: IMAGO)

MünchenDie Erfolgsstory ist einzigartig am deutschen Aktienmarkt. Um gut 1000 Prozent hat der Kurs des Berliner Finanztechnologie-Unternehmens Hypoport in den vergangenen drei Jahren zugelegt. Eine Kursrakete, bei der allein deswegen zwangsläufig Skepsis aufkommen müsste. Bei Hypoport halten sie jedoch dagegen, und zwar mit anhaltendem Wachstum.

Am Donnerstag haben sie dafür einen weiteren Schritt unternommen. Das Technologieunternehmen IWM Software wurde übernommen. Das Spezialunternehmen mit seinen rund 50 Mitarbeitern gilt als eines der letzten großen Anbieter von Maklersystemen in Deutschland. Unter dem Dach von Hypoport sind die in Branchenkreisen bekannten Namen NKK, Maklersoftware.com, Innosystems und die Volz-Gruppe schon seit geraumer Zeit vereint. Sie alle sollen dabei helfen, dass der Eintritt ins Versicherungsgeschäft genauso erfolgreich verläuft wie der Bereich Baufinanzierung, in dem die Berliner schon seit er Jahrtausendwende unterwegs sind.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Wäre Hypoport ein relativ junges Unternehmen, würde man es heute sicher als „Fintech“ bezeichnen. Zu den Anfängen im Jahr 2001 war dieser Begriff indes noch gar nicht erfunden. Die New Economy und mit ihr das Börsensegment Neuer Markt bewegten zu dieser Zeit den deutschen Handel. Und Hypoport baute mit dem Immobilienfinanzierer Dr. Klein das Geschäft per Mausklick auf. Die Möglichkeit, ein Haus auch über einen Anbieter im Internet zu finanzieren anstatt bei der Hausbank mit der Filiale um die Ecke, war damals noch neu. Entsprechend groß war das Interesse bei den Kunden.

Der Grundgedanke, Marktplätze für Finanzprodukte zu schaffen, prägt Hypoport heute noch. Inzwischen gehört eine Vielzahl an Online-Märkten für Kredite, für Privatkunden und für institutionelle Kunden zum Portfolio. Es gibt Spezialmarktplätze für Genossenschaftsbanken (Genopace) und die ostdeutschen Sparkassen (Finmas). In der Regel handelt es sich um ein System von Finanzprodukten, angeboten von Banken und Versicherungen und gesucht von mehreren tausend freien Finanzberatern im Land. Regionale Institute erweitern so ihre Kundenbasis, regionale Berater ihre Auswahl.

Das bewähre Modell haben sie bei Hypoport seit kurzem auch auf den Versicherungssektor überführt und dort eine entsprechendes Paket geschaffen. Eine Plattform Smart Insurtech zu Beratung, Tarifvergleich und zur Verwaltung von Policen gehört ebenso dazu wie verschiedene kleine Softwarefirmen sowie für den Vertrieb zu Maklern. „Der Marktplatzgedanke kann fast Eins-zu-eins auf die Versicherungsbranche übertragen werden“, sagt Vorstand Stephan Gawarecki. Vor zehn bis 15 Jahren war der Markt für Baufinanzierung schließlich ähnlich fragmentiert wie der für Versicherungsdienstleistungen heute. Dass die Versicherer heute erst an diesem Punkt sind, führt er auf die mangelnde Bereitschaft vieler Häuer zurück, in Innovationen zu investieren. „Ihre IT-Lösungen sind alle in den 80er und 90er Jahren entstanden, der Kern stammt heute noch aus dieser Zeit“, schüttelt er den Kopf.

Von Analysten erhält er dabei Unterstützung. „Zusätzliches Wachstumspotenzial kommt speziell von Hypoports neuem Segment Versicherungsplattform“, sagt Martin Decot von der BHF-Bank. Dabei steht dabei zu Beginn noch nicht mal die Absicht im Mittelpunkt, hier sofort Gewinne erzielen zu müssen. Mit einer Ebit-Marge von über 13 Prozent steht Hypoport sehr gut da für ein Unternehmen aus der Finanztechnologie. „Bei Smart Insurtech sind wir dabei, Marktanteile zu generieren, da nehmen wir temporärer Verluste, insbesondere durch die Investition in Entwicklungskapazitäten, billigend in Kauf“, betont Stephan Gawarecki.

Ebenfalls außergewöhnlich: Das Produkt sei auch in zehn Jahren nicht fertig, betont er. Werden doch immer wieder neue Anforderungen ergänzt. Trotzdem arbeiten bereits 45.000 Nutzer damit.

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