Französische Großbank
Crédit Agricole erleidet Gewinneinbruch

Die Griechenland-Tochter belastet im zweiten Quartal das Geschäft der Crédit Agricole. Die Großbank muss einen Gewinneinbruch um 67 Prozent hinnehmen. Die Franzosen wollen die Tochter losschlagen – bislang erfolglos.
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ParisDie französische Großbank Credit Agricole holt sich weitere Blessuren durch die Euro-Krise. Wegen hoher Belastungen in schuldengeplagten südeuropäischen Ländern gingen Gewinn und Einnahmen im zweiten Quartal deutlich zurück, wie das Geldhaus am Dienstag mitteilte. Die drittgrößte Bank Frankreichs hat sich längst von ihren großen Expansionsplänen verabschiedet und will sich wieder auf ihre Wurzeln besinnen, das heimische Privatkundengeschäft. Dazu gehört der Verkauf ausländischer Beteiligungen, etwa der griechischen Tochter Emporiki, die auf den Gewinn drücken.

Auf das Griechenland-Geschäft verbuchte Credit Agricole den Angaben nach eine Abschreibung über 370 Millionen Euro. Das Abschmelzen der Beteiligung an dem italienischen Geldhaus Intesa Sanpaolo auf unter zwei von fünf Prozent belastete Credit mit rund 427 Millionen Euro. Der Nettogewinn brach daher im vergangenen Quartal um 67 Prozent auf 111 Millionen Euro ein. Die Einnahmen gingen um 14 Prozent zurück auf 4,75 Milliarden Euro. Das internationale Privatkundengeschäft wies einen Verlust von 271 Millionen Euro aus. Bei der italienischen Sparte Cariparma sollen bis Ende 2014 etwa 400 Stellen wegfallen. Nach Einschätzung von Experten fiel das Konzernergebnis allerdings besser aus als erwartet. Die Aktien von Credit Agricole notierten gegen den Markttrend in Paris etwas fester.

Credit Agricole, zu 56 Prozent in der Hand regionaler Genossenschaftsbanken, hatte Anfang August angekündigt, das Griechenlandgeschäft zu verkaufen. Nun teilte die Bank mit, die Diskussionen mit den griechischen Behörden sowie der EU-Kommission dazu liefen noch. Es würden derzeit noch keine vertieften Gespräche mit einem Interessenten geführt. Bieter sind die griechischen Institute National Bank, Eurobank sowie die Alpha Bank.

Credit-Agricole-Chef Jean-Paul Chifflet sagte, eine Einigung mit einer der drei Banken sei "eine Frage von Wochen". Vorstellbar sei, dass Credit nach einer Vereinbarung noch maximal zehn Prozent an Emporiki halte. Der Verkauf wird Credit Agricole voraussichtlich einiges kosten, denn der staatliche griechische Bankenrettungsfonds besteht darauf, dass die Bank nur mit ausreichend Kapital ausgestattet und voll refinanziert in neue Hände wechseln darf. Der Rettungsfonds ist durch Kapitalspritzen Großaktionär sowohl bei Emporiki als auch bei den drei Bietern geworden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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