Fintech-Messe im Silicon Valley
Wie Banken sich selbst überflüssig machen

Wer sich von seiner Bank verabschiedet, kann heute viel Geld sparen. Das gilt für den armen Studenten, den Familienvater und sogar für Unternehmer. Alarmierend für die Banken: Die Reichen verlassen sie zuerst.

San FranciscoDie Hypovereinsbank macht es vor: Kostenlose Girokonten werden für alle Kunden, die älter als 26 Jahre Jahre sind, abgeschafft. In manchen kleineren Ortschaften gibt es schon lange keine Filialen der Geldhäuser mehr. Erste Institute überlegen sogar, Bargeld per Boten an ihre deutschen Kunden in die ländliche Diaspora zu senden. Andere schenken ihren Kunden Bustickets in den Nachbarort, um dort Bankgeschäfte zu erledigen. Selbst Geldautomaten will kein Finanzinstitut mehr betreiben. Willkommen in der Zukunft der Bankenwelt!

Ob in den USA oder in Deutschland: Für Otto Normalverbraucher wird es immer teurer werden, ans eigene Geld zu kommen. Überall werden in Zeiten der Null-Zinspolitik Filialen geschlossen, neue Gebühren erfunden und alte immer weiter in die Höhe geschraubt. Auf einmal kostet es Geld, den früher kostenlosen Geldautomaten zu nutzen, mancherorts bekommt selbst die EC-Karte eine Jahresgebühr. Doch was über Jahrhunderte in einem hoch regulierten und wettbewerbsarmen Markt problemlos funktioniert hat, wird zum Risiko. Denn die Kunden schlagen zurück – mit Hilfe des Internets oder kleiner Unternehmen, die online oder offline Dienste anbieten.


Gute Beispiele zeigte die „Finovate“-Konferenz im kalifornischen San José. „Billiger als kostenlos“ geht einfach nicht mehr, verspricht etwa Andrey Morozov und kündigt Banken und Zahlungsabwicklern den Kampf an: „Auf dem Markt für Zahlungsabwicklung wird nur noch über den Preis gekämpft. Und wir führen halt den ultimativen Preiskrieg: Wir bieten sie einfach kostenlos an.“ Morozow weiß, wovon er spricht. Er hat einen Zahlungsdienstleister in Europa aufgebaut und später verkauft. Mit der gesammelten Erfahrung mischt er jetzt seine alte Branche auf.

Payment.ninja rechnet Zahlungen mit Kredit- oder Debitkarten ab. Unternehmen wie Visa, Mastercard oder Square verlangen mehr oder weniger hohe Gebühren vom Händler, wenn mit einer Karte bezahlt wird. „Die Kosten für Zahlungsabwicklung können bis zu 25 Prozent der Gewinnmarge von kleinen Unternehmen ausmachen“, rechnet Daria Dubinina, CEO von payment.ninja, vor. In der neuen Heimat ihres Start-ups, in San Francisco, kann man den Effekt deutlich sehen: Ein fettes Schild mit dem Hinweis „Cash only“ ist in vielen Tante Emma-Läden und Eckkneipen längst normal.

Payment.ninja arbeitet ohne Gebühren, nutzt aber die Kundendaten der Abrechnungen und vermarktet zusätzliche Waren an den Kunden. Das bringt mehr Umsatz für den Händler, der dafür einen Anteil an payment.ninja weiterleitet. In den USA will payment.ninja noch dieses Jahr starten.


Auch das Frankfurter Start-up Savedroid ist zur „Finovate“ im kalifornischen San José angereist. Sie gilt als Leitmesse für Finanzen 2.0 und richtet sich an Start-ups mit oder ohne Bankenbeteiligung. Als Smartphone-App bietet Savedroid automatisches Sparen nach vorgegebenen Regeln. Zunächst werden Sparziele fixiert und die „Events“, die einen Sparvorgang auslösen. Sparziel ist für Max Musterfrau ein neues Smartphone, zehn Euro sollen dafür von Savedroid nach jeder Schuhbestellung bei Zalando oder jedem Besuch bei Starbucks automatisch vom Giro- aufs Sparkonto umgebucht werden. Sozusagen als private „Genußsteuer“. Die App ist kostenlos, verdienen kann Savedroid erst, wenn ein Nutzer sich entscheidet, Verträge abzuschließen. Per Datenanalyse werden die monatlichen Ausgaben auf dem Konto analysiert und Produkte die, laut Savedroid-Gründer Yassin Hankir helfen, monatliche Kosten zu senken, vorgeschlagen. Nach Vertragsabschluss fließen Provisionen.

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