Finanzzentrum HSBC bleibt in London

Die britische Großbank HSBC hatte mehrfach gedroht, den Unternehmenssitz nach Asien zu verlagern. Nun entschied sich der Vorstand einstimmig für einen Verbleib in London.
Update: 15.02.2016 - 09:19 Uhr
Die größte europäische Bank hatte aus regulatorischen Gründen eine Verlagerung des Unternehmenssitzes erwogen. Quelle: dpa
HSBC-Filiale in London

Die größte europäische Bank hatte aus regulatorischen Gründen eine Verlagerung des Unternehmenssitzes erwogen.

(Foto: dpa)

LondonEs waren offenbar große Namen unter den Beratern, die die britische Großbank HSBC für eine wichtige Entscheidung engagiert hatte: Die ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice soll Finanzkreisen zufolge dazugehört haben – ebenso wie einer ihrer Vorgänger Henry Kissinger. Ihr Rat zu geopolitischen Situation war gefragt, denn die Bank erwog einen großen Schritt: eine Verlagerung ihrer Londoner Zentrale.

Als Alternative waren neben Hongkong, wo das Geldhaus 1865 gegründet worden war, ursprünglich auch andere Regionen im Spiel – darunter Kanada, die USA, Singapur, Frankreich und Deutschland, wie HSBC-Finanzchef Iain Mackay in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg im Frühjahr vergangenen Jahres sagte.

Diese Banken sind groß – und daher gefährlich
Klasse 1
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 18 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – eine mehr als im Vorjahr. Sie müssen nur ein Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Unter diesen nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich Geldhäuser wie die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, Credit Agricole, die Royal Bank of Scotland und die Bank of China. Neu hinzugekommen in diese Gruppe ist die US-Bank Morgan Stanley, die im Vorjahr noch einen höheren Kapitalpuffer vorhalten musste.

Klasse 2 – Morgan Stanley
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Die amerikanische Großbank Morgan Stanley landet auf Platz 11. Sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Seit der weltweiten Finanzkrise konzentriert sich Morgan Stanley stärker auf die Vermögensverwaltung. Damit soll das Geschäft weniger schwankungsanfällig werden.

Klasse 2 – Mitsubishi UFJ FG (MUFG)
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Die Mitsubishi UFJ FG (MUFG) muss ebenfalls 1,5 Prozent Kapital als Zuschlag vorhalten. Zu der japanischen Holdinggesellschaft gehört die Bank of Tokyo-Mitsubshi UFJ. Die Bankengruppe gehört im japanischen Leitindex Nikkei neben Toyota, Toshiba und Sony zu den Schwergewichten. Japanische Banken wie die MUFG profitieren derzeit von der extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank. Sie erzielen bessere Ergebnisse als ihre schwächelnden Konkurrenten in Europa.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Im Sommer litt die Bank unter der Flaute an den Märkten. Ein florierendes Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) konnte das dritte Quartal nicht retten: Der Nettogewinn brach um mehr als ein Drittel ein.

Klasse 2 – Credit Suisse
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Die zweitgrößte Schweizer Großbank Credit Suisse gilt als gefährlicher als ihr Konkurrent UBS. Der neue Chef der Bank, Tidjane Thiam, baut das angeschlagene Institut derzeit kräftig um. Er kündigte eine Kapitalerhöhung, einen Sparplan und einen Vorstandsumbau an. Aufschlag: 1,5 Prozent.

Klasse 2 – Bank of America
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Das größte Kreditinstitut der USA, die Bank of America, landet auf Platz 7 (Aufschlag: 1,5 Prozent). Die Bank hat die Finanzkrise überstanden und schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Klasse 3 – Deutsche Bank
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Die Deutsche Bank ist das einzige deutsche Geldhaus, das vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant eingestuft wird. Sie muss zwei Prozent Kapital vorhalten. Der britische Neu-Chef John Cryan greift momentan durch und zeigt mit einem umfangreichen Stellenabbau und dem Streichen der Dividende Härte.

Am späten Sonntag Abend ist die Entscheidung gefallen: HSBC bleibt in London, wie die Bank mitteilte. Der 19-köpfige Verwaltungsrat der Bank habe sich einstimmig dafür entschieden. Dazu hätte eine Reihe von Gründen beigetragen – etwa das international anerkannte Justiz- und Regulierungssystem Großbritanniens und die große Erfahrung im Umgang mit komplexen internationalen Sachverhalten.

Die Entscheidung markiert einen wichtigen Sieg für den britischen Finanzminister George Osborne, der Großbanken zuletzt steuerliche und regulatorische Zugeständnisse machte. Es unterstreicht zudem die Bedeutung Londons als Europas wichtigstes Finanzzentrum und das trotz der Gefahr, dass das Land möglicherweise aus der Europäischen Union austreten und ohne den Zugang zum europäischen Binnenmarkt das Geschäft der Banken komplizierter werden könnte.

Bei der Prüfung, wo die Bank idealerweise ihre Zentrale haben sollte, spielten laut HSBC neben dem regulatorischen Rahmenbedingungen auch die künftigen Wachstumsaussichten sowie die Größe des bereits existierenden Bankgeschäfts in verschiedenen Ländern eine Rolle. Am Ende seien nur noch die Alternativen Hongkong und London übrig geblieben, heißt es.

Große Teile des Geschäfts in Asien
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