Fintech-Standort: Frankfurt holt auf

Fintech-Standort
Frankfurt holt auf

An diesem Donnerstag wird nahe der Frankfurter Messe das Tech Quartier eröffnet. Eine Studie zeigt, dass die Region rund um die Mainmetropole bei Fintechs bereits an Beliebtheit gewinnt – sogar Berlin muss sich vorsehen.
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FrankfurtNoch sind im Frankfurter Pollux-Hochhaus die Schreiner und Inneneinrichter am Werk. Doch Mitte Dezember sollen dort endlich Fintechs einziehen – gut ein Jahr nachdem der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) Konzepte für die Einrichtung eines Fintech-Zentrums in Frankfurt eingesammelt hat. Feierlich eröffnet wird das sogenannte Tech Quartier bereits an diesem Donnerstag.

Es soll Frankfurt bei den Start-ups der Finanztechnologie-Szene beliebt machen. Die Initiative ist auch dringend nötig, denn die Mehrheit der Jungunternehmer siedelt sich noch immer in Berlin an. Eine Studie der Beratungsgesellschaft EY und der Interessengemeinschaft Frankfurt Main Finance, die dem Handelsblatt vorliegt, zeigt aber, dass die Mainmetropole bereits aufholt.

Aktuell zählt EY in ganz Deutschland 305 Fintechs. Mit 87 befindet sich die Mehrzahl in Berlin, 81 sind in der Region Rhein-Main-Neckar angesiedelt, 36 in München, dahinter folgt Hamburg mit 25. Eine allgemeingültige Definition, was eigentlich ein Fintech ist, gibt es allerdings nicht und so ist so ist es auch zu erklären, dass aktuell eine Studie der Online-Bank Comdirect, die auf Daten der Unternehmensberatung Barkow Consulting zurückgreift, auf stolze 544 deutsche Fintechs kommt. Beide Analysen zeigen jedoch, dass die Branche trotz zwischenzeitlich rückläufiger Investitionen weiter wächst. Laut EY war das Wachstum in der Region Rhein-Main-Neckar zuletzt am größten. Zwischen März und Oktober sei die Zahl der Fintechs dort um 45 Prozent gestiegen. Bundesweit gab es nur ein Plus von 22 Prozent.


Ein Stück weit sind die Anstiege dadurch zu erklären, dass neuerdings Proptechs, also Fintechs aus der Immobilien-Branche, mitgezählt werden. Sie machen nach EY-Definition aber erst drei Prozent der Gesamtzahl aus, denn reine Vermittlerportale zählen die Studienautoren nicht mit. Großzügiger sind sie dagegen bei der Definition des Frankfurter Umkreises. Dieser erstreckt sich bis zu den Universitätsstandorten Darmstadt, Mainz, Oestrich-Winkel, Heidelberg, Karlsruhe und Mannheim. EY begründet das mit dem großen Einzugsbereich und der „arbeits- und ausbildungsbezogenen Mobilität“ in der Region. Direkt in Frankfurt sitzen 53 Fintechs.

Damit es noch mehr werden, hatte das hessische Wirtschaftsministerium im Dezember 2015 dazu aufgerufen, Konzepte für ein Fintech-Zentrum zu erstellen. Man wolle Frankfurt als „innovativen Standort für IT-getriebene Start-ups im Finanzsektor positionieren“, hieß es damals. Die Bedeutung der Fintechs als wichtige Helfer im Prozess der Digitalisierung haben inzwischen die meisten Banken und auch schon einige Versicherungen erkannt. Anders als die Großkonzerne sind sie agiler, können Neuerungen schneller an den Markt bringen und scheuen sich weniger davor, einen Versuch als gescheitert zu erklären und das Nächste zu wagen. Zudem zeichnen sie sich meist durch eine starke Fokussierung auf den Kunden aus.

Im Januar waren acht Konzepte präsentiert worden. Das Tech Quartier ist nun eine Mischung aus unterschiedlichen Ideen. In einem Monat soll im Pollux zunächst eine Etage mit 120 Arbeitsplätzen eingerichtet sein. Etwa ein Drittel davon sollen durch zwei Accelatoren-Programme – eine Art Geburtshelfer für ganz junge Firmen - besetzt werden. Zudem sollen zunächst etwas mehr als ein Dutzend Fintechs vor Ort sein. Hinzu kommen einzelne Gründer, die sich noch in einer frühen Unternehmensphase befinden. „Die Idee ist nicht, dass alle bereits etablierten Unternehmen ihren Hauptsitz ins Pollux verlagern, sondern auch mit einer Repräsentanz mit mehreren Mitarbeitern vor Ort sein können“, erklärt Sebastian Schäfer, Geschäftsführer des Tech Quartier.

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