Finanztechnologie-Unternehmen Hypoport
Ein Marktplatz für Versicherungen

Der Berliner Technologiekonzern Hypoport kauft ein weiteres Mal zu. Die Strategie dahinter ist einfach: Mit Versicherungen soll die gleiche Erfolgsstory geschrieben werden wie einst mit dem Thema Baufinanzierung.
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MünchenDie Erfolgsstory ist einzigartig am deutschen Aktienmarkt. Um gut 1000 Prozent hat der Kurs des Berliner Finanztechnologie-Unternehmens Hypoport in den vergangenen drei Jahren zugelegt. Eine Kursrakete, bei der allein deswegen zwangsläufig Skepsis aufkommen müsste. Bei Hypoport halten sie jedoch dagegen, und zwar mit anhaltendem Wachstum.

Am Donnerstag haben sie dafür einen weiteren Schritt unternommen. Das Technologieunternehmen IWM Software wurde übernommen. Das Spezialunternehmen mit seinen rund 50 Mitarbeitern gilt als eines der letzten großen Anbieter von Maklersystemen in Deutschland. Unter dem Dach von Hypoport sind die in Branchenkreisen bekannten Namen NKK, Maklersoftware.com, Innosystems und die Volz-Gruppe schon seit geraumer Zeit vereint. Sie alle sollen dabei helfen, dass der Eintritt ins Versicherungsgeschäft genauso erfolgreich verläuft wie der Bereich Baufinanzierung, in dem die Berliner schon seit er Jahrtausendwende unterwegs sind.

Wäre Hypoport ein relativ junges Unternehmen, würde man es heute sicher als „Fintech“ bezeichnen. Zu den Anfängen im Jahr 2001 war dieser Begriff indes noch gar nicht erfunden. Die New Economy und mit ihr das Börsensegment Neuer Markt bewegten zu dieser Zeit den deutschen Handel. Und Hypoport baute mit dem Immobilienfinanzierer Dr. Klein das Geschäft per Mausklick auf. Die Möglichkeit, ein Haus auch über einen Anbieter im Internet zu finanzieren anstatt bei der Hausbank mit der Filiale um die Ecke, war damals noch neu. Entsprechend groß war das Interesse bei den Kunden.

Der Grundgedanke, Marktplätze für Finanzprodukte zu schaffen, prägt Hypoport heute noch. Inzwischen gehört eine Vielzahl an Online-Märkten für Kredite, für Privatkunden und für institutionelle Kunden zum Portfolio. Es gibt Spezialmarktplätze für Genossenschaftsbanken (Genopace) und die ostdeutschen Sparkassen (Finmas). In der Regel handelt es sich um ein System von Finanzprodukten, angeboten von Banken und Versicherungen und gesucht von mehreren tausend freien Finanzberatern im Land. Regionale Institute erweitern so ihre Kundenbasis, regionale Berater ihre Auswahl.

Das bewähre Modell haben sie bei Hypoport seit kurzem auch auf den Versicherungssektor überführt und dort eine entsprechendes Paket geschaffen. Eine Plattform Smart Insurtech zu Beratung, Tarifvergleich und zur Verwaltung von Policen gehört ebenso dazu wie verschiedene kleine Softwarefirmen sowie für den Vertrieb zu Maklern. „Der Marktplatzgedanke kann fast Eins-zu-eins auf die Versicherungsbranche übertragen werden“, sagt Vorstand Stephan Gawarecki. Vor zehn bis 15 Jahren war der Markt für Baufinanzierung schließlich ähnlich fragmentiert wie der für Versicherungsdienstleistungen heute. Dass die Versicherer heute erst an diesem Punkt sind, führt er auf die mangelnde Bereitschaft vieler Häuer zurück, in Innovationen zu investieren. „Ihre IT-Lösungen sind alle in den 80er und 90er Jahren entstanden, der Kern stammt heute noch aus dieser Zeit“, schüttelt er den Kopf.

Von Analysten erhält er dabei Unterstützung. „Zusätzliches Wachstumspotenzial kommt speziell von Hypoports neuem Segment Versicherungsplattform“, sagt Martin Decot von der BHF-Bank. Dabei steht dabei zu Beginn noch nicht mal die Absicht im Mittelpunkt, hier sofort Gewinne erzielen zu müssen. Mit einer Ebit-Marge von über 13 Prozent steht Hypoport sehr gut da für ein Unternehmen aus der Finanztechnologie. „Bei Smart Insurtech sind wir dabei, Marktanteile zu generieren, da nehmen wir temporärer Verluste, insbesondere durch die Investition in Entwicklungskapazitäten, billigend in Kauf“, betont Stephan Gawarecki.

Ebenfalls außergewöhnlich: Das Produkt sei auch in zehn Jahren nicht fertig, betont er. Werden doch immer wieder neue Anforderungen ergänzt. Trotzdem arbeiten bereits 45.000 Nutzer damit.

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