Fünf Fragen an: Andrew Smith: KPMG: „Wir stehen vor einer längeren Krise“

Fünf Fragen an: Andrew Smith
KPMG: „Wir stehen vor einer längeren Krise“

Weltweit erschüttert die Finanzkrise die Wirtschaft. Auch wenn etliche Fachleute an eine Beruhigung der Märkte glauben, warnt Andrew Smith, Chefvolkswirt der Beratungsgesellschaft KPMG, im Handelsblatt-Interview vor einer langanhaltenden Krise. Um eine lähmende Deflation zu vermeiden, seien unkonventionelle Maßnahmen nötig.

Handelsblatt: Wie schlimm wird es für die britische Wirtschaft kommen?

Andrew Smith: Bislang geht die Regierung noch von einer kurzen Rezession aus, aber ich fürchte, dass wir es mit einer längeren Krise zu tun haben. Die Verwerfungen an den Kapitalmärkten haben bereits sehr viel Wohlstand zerstört, und es wird noch eine ziemliche Zeit dauern, bis dieser Schock verarbeitet ist.

Wie groß ist das Risiko, dass die Rezession sogar in eine lähmende Deflation umschlägt?

Man kann das nicht mehr ausschließen. Eine längere Phase fallender Verbraucherpreise wäre aber eine schlechte Nachricht für die britische Wirtschaft. Die Folge könnte eine Abwärtsspirale sein, aus der es schwierig wird auszubrechen.

Der britischen Notenbank scheint allmählich die konventionelle Munition im Kampf gegen die Krise auszugehen. Nachdem sie die Zinsen im Eiltempo von fünf auf 1,5 Prozent gesenkt hat, könnte der Leitsatz schon bald in die Nähe der Null-Prozent-Marke fallen.

Ja, wir werden noch mehr Zinssenkungen sehen, und es würde mich nicht wundern, wenn die Währungshüter auch zu unkonventionelleren Maßnahmen greifen würden, um die Kreditklemme in den Griff zu bekommen.

Diskutiert wird derzeit vor allem das sogenannte "Quantitative Easing", bei dem die Notenbank, vereinfacht ausgedrückt, frisches Geld druckt.

So etwas ist nicht ausgeschlossen. Man kann sich aber auch andere Maßnahmen vorstellen. So könnte die Notenbank beispielsweise ankündigen, dass die Leitsätze auf absehbare Zeit sehr niedrig bleiben werden, um damit die langfristigen Erwartungen und die langfristigen Zinsen zu stabilisieren.

In den USA verleiht die Zentralbank mittlerweile durch den Ankauf von Anleihen mehr oder weniger direkt Geld an den Unternehmenssektor. Wäre das ein Modell für Großbritannien?

Ich glaube, dass es in der aktuellen Lage leichtfertig wäre, irgendwelche Maßnahmen auszuschließen. Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Mittel.

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