Fünf Jahre Lehman-Pleite (Teil 1)
„Ich will nicht mehr zurück“

Acht Jahre war Karen von Ruffer Hills bei Lehman Brothers und hielt dort unter anderem deutsche Geldgeber bei Laune. Nach der Pleite der Zockerbude stand die Bankerin vor dem Nichts – bis zu einer rettenden Begegnung.
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New YorkWenn Karen von Ruffer Hills auf „jenen Tag“ zu sprechen kommt, verdüstert sich für einen Moment ihr Blick. „Es war beängstigend“, sagt sie. Morgens zur Arbeit zu fahren nach Midtown Manhattan, ohne zu wissen, ob man überhaupt noch einen Job hat. Vor der Tür Fernsehkameras, gerichtet auf nunmehr Ex-Kollegen, die ihre Habseligkeiten in Pappkartons ins Nichts hinaustragen. „Ich hätte nie gedacht, dass es so enden würde, wie es endete“, sagt die 42-Jährige.

„Jener Tag“, das ist der 15. September 2008, als die glitzernde Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmeldete. Der „Schwarze Montag“ der Wall Street, als in der Folge die weltweite Finanzbranche um ein Haar kollabiert wäre, als in Banken, Börsen und Regierungszentralen nur noch Panik herrschte. Von Ruffer Hills, damals Mitte 30 und im mittleren Management bei Lehman, erlebte die Tumulte direkt im Zentrum, im Lehman-Wolkenkratzer nahe des Times Square. „Wir konnten nur zu unseren Schreibtischen gehen und abwarten, was passiert“, sagt sie. Doch zu arbeiten gab es ja eigentlich nichts mehr.

Fünf Jahre nach der Katastrophe sitzt Von Ruffer Hills in einem Café an der Upper West Side in Manhattan und ist bestens gelaunt. Draußen brennt die August-Sonne auf den nahen Broadway, drinnen beißt die 42-Jährige in ein Croissant und sagt mit einem Lächeln: „Wahnsinn, dass das jetzt schon wieder so lange her ist“.

Für die Frau mit den langen blonden Haaren ist die Lehman-Pleite eine traurige und fröhliche Geschichte zugleich. Erst kamen Jobverlust, Ungewissheit und Geldprobleme, doch dann fing sie noch einmal ganz von vorne an. Mit Francis Hills, einem New Yorker Promifotografen, gründete sie das Porträtstudio Figjam Portraiture, das schon bald „abhob“. Figjam ist ein eher unbescheidener Firmenname: Das Wort ist eine Abkürzung und Slang für „F*ck I’m good, just ask me“ – „Verdammt ich bin gut, frag‘ einfach mich“.

Wie auch die Finanzwelt ein Vor-Lehman und ein Nach-Lehman kennt, hat auch Van Ruffer Hills zwei Lebenswege. Der erste endete am 15. September 2008, der andere begann am 15. September 2008.
Davor, sagt sie, hätte sie sich nicht träumen lassen, tatsächlich einmal etwas anderes zu machen als für eine Bank zu arbeiten. Von Ruffer Hills, die deutsche Eltern hat und in den USA aufwuchs, war Bankerin durch und durch. Nach dem Politik-Studium war sie erst drei Jahre lang in der US-Zentrale der Hypo-Vereinsbank, ab dem Jahr 2000 dann bei Lehman – damals eine der begehrtesten Top-Adressen der Wall Street. Ihr Titel: Vice President und Senior Relationship Manager.

Kommentare zu " Fünf Jahre Lehman-Pleite (Teil 1): „Ich will nicht mehr zurück“"

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  • "Relativ wenige Produkte waren wirklich bedenklich, hier haben einige Prüfungsinstanzen versagt, sowohl staatliche, als auch die der Banken"

    Bedenklich erscheint vor allem die Blauäugigkeit, mit welcher die offensichtlichen Fakten einfach verdrängt werden.

    Ein einziger Blick auf das US- oder UK- Zwillingsdefizit zeigt doch jedem der auf drei zählen kann sofort auf, daß hier auf allerhöchstem Niveau beschissen wird.

    Tripple A für die einen - mieses Rating für die anderen.
    Die einzigen, die dort nicht verschuldet sind, sind eine Hand voll Milliardäre.
    Staat, Land, Städte, Bürger: total bankrott, und selbst mit billiger Energie kaum wettbewerbsfähig.
    ... aber laufend neue Schuldzettel mit AAA an die Bürger und Institutionen der Exportnationen verkaufen.

    Die deutschen Exportüberschüsse seit 1950 sind bei 3% Inflationsausgleich mittlerweile auf ca 4,3 Billionen Euro angewachsen.

  • Zustimmung. Viele Probleme bei geschlossenen Fonds sind erst durch die Banken (durch unqualifizierten Vertrieb)und durch fehlende Anschlussfinanzierungen auch bei wirtschaftlich gut laufenden Fonds entstanden. Die Landesbanken (insbes. die LBBW)sanieren sich auf Kosten der z.T. jahrzehntelangen Kunden.

  • Bedenklich scheint mir vor allem die unzureichende Bildung vieler Kommentatoren zu sein, die nicht den blassesten Schimmer haben, wo welche Kompetenzen erwartet werden können und sinnvoll sind.
    Das erklärt natürlich auch die leichtsinnige Akzeptanz der fragwürdigen Produkte.
    In einer arbeitsteiligen Welt müssen Vertriebler darauf vertrauen können, das Produkte ihre zugesicherten Eigenschaften einhalten. Das muss ein Autoverkäufer auch, er kann auch nicht wirklich überprüfen, ob die dargestellte Motorleistung vielleicht einen konstruktionsbedingten Haken hat und Ingenieure faule Produkte zusammenkonstruieren.
    Bezüglich der eigentlichen Finanzkrise trägt der Vertrieb hier eher wenig Verantwortung.
    Anders sieht es bei manchen Produkten aus, deren ausgewiesene d.h. prospektierten Werte schon bedenklich waren. hier trägt der Vertrieb eine Mitverantwortung.
    Etwa bei geschlossenen Beteiligungen. Allerdings wird auch hier pauschal verurteilt, ohne das das häufig wirklich gerechtfertigt wäre.
    Geschlosssene Beteiligungen sind und waren immer "unternehmerische Beteiligungen" die Risiken wurden nur bei einem verhältnismäßig kleinen Teil der Produkte kleingeredet. Und nur ein Teil der Produkte waren faul. In Deutschland vor allem Produkte der Landesbank Berlin die mit staatlicher Unterstützung Anlegerbetrug im großen Stil betrieb, dem auch der Vertrieb zum Opfer viel.
    Viele seriöse Produkte gingen durch die drastische Wirkung der Finanzkrise erst in die Knie, z.B. viele Schiffsbeteiligungen, die ohne diese Krise problemlos ausgelaufen wären.
    Relativ wenige Produkte waren wirklich bedenklich, hier haben einige Prüfungsinstanzen versagt, sowohl staatliche, als auch die der Banken und bei einigen Offenichtlichen auch der Vertrieb.

    H.

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