Finanzvorstand Achleitner
Allianz skizziert Rettungsplan für Griechenland

  • 7

Statt die ESM-Mittel nur als direkte Finanzierungsquelle zu nutzen, könnte man damit über einen Anleiheversicherer zusätzlichen Nutzen schaffen. Nehmen wir an, Griechenland versichert neue Staatsanleihen zu 90 Prozent bei einem "European Sovereign Insurance Mechanism" (ESIM). Dann wäre den sehr hohen Zinsaufschlägen die spekulative Basis entzogen: Private Investoren wüssten, dass sie höchstens zehn Prozent verlieren könnten.

Zu einem sehr viel niedrigeren Preis bei einem dann berechenbaren Risiko wären viele Investoren wieder bereit einzusteigen. Das ist keine staatliche Subventionierung privater Risiken, sondern blankes Eigeninteresse der Regierungen, die Kapitalmärkte zur Finanzierung der "Work-out"-Phase in den Schuldenländern zu gewinnen. Die bereits zugesagten Gelder des ESM könnten damit eine viel größere Wirkung erzielen bei gleichzeitiger privater Risikobeteiligung.

Die Euro-Regierungen würden für den ESIM nicht nur die Prämien festlegen, sondern auch darüber entscheiden, ob der Schadensfall eintritt. Die von den Schuldenstaaten zu bezahlenden Versicherungsprämien könnten jährlich festgelegt werden und von Fortschritten der Sanierung abhängig gemacht werden.
Auch beim Solvenzproblem hilft der ESIM. Investoren würde angeboten, die bestehenden Anleihen mit einem Marktwert von ca. 60 Prozent zum Preis von z.B. 75 Prozent in neue, langlaufende Anleihen mit Versicherungsschutz zu tauschen. Je nach individueller Einschätzung stimmt der Investor zu oder behält die risikoreicheren Papiere.

So ein freiwilliger "Hair-Cut", kombiniert mit Schuldenverlängerung, verbessert die Solvenz, ohne einzelne Gläubiger durch Kollektivmaßnahmen zu schädigen. Eine derartige Partnerschaft zwischen staatlichem und privatem Kapital würde längerfristige Wachstumschancen schaffen und könnte im Rahmen der bereits zugesagten ESM-Mittel umgesetzt werden, ohne dass es neuer Gelder bedarf.

Der Autor ist Finanzvorstand der Allianz SE.

Kommentare zu " Finanzvorstand Achleitner: Allianz skizziert Rettungsplan für Griechenland"

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  • zu durchsichtig! Ich vermisse nur noch das Wort "alternativlos".

    Wie will man einem Land helfen, dass Steuern "erhebt", dessen erhobene Steuern aber nicht an den Staat abgeführt werden.

    Wir können uns nicht davon freisprechen, dass uns diese Tatsache neu wäre. Erst recht nicht das Management der ALLIANZ. Wenn das Management dennoch Geld "dort" anlegt/e, stellt sich die Frage, ob der Kunde oder das Management die Zeche zu zahlen hat. Viel eleganter für das Management der ALLIANZ ist natürlich der Vorschlag, die Bürde dem Steuerzahler anzulasten und den eigenen Boni einzustreichen. Es hat ja schon einmal so funktioniert.

    Genau so muss es sein, wenn wir afrikanisch-spanische Verhältnisse haben wollen.

    Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir wieder Verantwortlichkeiten schaffen - bevor es zuspät ist.

  • @Jo

    Sie verbreiten hier typisches Lobbyistengeschwätz. Der dumme Bürger soll wie immer davon ausgehen, dass die Kreditversicherungen nicht fällig werden.

    Im Ideal- (aber sehr unwahrscheinlichen) Fall zahlt Griechenland Zinsen, erholt sich und Ihr Szenarion tritt ein.

    Im sehr wahrscheinlicheren Fall geht Griechenland pleite, dann steht der Steuerzahler mal wieder für Privatinteressen grade.

    Oder der ebenfalls sehr wahrscheinliche Fall tritt ein, dass die Griechen unter jahrelangem Siechtum mit immer neuem Geld versorgt werden müssen, bis sie pleite sind. Dies wäre dann der schlechteste Fall, dann würde gutes Geld dem schlechten noch hinterhergeworfen bis dann schlussendlich die Versicherungen fällig werden.

    Jetzt mal ganz ehrlich: Einem quasi insolventen Schuldner, dem niemand mehr Geld leiht und der massiv sparen muss würden Sie selbst (ausser evtl. zu horrenden Zinsen) kein Geld leihen! Wieso plädieren Sie dafür dass die Allgemeinheit dies tun sollte, wenn Sie nicht eigene Interessen vertreten? Ich sehe jedenfalls kein einziges Argument, was mich davon überzeugen könnte.

  • Was er vorschlägt ist der vernünftigste und wie ich denke einzige Weg wie man diese Schuldenkrise mit minimalsten Risiko übersteht. Hier ist mehr Weitsicht gefragt. Der Bild Populismus (Haircut) kann nicht nur in der Schlimmsten Weltwirtschaftskrise aller Zeiten, sondern auch noch in einem 3. Weltkrieg enden (siehe Proteste in Griechenland, Spanien, Isalnd, Irland ...)

    Diese Länder brauchen Entlastung und einen Marschallplan anstatt immer weitere Belastungen und Wirtschaftlichen Ausverkauf. Und das ist mehr als nur in unserem eigenen Interesse.

    Apropos Eigeninteresse. Den Bildlesern wird gesagt, dass wir für Griechenland zahlen. Beim Allianz Vorschlag ist das nicht der Fall hier leisten wir Garantien und bekommen von den Banken satte Zinsen, ohne dass tatsächlich Geld fließt. Durch Garantien wird verhindert, dass es durch immer höhre Risikoaufschläge für das Land unmöglich ist sich zu refinanzieren und es tatsächlich pleite geht oder einen Haircut vornehmen muss.

    Was Bild Zeitung und Herr Sinn da propagieren, das kommt uns Deutsche erst richtig teuer zu stehen. Im ersten Schritt sind unsere Lebensversicherungen nichts mehr Wert, die Hypothekenzinsen steigen ins unbezahlbare. Die Exportwirtschafts ist platt und die Unternehmen bekommen keine Kredite mehr. Als Folge muss ein Unternehmen nach dem anderen pleite gehen. Das kostet uns dann unsere Jobs!!

    Man muss sich die Geschichte doch nur anschauen!! Seid endlich vernünftig und macht euch echte Gedanken als von großen Überschriften leiten zu lassen!
    Gemeinsam überleben oder gemeinsam untergehen, so sieht die wirtschaftliche Situation in Europa momentan aus.

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