Fusion mit Euronext: Francioni stößt Börsen-Aufsichtsrat vor den Kopf

Fusion mit Euronext
Francioni stößt Börsen-Aufsichtsrat vor den Kopf

Mit seinem Vorstoß zu einer Fusion der Deutschen Börse mit der Euronext hat sich der Chef des Frankfurter Börsenbetreibers, Reto Francioni, in die Nesseln gesetzt. Der Aufsichtsrat fühlt sich offenbar übergangen.

HB/ben FRANKFURT. „Dieses Thema ist im Aufsichtsrat nicht behandelt worden“, sagte ein Mitglied des Gremiums der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch in Frankfurt. „Herr Francioni ist dazu zu keinem Zeitpunkt vom Aufsichtsrat autorisiert worden. Er wird dazu auf der nächsten ordentlichen Aufsichtsratssitzung im März Stellung nehmen müssen“, fügte die Person hinzu.

Francioni hatte am Dienstag einen detaillierten Vorschlag für eine Fusion mit der Fünfländerbörse Euronext vor. „Im Jahr 2006 werden wir wichtige Weichen stellen und wesentliche Impulse für die Deutsche Börse geben“, erklärte er. Damit reagiert er unter anderem auf dem Druck der Hedge-Fonds, die seinen Vorgänger Werner Seifert wegen der geplanten Übernahme der Londoner Börse 2005 aus dem Amt gejagt und eine Fusion mit der Euronext befürwortet hatten. Ende vergangenen Jahres waren bereits Gespräche zwischen beiden Börsen über eine Fusion unter anderem an der Frage des Firmensitzes gescheitert.

Nach den Ideen Francionis soll nun Frankfurt Sitz der Hauptverwaltung werden, die Aktienmärkte würden in nationalen Trägergesellschaften organisiert. Damit nähert sich die Deutsche Börse bei ihren Expansionsbestrebungen dem Konzept der Fünfländerbörse Euronext. Auch wenn Paris das Machtzentrum ist, verfügen die Aktienhandelplätze in Amsterdam, Brüssel und Lissabon über ein gewisses Maß an Autonomie.

Bei den Abrechnungs- und Abwicklungsdienstleistungen (Clearing und Settlement), einer lange als unantastbar geltenden Kernkompetenz der Börse, deutet Francioni nun Kompromissbereitschaft an. Während er den Wert der Abwicklung und der Wertpapierverwahrung für die Kunden im Konzern erneut verteidigt, zeigt er eine Kompromisslinie bei der Abrechnung auf. Der pragmatische Ansatz der Deutschen Börse schließe ein, dass sie sich an einer Diskussion über die verschiedenen Formate eines einheitlichen europäischen Clearinghauses für Aktien beteilige. Ein solcher Schritt könnte im Zuge eines Zusammenschlusses von Deutscher Börse und Euronext ein weiterer Beitrag zur Schaffung einer europaweiten Handels- und Clearinginfrastruktur sein, heißt es in dem Konzept. Offen lässt die Börse die Zukunft der Derivatebörsen beider Unternehmen. Bislang rechnet man damit, das bei einer Fusion eine der beiden verkauft werden muss.

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