Finanzvorstand Achleitner
Allianz skizziert Rettungsplan für Griechenland

Wie kann Griechenland gerettet werden? Der Finanzvorstand des Versicherungskonzerns Allianz, Paul Achleitner, schlägt in einem Gastbeitrag eine Art Schuldenversicherung für Krisenländer vor.
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Die Herabstufung der Kreditqualität Griechenlands, Gerüchte über einen Euro-Austritt sowie die Diskussion über den nächsten Notkredit zeigen, dass das Thema Staatsschulden in der Euro-Zone noch nicht gelöst ist. Eine Staatsanleihenversicherung würde helfen und wird zu Unrecht kaum diskutiert.

Griechenland und andere Staaten haben über Jahre ein "Geschäftsmodell" betrieben, das auf billige Kredite setzte. Seit der Krise 2008 sind diese nicht mehr erhältlich. Der entstandene Liquiditätsengpass wurde von den Euro-Regierungen durch eine Notfallkreditlinie verantwortungsvoll gemildert. Die fehlende Liquidität ist aber nur ein Symptom des Solvenzproblems Griechenlands: Mit dem alten Geschäftsmodell kann es die wachsende Schuldenlast nicht mehr bedienen.

Die Kapitalmärkte erwarten, dass diese Überschuldung nach amerikanischem Muster durch einen radikalen Schuldenerlass gelöst wird. Trotz der vielen Dementis wird ein sogenannter "Hair-Cut" von 40 bis 60 Prozent erwartet. Es überrascht nicht, dass unter diesen Bedingungen kein privates Kapital nach Griechenland fließt. Der Liquiditätsnottopf der EU droht zur einzigen Finanzierungsquelle für Griechenland & Co zu werden. Weil das so nicht gedacht war, erhebt sich vermehrt politischer Widerstand.

Die Alternative zum "Hair-Cut" ist der sogenannte "Work-out". Der entspricht der europäischen Tradition, den in Schwierigkeiten steckenden Kreditnehmer weiter zu finanzieren, unter strikten Auflagen, das Geschäftsmodell anzupassen, um eine Genesung zu ermöglichen. Europäische Regierungen und Zentralbanken sowie viele Kreditgeber bevorzugen aus guten Gründen diese Lösung. Ein großzügiger Verzicht auf die Rückzahlung griechischer Schulden erzwänge eine große Neukapitalisierung des europäischen Bankensystems. Weil diese aber in großem Ausmaß auf die Steuerzahler zurückfiele, wäre ein Schuldenerlass kaum vermittelbar. Eine weitere Gefahr ist, dass andere hochverschuldete Staaten der Versuchung erliegen, sich auf ähnliche Weise zu entlasten. Allein derartige Vermutungen würden Investoren verunsichern und zu zusätzlichen Risikoprämien zwingen. Es droht eine Kettenreaktion mit Auswirkungen wie bei der Lehman-Pleite.
Zum Gelingen des "Work-out" bedarf es aber einer längerfristigen Finanzierung zu Konditionen, die das Schuldenproblem nicht verschärfen. Selbst der großzügig bemessene 500-Mrd.-Euro-Rettungsschirm ESM wird als einzige Finanzierungsquelle nicht ausreichen, da schon jetzt klar ist, dass Griechenland & Co die über Jahrzehnte aufgebauten Strukturdefizite nicht in ein bis zwei Jahren beheben können.

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Kommentare zu " Finanzvorstand Achleitner: Allianz skizziert Rettungsplan für Griechenland"

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  • zu durchsichtig! Ich vermisse nur noch das Wort "alternativlos".

    Wie will man einem Land helfen, dass Steuern "erhebt", dessen erhobene Steuern aber nicht an den Staat abgeführt werden.

    Wir können uns nicht davon freisprechen, dass uns diese Tatsache neu wäre. Erst recht nicht das Management der ALLIANZ. Wenn das Management dennoch Geld "dort" anlegt/e, stellt sich die Frage, ob der Kunde oder das Management die Zeche zu zahlen hat. Viel eleganter für das Management der ALLIANZ ist natürlich der Vorschlag, die Bürde dem Steuerzahler anzulasten und den eigenen Boni einzustreichen. Es hat ja schon einmal so funktioniert.

    Genau so muss es sein, wenn wir afrikanisch-spanische Verhältnisse haben wollen.

    Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir wieder Verantwortlichkeiten schaffen - bevor es zuspät ist.

  • @Jo

    Sie verbreiten hier typisches Lobbyistengeschwätz. Der dumme Bürger soll wie immer davon ausgehen, dass die Kreditversicherungen nicht fällig werden.

    Im Ideal- (aber sehr unwahrscheinlichen) Fall zahlt Griechenland Zinsen, erholt sich und Ihr Szenarion tritt ein.

    Im sehr wahrscheinlicheren Fall geht Griechenland pleite, dann steht der Steuerzahler mal wieder für Privatinteressen grade.

    Oder der ebenfalls sehr wahrscheinliche Fall tritt ein, dass die Griechen unter jahrelangem Siechtum mit immer neuem Geld versorgt werden müssen, bis sie pleite sind. Dies wäre dann der schlechteste Fall, dann würde gutes Geld dem schlechten noch hinterhergeworfen bis dann schlussendlich die Versicherungen fällig werden.

    Jetzt mal ganz ehrlich: Einem quasi insolventen Schuldner, dem niemand mehr Geld leiht und der massiv sparen muss würden Sie selbst (ausser evtl. zu horrenden Zinsen) kein Geld leihen! Wieso plädieren Sie dafür dass die Allgemeinheit dies tun sollte, wenn Sie nicht eigene Interessen vertreten? Ich sehe jedenfalls kein einziges Argument, was mich davon überzeugen könnte.

  • Was er vorschlägt ist der vernünftigste und wie ich denke einzige Weg wie man diese Schuldenkrise mit minimalsten Risiko übersteht. Hier ist mehr Weitsicht gefragt. Der Bild Populismus (Haircut) kann nicht nur in der Schlimmsten Weltwirtschaftskrise aller Zeiten, sondern auch noch in einem 3. Weltkrieg enden (siehe Proteste in Griechenland, Spanien, Isalnd, Irland ...)

    Diese Länder brauchen Entlastung und einen Marschallplan anstatt immer weitere Belastungen und Wirtschaftlichen Ausverkauf. Und das ist mehr als nur in unserem eigenen Interesse.

    Apropos Eigeninteresse. Den Bildlesern wird gesagt, dass wir für Griechenland zahlen. Beim Allianz Vorschlag ist das nicht der Fall hier leisten wir Garantien und bekommen von den Banken satte Zinsen, ohne dass tatsächlich Geld fließt. Durch Garantien wird verhindert, dass es durch immer höhre Risikoaufschläge für das Land unmöglich ist sich zu refinanzieren und es tatsächlich pleite geht oder einen Haircut vornehmen muss.

    Was Bild Zeitung und Herr Sinn da propagieren, das kommt uns Deutsche erst richtig teuer zu stehen. Im ersten Schritt sind unsere Lebensversicherungen nichts mehr Wert, die Hypothekenzinsen steigen ins unbezahlbare. Die Exportwirtschafts ist platt und die Unternehmen bekommen keine Kredite mehr. Als Folge muss ein Unternehmen nach dem anderen pleite gehen. Das kostet uns dann unsere Jobs!!

    Man muss sich die Geschichte doch nur anschauen!! Seid endlich vernünftig und macht euch echte Gedanken als von großen Überschriften leiten zu lassen!
    Gemeinsam überleben oder gemeinsam untergehen, so sieht die wirtschaftliche Situation in Europa momentan aus.

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