Fiskalunion

Ackermann glaubt an den Euro

Josef Ackermann sieht eine Zukunft für den Euro - aber nur mit einer Fiskalunion. Die Eurozone werde noch lange bestehen, aber sie wird auch mehr von Deutschland fordern als bisher angenommen.
39 Kommentare
Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, Quelle: dpa

Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank,

(Foto: dpa)

Paris Gelassen, gut gelaunt und so eloquent wie ein Politiker, so trat Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann am späten gestrigen Abend in Paris auf. Vielleicht trug der prächtige Ort, das wunderschöne „Hotel Beauharnais“, dazu bei, dem sonst manchmal spröde wirkenden Ackermann die Zunge zu lösen. Die Residenz des deutschen Botschafters gilt als eines der erhabensten Palais der französischen Hauptstadt, die nicht eben arm ist an prunkvollen Gebäuden.

Hier hat Reichtum die Jahrhunderte überdauert - vielleicht bestärkte das Ackermann in seiner Ansicht, dass auch die Eurozone noch lange bestehen kann, vorausgesetzt, sie verteilt ihren Reichtum ein wenig um: Die Starken sollen mehr noch als bislang die Schwachen in der Eurozone unterstützen, forderte Ackermann vor 120 geladenen Gästen.

Es fragt sich, ob Ackermann in Deutschland so deutlich geworden wäre, was die Voraussetzungen für das Überleben des Euros angeht, wie er sie sieht: „Ich bin überzeugt, dass es nicht bei 211 Milliarden Euro (deutschen Garantien für den Rettungsschirm) bleiben wird. Deutschland wird in einer Fiskalunion mehr bestreiten müssen.“ Und die Fiskalunion ist für ihn unausweichlich: „Wir haben A gesagt, jetzt müssen wir auch B sagen, indem wir das Ganze nach vorne bringen und die Schwächeren stärker unterstützen.“

Es war ein Abend der unangenehmen Wahrheiten für den Hausherrn, die Bundesrepublik. Denn der Deutsche-Bank-Chef sprach nicht nur völlig unbefangen wiederholt das „F-Wort“ - Fiskalunion - aus. Er setzte auch einige kräftige Fragezeichen hinter das Rettungspaket, das der EU-Gipfel am Mittwoch vergangener Woche beschlossen hat - zu einer Zeit, die lange zurückzuliegen scheint, war es doch bevor der griechische Premier Papandreou mit der Idee eines Referendums in eine Tollhaus verwandelte.

Ein fundamentaler Widerspruch steckt seiner Ansicht nach in der Rettungsstrategie: „Wer ein Burden Sharing im Sinne der Beteiligung des Privatsektors fordert, stellt die Verlässlichkeit von Staatsanleihen infrage. Die Büchse der Pandora wurde geöffnet, die Rettungsaktion wird dadurch logisch konterkariert.“

Ganz frei von Widersprüchen ist aber auch Ackermann nicht, denn kurze Zeit später sagte er: „Griechenland muss von seinen 365 Milliarden Euro Schulden herunter, ohne einen teilweisen Schuldenerlass wird das nicht gehen, machen wir es also jetzt einmal.“ Einmal, das ist ganz wichtig für ihn: Griechenland soll auf jeden Fall eine Einzelfall bleiben, auf keinen Fall dürfe der Eindruck entstehen, mit Italien und Spanien könne man ähnlich umgehen.

Katastrophen-Szenario
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39 Kommentare zu "Fiskalunion: Ackermann glaubt an den Euro - unter Bedingungen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Suche Gewehr mit Zielfernrohr! ;-)

  • Eben! Ein Chef einer Betrüger-Bank wie sie im Buche steht erhält das Wort... das stimmt nachdenklich. Der spielt, mir scheints, mit seinem (Über-) Leben!

    Bei den Kommentatoren hier im HB-Online, landet er ja kaum mit seinen unglaubhaften Faseleien.. Gott sei Dank, sonst müßte man ja am Verstand der "gemeinen"Bevölkerung zweifeln.


  • Wieso wir müssen- wenn er von Deutschland spricht? Er ist doch Schweizer- mit Fränkli!

    Wir habe "A" Ackermann gesagt und damit ging die als vorbildlich dargestellte Globalisierung der größten Deutschen Bank los. Erinnere mich noch gut an die ersten Aktivitäten von A. Argument in Streitgesprächen wir müssen global aufgestellt sein, ansonsten droht die feindliche Übernahme. Wie ein Virus verbreitete sich diese Verkaufsstrategie und jeder Banker wollte auch der große Player sein. Leid und Armut haben diese Blender einem großen Teil unserer Gesellschaft zugefügt und aus den Worten des Artikels kann ich kein Umdenken erkennen. Reich im Auftreten aber arm in der Seele- eben ein Blender.

  • @ dw-seneca: "Den Deutschen fehlt diese Kraft zum Widerstand dank jahrzehntelanger Indoktrination vollkommen, der Deutsche wandert einfach aus."

    Den Deutschen fehlt diese Kraft zum Widerstand dank jahrzehntelanger Indoktrination durch die groß-deutschen Medien vollkommen, der Deutsche geht in die innere Kündigung oder wandert einfach aus.

  • „Die Starken sollen mehr noch als bislang die Schwachen in der Eurozone unterstützen, forderte Ackermann vor 120 geladenen Gästen.“

    Das ist doch der blanke Hohn. Das grinsende Gesicht, es fehlen nur noch seine Victory-Finger:
    „Die Starken sollen mehr noch als bislang die Schwachen in der Eurozone ausbeuten, forderte Ackermann vor 120 geladenen illustren Gästen in einem prunkvollen Ambiente, das nach Ackermanns Willen weiterhin den Schwachen verschlossen sein soll.“


    Zwischenmeldung HB 04.11.2011, 07:19 Uhr:

    Schuldenkrise Soros warnt vor „Kernschmelze“

    Der berühmt-berüchtigte Investor George Soros sorgt sich um Europa. Die Entscheidungsträger täten zu wenig, um die Schuldenkrise zu bekämpfen. Im schlimmsten Fall drohe dem Finanzsystem die Kernschmelze.

    Für die 99-Prozent Schwachen kann es nicht schlimmer kommen.Für sie kann die Kernschmelze des Finanzsystems nur Hoffnung auf eine bessere Zukunft bringen.

  • Ackermann ist weder Staatmann noch ist er ein besonderer Visionär; Ackermann ist ein erfolgreicher Banker. Geschickt weiß er von den eigenen Leichen im Keller abzulenken und sich die Gunst der Politiker zu erhalten.
    Wenn Ackermann von WIR spricht, so schließt er selbstvertändlich die 13 Millionen Deutschen, die unter die Armutsgrenze fallen, aus. Die sind ihm genau so unbekannt, wie die 13 Millionen Griechen, die im Krankheitsfall wegen Medikamentenmangel nicht gesunden oder sterben.
    Selbstverständlich kritisiert Ackermann den Ankauf griechischer Anleihen durch die EZB nicht und die Gegenbuchung scheint auch egal zu sein, denn ein Gegenwert existiert im Ernstfall nicht. Da müssen WIR den Ausgleich hinnehmen, weil eine dingliche Sicherung fehlt.
    In eigener Sache, und das erstaunt mich, ist er bereit, auf 50% seiner Forderungen zu verzichten, und meint, einen noch höheren Verlust zu vermeiden.
    Denkste, auch die 50% Verlust sind vermeidbar, wenn die EZB an GR einen Sonderkredit zu Null % Zinsen gegen ausreichende Sicherheiten zur Ablösung aller Verbindlichkeiten vergibt. Da dem Sonderkredit ein entsprechender Gegenwert gegenübersteht, ändert sich auch der Wert des Euro nicht.
    Nun, wir wissen um die Leichtfertigkeit südländischer Ausgabenpolitik und wir kennen die Schwächen deren Wirtschaft. Hier muß angeleitet werden.

    Da die Deutsche Bank im Verhältnis zu anderen Großbanken weniger griechische Anleihen hält, verändert der Forderungsverzicht allenfalls das Bankenranking etwas. Dann aber noch China mit an den Tisch zu holen, das sein Geld selbst dringend braucht, kann zu einer tödlichen Falle werden.

    http://www.bps-niedenstein.de/

  • Das ist nicht Kommunismus, das ist Geldverständnis. In einem Währungsraum gibt es gleiche Rahmenbedingungen für alle - davon sind manche überfordert und gehen unter, und manche sind unterfordert und häufen Reserven an. Entweder man unterteilt den Währungsraum (das müsste man letztlich auf Branchen herunter brechen), oder man macht Ausgleichszahlungen (so wie es innerstaatlich der Fall ist), oder man orientiert die Geldpolitik an den Schwächsten (d.h. eine entsprechend hohe Inflation).

  • So ist es. Ackermann ist ein genialer Manager und international der beste Banker, nicht mehr und nicht weniger. Genau so sollten seine Aussagen auch bewertet werden, nicht als Wahrheit, sondern als strategisch wohlüberlegte Botschaft nach außen, die erst einmal auf ihre Zielrichtung hin analysiert werden muss, bevor sie bewertet und eingeordnet werden kann. Das ist in diesem flusig runtergetippten Artikel nicht geschehen. Unter anderem macht Ackermann klar, dass er die nächste Stufe, den ESM, mit aller Entschiedenheit befürwortet, der einem Ermächtigungsgesetzt gleicht (eine deutsch Übersetzung gibt es unter: • http://www.peter-bleser.de/upload/PDF-Listen/E-Mail-Info_Eurostabilisierung/Entwurf_Vertrag_ESM.pdf) und das bedeutet, wie ohnehin zu vermuten, dass Merkosys Versicherung, sie seien für eine Beendigung der Transferunion, nichts als Beruhigungspillen sind. Was heißt das für den deutschen Bürger? Massiv für einen Austritt aus der EU demonstrieren, damit Merkel unter Druck gesetzt wird, endlich für Deutschland bessere BEdingungen auszuhandeln, damit das hochverschuldete Deutschland, das dem Schweizer Ackermann schnuppe ist, nicht weiter den Hauptzahlemeister auf Kosten der noch arbeitenden Bevölkerung spielt.

  • Eine diktatorische EU mit einem ungewählten Gouverneursrat (Fiskalunion) wurde bereits kurz nach dem 2. WK zum Ziel erklärt. Nur auf diesem Weg können einige wenige den größten Teil des vom Volk erarbeiteten Bruttosozialprodukts auf Dauer abschöpfen.

    Meinen einzigen Hoffnungsschimmer finde ich der schon fast panischen Angst unserer politischen Elite vor ihren Völkern. Vielleicht werden die Griechen, die Italiener, die Spanier genügend Widerstand aufbringen, um dieses Schrecksszenario abwenden zu können. Den Deutschen fehlt diese Kraft zum Widerstand dank jahrzehntelanger Indoktrination vollkommen, der Deutsche wandert einfach aus.

  • Man sollte die Bürger dieses Landes endlich mal in einer großen Kampanje aufklären, wer Herr Ackermann überhaupt ist und wessen Interessen er vertritt. Weltweit hat die DB (und somit Ackermann) in vielen dubiosen Geschäftsfeldern und kaum legalen Machenschaften die Finger drin. Ganz am Rande wurde und wird erwähnt das die DB die CDS und Schrottpapiere, die die Bankenkreise ausgelöst haben, im europäischen Raum und hauptsächlich bei deutschen Banken erst hoffähig gemacht hat. Und es ist viel Steuergeld zuerst an die DB zurückgeflossen, weil fast alle deutsche Banken über die DB geordert hatten, und sich bei der DB verschuldeten.
    Jetzt ist klar das HR Ackermann ganz offensichtlich die Interessen der Bilderberger vertritt, dort sitzt er schließlich im Steuerungsausschuss, und bekleidet in dieser Position den 12. Rang in der Führungsliga. Es ist bezeichnend für diesen Verein, dass man Schwarz solange als Blau bezeichnet, bis es jeder glaubt. Leider berichtet keine der deutschen Medien darüber, und wenn man die Besucherlisten der BB liest, weis man auch warum. Wenn hier nicht echte Aufklärung betrieben wird, barbieren die uns über diese Krise in eine Totale gleichgemachte und gleichgeschaltete Union von Melkkühen.

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