FMS Wertmanagement
Bad-Bank-Chef schiebt Eurokrise schwarzen Peter zu

Die Bad Bank der Hypo Real Estate schreibt Verluste von fast zehn Milliarden Euro. Schuld sei die Eurokrise, sagt FMS-Chef Bluhm. Und auch Ex-HRE-Vorstandschef Georg Funke sucht die Schuld für das Desaster bei anderen.
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München/MallorcaDie Bad Bank des verstaatlichten Immobilienfinanzierers HRE hat 2011 knapp zehn Milliarden Euro Verlust gemacht und bekommt dieses Geld vom staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin wieder. Das Auffanginstitut FMS Wertmanagement, in das die Altlasten der Hypo Real Estate (HRE) ausgelagert wurden, wies für das erste volle Geschäftsjahr ein Minus von 9,97 Milliarden Euro aus. Davon werden 9,9 Milliarden vom Soffin ausgeglichen.

Vorstandssprecher Christian Bluhm sagte am Dienstag in München, wenn die Eurokrise gelöst werde, „kann die FMS 2012 unter Umständen ein ausgeglichenes Geschäftsergebnis erzielen. Wenn nicht, werden die Lasten bestehen bleiben. Der Ausgang dieser Eurokrise ist für uns absolut matchentscheidend.“

Wieviel Geld sein Institut künftig noch vom Soffin brauchen werde, wollte Bluhm nicht benennen. „Weil es einfach nicht seriös wäre, das mit einer Geldmenge zu beziffern.“ Im Portfolio gebe es Laufzeiten bis 2070, erläuterte Bluhm, der zugleich auch Finanz- und Risikochef ist. In den schuldengeplagten Ländern Italien und Spanien sei die FMS mit rund 30 Milliarden beziehungsweise über zehn Milliarden Euro engagiert.

Vom Dilemma samt Schuldenschnitt in Griechenland ist die Bad Bank besonders betroffen, weil sie in der deutschen Finanzbranche am stärksten dort engagiert ist. Allein die Risikovorsorge aus dem Griechenland-Engagement der FMS belief sich im vergangenen Jahr auf 8,9 Milliarden Euro. Gegen eine solche Größenordnung, die auf einen einzelnen Schuldner entfalle, „kann man im Grunde genommen gar nicht ankämpfen“, sagte Bluhm.

An dem Beinahe-Zusammenbruch der seit 2009 verstaatlichten Hypo Real Estate weist der frühere Vorstandschef Georg Funke weiter jede Schuld zurück. Es seien nicht seine Fehler gewesen, die die Schieflage der Bank ausgelöst hätten. „Eine Rufschädigung auf Basis falscher Anschuldigungen ist automatisch eine Situation, mit der man sich definitiv nicht einverstanden erklären kann und ich mich auch nicht einverstanden erkläre“, sagte Funke im Interview mit dem ZDF-Magazin „Frontal 21“.

Auch das große Engagement der HRE in Griechenland sei kein Fehler gewesen. „Aus der damaligen Sicht waren die Länder der Eurozone krisensicher“, sagte Funke dem Sender. „Ich glaube, dass eine Staatspleite Griechenlands aus damaligen Sicht nicht vorhersehbar war.“ Im Gegenteil, so etwas sei „unvorstellbar gewesen“. Darüber hinaus habe die HRE stets Risiken benannt, wie jede andere Bank das auch gemacht habe. „In allen Veröffentlichungen haben wir jeweils immer darauf hingewiesen, dass entweder keine Marktverwerfungen zusätzlich kommen dürfen oder auf sonstige Risikofaktoren hingewiesen“, sagte der auf Mallorca lebende Ex-Vorstandschef.

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„Unser Portfolio ist anfällig für Schnupfen“

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  • "Aus der damaligen Sicht waren die Länder der Eurozone krisensicher". Tja, wenn das mal nicht geschwindelt ist: Schließlich ist es der EU-KOM spätestens 2003 aufgefallen, dass GR seine Zahlen nicht nur geschönt, sondern schlicht gefälscht hatte. Und im Nachgang war der Niedergang der griechischen Volkswirtschaft für jeden nachvollziehbar. Gleiches gilt für die Immobilienblase in Spanien und die finanzpolitische Unfähigkeit der Berlusconi-Regierung in Italien. Das schlimmste ist jedoch, dass der Rendite-Abstand von Anleihen aus GR, IT und ES zu Bundesanleihen bis zur Lehman-Pleite nur minimal war. Die deutschen Banken haben damit für überproportional hohe Risiken nur minimale Renditevorteile erhalten. DAS ist schlechtes Wirtschaften und würde allemal die Zerschlagung dieser Kraken rechtfertigen.

  • Funke und die HRE
    Milliardenrechnung an die Steuerzahler
    =======================================
    Zitat:
    Vor der Bankenkrise kannte die Hypo Real Estate (HRE) kaum jemand. Doch 2008 musste der Staat die Bank vor der Pleite retten. Mit über 100 Milliarden Euro stützen die Deutschen die HRE. Damals ging es um Bürgschaften, jetzt geht es um echtes Geld. Denn die Steuerzahler bekommen die erste dicke Rechnung präsentiert. Derweil meldet sich der ehemalige Chef der HRE, Georg Funke, von seinem Domizil auf Mallorca zurück. Er sieht sich als Opfer des ehemaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), fordert 3,5 Millionen Abfindung und eine Monatsrente von 47.000 Euro.
    Zitat Ende:
    Quelle: ZDF

    Man braucht sich nur das Video mit Georg Funke anzusehen, dann erkennt man seine Hybris.
    http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/Frontal-21/2942216/23283590/8f3d83/Funke-und-die-HRE.html

  • IKB 500 Mrd- HRE 10 MRD- haben politiker nicht erklärt wie gestärkt die banken aus der Krise kamen? haben sie nicht die Stresstests bestanden? hat der Bankenverband nicht davon gesprochen, dass alles OK sei? und nun???

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