Forderung nach höheren Ausschüttungen
„Sparkassenschreck“ setzt Kreditinstitute unter Druck

Der 71-jährige Rainer Gottwald setzt die bayerischen Sparkassen mächtig unter Druck. Er fordert eine höhere Ausschüttung und versucht, Lokalpolitiker in ganz Bayern davon zu überzeugen. Das Thema sorgt für Furore.
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Landsberg am LechAm liebsten ist es Rainer Gottwald, wenn es regnet. Dann ist klar: Der Waldspaziergang fällt aus, stattdessen Zeit fürs Büro, vormittags im Arbeitszimmer, abends am Esstisch – mit Blick in den Garten. Zeit für Gottwald, sich in die Welt der Sparkassen zu vertiefen. Genauer: in die Zahlen der rund 70 bayrischen Sparkassen, in die Jahres- und Offenlegungsberichte.

Die kennt Gottwald inzwischen ziemlich genau. Der 71-Jährige frühere Controller aus Landsberg am Lech hat eine Leidenschaft entwickelt: das Geld der Sparkassen. Er will, dass die Sparkassen mehr oder überhaupt Geld an die Kommunen, ihre Träger und somit Quasi-Eigentümer, ausschütten. Denn das haben zuletzt nur fünf von 70 Sparkassen im Freistaat getan. Dabei könnten sie das durchaus, wie Gottwald meint.

„Die Sparkassen schwimmen im Geld, und in vielen Kommunen ist vieles marode“, sagt der Landsberger mit den weißen Haaren und den markanten schwarzen Augenbrauen. Auch Landsberg geriet vor ein paar Jahren in Probleme – durch Derivategeschäfte. Der Fall der 28.000-Einwohner-Stadt schaffte es 2012 sogar ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler. Einen hohen Schuldenberg hatte sie aufgetürmt. Es war das erste Mal, dass Gottwald sich mit den Finanzen der Kommune beschäftigte, als „Lokalpatriot“, wie er sagt. Sein Vorschlag damals: Kurzarbeit für die Angestellten im öffentlichen Dienst.

Sein Vorwurf heute: Die Sparkassen horten Milliarden an Eigenkapital, viel mehr, als sie eigentlich – selbst in Krisenzeiten – bräuchten. Das Geld haben die Institute in vielen Jahren angehäuft, indem sie Teile ihres Gewinns ins Eigenkapital schoben.

Genau diese Argumente hat Gottwald an 2000 Gemeinden, Landräte und Oberbürgermeister in ganz Bayern verschickt. Das Ergebnis fiel bisher zwar mager aus. So hat bisher hat kein Kommunalparlament, deren Vertreter auch im Verwaltungsrat der Sparkassen sitzen, dafür gestimmt, dass die örtliche Sparkasse neuerdings ausschüttet. Aber für Furore hat Gottwald längst gesorgt.

Etliche bayrische Lokalzeitungen haben die Ausschüttungsfrage aufgegriffen, ein Fotograf war da, der sonst auch schon mal Topsportler und Unternehmenschefs porträtiert, das Fernsehen hat Gottwald bereits mehrfach besucht. Die „Süddeutsche Zeitung“ nannte ihn „Sparkassenschreck“ – und damit kann Gottwald ganz gut leben. „Das passt“, sagt er und lacht. Schließlich „gucken die Mitarbeiter schon komisch“, wenn er seine Sparkassen-Filiale in Landsberg besucht. Da ist er nämlich immer noch Kunde.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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  • Ach ja, die Stadt Landsberg macht undurchsichtige Derivategeschäfte mit dem Bankhaus Hauff & Aufhäuser, zahlt damit kräftig drauf und die Sparkasse soll über Ausschüttungen den Schaden ersetzten. Lieber mal den Bürgermeister und Kämmerer zur Verantwortung ziehen, die solche Geschäfte anscheinend ohne Kenntnis von "Derivaten" abgeschlossen haben.

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