Fusionspläne von WestLB und BayernLB: „Aus zwei Blinden wird nicht automatisch ein Sehender“

Fusionspläne von WestLB und BayernLB
„Aus zwei Blinden wird nicht automatisch ein Sehender“

Friedrich Merz hat Bewegung in die Konsolidierung der Landesbanken gebracht: Die angeschlagene WestLB prüft eine Fusion mit der ebenfalls angeschlagenen BayernLB. Doch nach der ersten Euphorie melden sich nun die Kritiker. Selbst die EU ist skeptisch.
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FRANKFURT/BERLIN. Kaum ist die Nachricht über die Fusionspläne auf dem Markt, melden sich die ersten kritischen Stimmen. So stoßen die Gespräche zwischen WestLB und BayernLB ausgerechnet bei der EU-Kommission auf Zurückhaltung – die doch Bewegung bei der Konsolidierung gefordert hatte.

Die Erklärung der Behörde klingt auf den ersten Blick harmlos, aber sie wirkt bei den Beteiligten wie ein Nackenschlag: "Angesichts dessen, dass sich beide Banken in einem Restrukturierungsprozess befinden, mag eine Fusion nicht automatisch in der Wiederherstellung ihrer langfristigen Lebensfähigkeit resultieren." Die Kommission ist nicht nur für die Genehmigung einer Fusion zuständig, sondern untersucht auch derzeit die Restrukturierung beider von der Finanzkrise schwer getroffenen Landesbanken.

Insider werden noch deutlicher: "Aus zwei Blinden wird nicht automatisch ein Sehender", sagte ein mit den Verhandlungen vertrauter Manager, der noch bevor die Gespräche bekannt wurden, im kleinen Kreis Bedenken angemeldet hatte. Die Zweifel bleiben, ob zwei finanziell schwer angeschlagene Institute gemeinsam lebensfähig sind.

Zu den Skeptikern einer Fusion der beiden Landesbanken gehören auch unabhängige Experten. Banken-Professor Klaus Fleischer von der Hochschule München wertet die Fusionsgespräche grundsätzlich als Schritt in die richtige Richtung. Allerdings sei die Wahl der beiden Partner nur schwer nachzuvollziehen: "Zu unterschiedlich ist der Status der Kulturen, der Kunden und der Prozesse - beispielsweise was die Realisierung einer Bad Bank anbelangt." Sinnvoller wäre nach seiner Einschätzung ein Zusammenschluss von BayernLB und LBBW zu einer Südbank. Ein solches Institut sei nach der Fusion "sicherlich in der Lage, weitere Übernahmen und somit endlich die längst überfällige grundlegende Strukturbereinigung zu stemmen", sagte Fleischer. Der Prozess hat gerade erst begonnen.

Dabei sind die Hoffnungen groß. Geht es doch um nicht weniger, als um die Geburt einer neuen Staatsbank.

Die Geburtshelfer sind die Bankenregulierer in Basel, die schonungslos offengelegt haben, dass es für einige Banken in Deutschland kein "Weiter so" mehr geben kann. Auch die Wettbewerbskommission in Brüssel, die der WestLB ein Ultimatum bis 2011 gestellt hat, bis zu dem sie verkauft sein muss, ist ebenfalls nicht ganz unschuldig an den Ereignissen. Zumal es nicht beim Ultimatum blieb. Friedrich Merz, ehemaliger Chef der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, soll als "Veräußerungsbevollmächtigter" im Auftrag des Bankenrettungsfonds für die Einhaltung dieses Ultimatums sorgen.

Bei Erfolg entstünde ein Schwergewicht in der deutschen Bankenlandschaft, das mit einer Bilanzsumme von 592 Mrd. Euro nach der Deutschen Bank und der Commerzbank auf Rang drei rangieren würde. Eigentümer wäre vor allem der Steuerzahler: Die BayernLB gehört zu mehr als 90 Prozent dem Freistaat. Bei der WestLB ist der Bund mit einer Einlage von mehr als drei Milliarden Euro eingestiegen, das Land ist mit fast 50 Prozent beteiligt.

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  • Den Artikel über "die grausamen Methoden der Fleischindustrie kann ich nur begrüßen. Es ist gut, dass Sie das publik machen, denn die bevölkerung muss viel mehr sensibilisiert werden und der Druck auf unsere Regierung, damit endlich Abhilfe geschaffen wird, muss wachsen. Vielen Dank und freundliche Grüße
    Karla Reiss-Meyer

  • Wenn´s des eine nit kenne, kenne´s andere a net!
    Das eine ist das bankgeschäft, das Zweite die Spekulation. Um sich als Drittes als Fusionäre zu gebähren fehlts "Schmalz" an der richtigen Stelle.
    Fragt´s den Stoiber!
    in der kommenden Generation, so in 20 Jahren, wird beim begriff "bad bank" die volle Wucht der Semantik zum Fluch.

  • Als Steuerzahler liegt es mir besonders am Herzen, dass diese Staatsbanken aufhören, als Stopfgänse Derivate und "strukturierte Wertpapiere" anzukaufen, an denen die großen Raddreher in London und Übersee ihre Provisionen verdienen. Das schien bislang - nach dem, was über die Presse nach außen dringt - ihr hauptsächliches oder nahezu einziges Geschäftsmodell gewesen zu sein, und meine Zweifel bleiben, ob sich daran etwas geändert hat.

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