Fusion in Frankreich Neuer Bankenriese geboren

In Frankreich ist ein neuer Bankenriese entstanden. Sein Name: BPCE. Alle zuständigen Aufsichtsbehörden haben der Gründung der genossenschaftlichen Spitzenholding zugestimmt. „Die Fusion der Sparkassen und der Banques Populaires ist geschafft“, freute sich François Pérol, der die neue Bankengruppe leitet, am Donnerstag in Paris.

PARIS. BPCE ist nach Crédit Agricole die Nummer zwei im französischen Retailmarkt. BPCE steht für Banque Populaire und Caisse d'Epargne (Sparkassen). Das sind die beiden Spitzeninstitute der französischen Genossen, die jeweils 40 Prozent an der Holding halten. 20 Prozent liegen beim Staat, der dem neuen Ensemble stolze sieben Mrd. Euro Mitgift spendierte. Anders als in Deutschland sind die Sparkassen in Frankreich keine öffentlich-rechtliche Bankengruppe sondern genossenschaftlich organisiert.

Für den BPCE-Chef Pérol fängt die Arbeit jetzt allerdings erst an: Denn die neue Holding hat kaum Möglichkeiten ins operative Geschäft einzugreifen. Allenfalls das sogenannte Backoffice soll zusammengelegt werden, um Kosten zu sparen. Auch für die Refinanzierung ist BPCE zuständig.

Es ist also noch ein weiter Weg aus dem formalen Zusammenschluss eine schlagkräftige Bankengruppe zu schmieden. So bleiben die Filialnetze der beiden Bankengruppen unabhängig und jagen sich weiterhin die Kunden ab. BPCE darf hier allenfalls koordinierend eingreifen. Auch bei den Produkten wird es für die Kunden kaum Veränderungen geben. Beispiel Versicherungen: Die Sparkassen arbeiten weiter mit dem Marktführer für Lebensversicherungen CNP zusammen, der ihnen zu 17 Prozent gehört. Dagegen vertreiben die Filialen der Banque Populaire die Produkte der Natixis Assurance, einer Filiale der eigenen Großkundenbank Natixis.

Die Spitzeninstitute besitzen zudem noch eine ganze Reihe verschiedener Produktzulieferer, etwa im Bereich Immobilienfinanzierung; sie werden zunächst nicht auf die BPCE übertragen – beide Lager konnten sich nicht auf die Bewertungen einigen. Nun will Pérol eine strategische Prüfung durchführen und festlegen, welche Töchter der alten Spitzeninstitute in den Besitz der neuen Holding gehen sollen, und welche verkauft werden.

Die größte Baustelle bleibt für die neue Bankengruppe ihre Investmentbank Natixis, die im ersten Quartal erneut 1,8 Mrd. Euro verbrannte. Die Verluste führten dazu, dass der Staat sich in die Genossenfusion einmischte und mit sieben Mrd. Euro frischem Kapital die Banken-Gruppe stützte.

Pérol will nun das Risikoprofil von Natixis weiter senken und schließt nicht aus, dass der Geschäftsumfang sich ändert; im Klartext – eine Zerschlagung der Bank ist nicht ausgeschlossen. Natixis sitzt auf einem Berg von 37 Mrd. Euro toxischer Wertpapiere, die in eine Art interner Bad-Bank eingebracht wurden. Niemand weiß derzeit zu sagen, wie hoch künftige Wertkorrekturen auf dieses Giftmüll-Portfolio noch sein könnten.

Auf Dauer stellt sich die Frage der Kapitalstruktur der BPCE. Denn der Staat dürfte nicht ewig 20 Prozent halten wollen. Doch solange Natixis weiter Verluste anhäuft, dürfte es illusorisch sein, die Staatshilfen zurückzuzahlen.

Und Bank-Chef Pérol selbst hat ein Damoklesschwert über sich hängen: Nach zwei Strafanzeigen ermittelt die Justiz, ob der Ex-Sarkozy-Berater überhaupt Chef der Bank werden durfte.

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