Finanzwirtschaft
Präsidentin der Welthungerhilfe attackiert Deutsche Bank

Am heutigen Donnerstag veröffentlicht die Deutsche Bank ihren Jahresbericht. Schon im Vorfeld gibt es Kritik. Die Welthungerhilfe wirft der Bank vor, Finanzwetten auf Kosten der Ärmsten zu betreiben.
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Köln/FrankfurtDie beiden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, präsentieren am heutigen Donnerstag erstmals die Jahresbilanz des Kreditinstituts. Experten erwarten einen deutlichen Gewinnrückgang. Für die vergangenen drei Monate rechnen Analysten sogar mit einem Verlust.

Deutschlands größte Bank hatte bereits im Dezember für das vierte Quartal des vergangenen Jahres einen Gewinneinbruch angekündigt. Zahlreiche Probleme wie die Restrukturierung und die Integration der Postbank belasteten das Kreditinstitut.

Die Bank will die jährlichen Kosten bis 2015 um 4,5 Milliarden Euro reduzieren. Auch bei den Personalkosten soll gespart werden. 25.000 außertariflich bezahlte Mitarbeiter in Deutschland müssten in diesem Jahr auf die übliche Gehaltserhöhung verzichten, berichteten "Wall Street Journal Deutschland" und "Süddeutsche Zeitung" übereinstimmend.

Die verschiedenen juristischen Auseinandersetzungen werden sicherlich auch auf der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt am Main angesprochen. So stehen Mitarbeiter der Bank im Verdacht, an Umsatzsteuerbetrug und der Manipulation der Libor- und Euribor-Zinssätze beteiligt gewesen zu sein. Auch der verlorene Prozess gegen die Erben des verstorbenen Medienmanagers Leo Kirch und die zu erwartende Schadenersatzzahlung werden eine Rolle spielen.

Unterdessen hat die Präsidentin der Welthungerhilfe die Deutsche Bank attackiert. Die Welthungerhilfe hat die Entscheidung der Deutschen Bank kritisiert, sich nach einer mehrmonatigen Pause wieder am Börsenhandel mit Lebensmitteln zu beteiligen. Die Deutsche Bank stelle sich damit "gegen Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftler, internationale Organisationen und Politiker, die sich seit mehreren Jahren für eine bessere Kontrolle der Agrarspekulation einsetzen", schreibt die Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann in einem Beitrag für den "Kölner Stadt-Anzeiger" (Donnerstagsausgabe).

"Zum Schutz des Menschenrechts auf Nahrung" fordere die Welthungerhilfe dazu auf, eine effektive Regulierung der Rohstoffterminmärkte voranzubringen, unterstrich Dieckmann. Die Welthungerhilfe könne es nicht zulassen, dass "immer mehr Menschen in den Hunger" getrieben würden, obwohl dies "durch politische Maßnahmen" verhindert werden könne. Die Deutsche Bank hatte vor knapp zwei Wochen bekanntgegeben, dass sie ihre Entscheidung vom März 2012 wieder aufhebe, keine "neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf der Basis von Grundnahrungsmitteln mehr aufzulegen".

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • "Die Deutsche Bank hatte vor knapp zwei Wochen bekanntgegeben, dass sie ihre Entscheidung vom März 2012 wieder aufhebe, keine "neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf der Basis von Grundnahrungsmitteln mehr aufzulegen"."

    Die Deutsche Bank ist und war schon über Jahrzehnte nicht mehr eine solche nach unseren ethischen Mäßstäben.
    Beendet wurde dieses Verständnis nach Herrhausen, der versuchte, einen anderen Weg zu gehen und nur störte.

    Das hat sie danach über Jahrzehnte wunderbar verbergen können, nicht zuletzt, weil das "in" war nach US/UK Vorbild.

    Mit den neuen "Machthabern" UK Prägung geht sie erneut den gleichen Weg der unredlichen Gewinnmaximierung, weil nur so der Profit zu erreichen ist, in dem sie sich zuvor über Jahrzehnte ungehindert sonnte. Ackermann war der Held an Merkels Tisch und in Beraterfunktion.

    Nun stürmen Klagen auf sie ein, Libor Betrug, Klagen aus USA wegen der Verteilung der die Finanzkrise befördernden CDS Manipulationen etc..

    Es gab eine Zeit, da war das Privatkundengeschäft out, wurde in die Bank 24 ausgelagert, der Privatkunde war ein underdog.

    Letztens hatte man sich besonnen und erkannt, daß gerade die Privatkunden ein tolles Liquiditätsfundament für eine Bank darstellen und schnell die Postbank erworben, wodurch die Risiken der Investmentsparte besser abgefedert werden können.

    Wenn nun das Trennbankensystem, das zZt eingefordert wird, noch kommt, und gegen das sie vehement agieren, wird man sehen, was von dem Verein noch übrig bleibt.


    Es war einmal.... so fangen viele Märchen an und viele enden für die Hauptakteure nicht glücklich...

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