Funke-Prozess Englische Wortklauberei

Im Prozess gegen die beiden ehemaligen HRE-Vorstände Georg Funke und Markus Fell sagte am Mittwoch einer der verantwortlichen Wirtschaftsprüfer von KPMG aus. Am Ende lief es mal wieder für die beiden Angeklagten.
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Der ehemalige Chef der Hypo Real Estate AG, Georg Funke (l.), mit seinem Anwalt Wolfgang Kreuzer im Gerichtssaal. Quelle: AP
Georg Funke

Der ehemalige Chef der Hypo Real Estate AG, Georg Funke (l.), mit seinem Anwalt Wolfgang Kreuzer im Gerichtssaal.

(Foto: AP)

MünchenDas mediale Interesse liegt am Mittwoch eindeutig woanders. Dutzende von Journalisten und Fernsehteams drängen sich im Justizgebäude in Münchens Nymphenburger Straße, geht doch der Prozesse gegen die Rechtsextremistin Beate Zschäpe wohl in die entscheidende Phase. Von Georg Funke und Markus Fell, den beiden ehemaligen Vorständen der vom Staat geretteten Hypo Real Estate (HRE), nimmt an diesem Tag bei Gang durch die Menge kaum jemand Notiz. Der 13. Prozesstag in der Aufarbeitung der Vorgänge bei einst größten europäischen Immobilienfinanzierer soll besonders viel Licht in die Vorgänge vor knapp einem Jahrzehnt bringen.

Knapp zehn Milliarden Euro kostete den Steuerzahler am Ende die Rettung durch den Bund. Seit März wird verhandelt, inzwischen nähert man sich in der Beweisaufnahme auch dem harten Kern der Anklage. Unrichtige Darstellung der Finanzlage in den Geschäftsberichten für 2007 und für das Halbjahr 2008 lauten die beiden Vorwürfe, die aus einer einstigen Vielzahl bis zum Prozessbeginn übrig geblieben waren. Finanzvorstand Markus Fell muss sich zudem gegen den Vorwurf der falschen Darstellung bei einer Investorenkonferenz im Herbst 2008 verantworten.

So viel mussten Banken für ihre Fehler hinblättern
Deutsche Bank – 202 Millionen Dollar
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Mai 2012: Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro
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Dezember 2013: Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Rabobank – 774 Millionen Euro
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Oktober 2013: Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund
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August 2013: Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Commerzbank – 1,45 Milliarden Dollar
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März 2015: Die Commerzbank muss wegen des Streits mit US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar. Die USA warfen der Commerzbank vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

UBS – 1,5 Milliarden Dollar
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Dezember 2012: Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar
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April 2015: Die Deutsche Bank muss im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro) in Großbritannien zahlen.

Dazu hat das Gericht für den Mittwoch einen der einst hauptverantwortlichen Wirtschaftsprüfer der Hypo Real Estate geladen. Weit über fünf Stunden steht Holger Techet von KPMG den drei Richterinnen Rede und Antwort. Hatte die Prüfungsgesellschaft, die zu dieser Zeit mit rund hundert Mitarbeitern beim damaligen Dax-Konzern Hypo Real Estate im Einsatz war und dafür ein Jahreshonorar im mittleren einstelligen Millionenbereich kassierte, tatsächlich die spätere Schieflage schon frühzeitig erkannt und vehement darauf hingewiesen, soll geklärt werden. Akribisch werden die Protokolle aus den Treffen der Prüfer mit Vorstand und Aufsichtsrat in den Wochen im März und im August 2008 durchgekaut.

Wie eine Zeitreise wirken die Ausführungen des Prüfers auf die Zuhörer dazu. Die Kreditportfolios und die Risiken daraus waren einer der Schwerpunkte im Geschäftsbericht für 2007, erklärt Holger Techet. Zudem die Rolle der strukturierten Produkte sowie die Integration des irischen Staatsfinanzierers Depfa. Wurde der mit seiner Bilanzsumme von rund 240 Milliarden Euro kurz vorher erst von der HRE übernommen. Die brachte es lediglich auf 160 Milliarden Euro.

Viel wurde gesprochen damals über die Liquiditätslage, erinnert sich der Prüfer, mussten doch zwischen 50 und 80 Milliarden Euro pro Monat am Markt refinanziert werden. Dass das zunehmend schwieriger werden könnte angesichts der aus den USA in den Rest der Welt ziehenden Subprime-Krise, war eines der Kernthemen zu der Zeit. Zumal prominente europäische Bankenvertreter ab Februar 2008 mit Aussagen in die Öffentlichkeit gingen, dass Probleme auch hier durchaus möglich sein könnten.

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