Fußball-Sponsoring
Die Liga der Versicherer

Am Freitag startet die Bundesliga in die neue Saison. Unter den Sponsoren ist eine Branche klarer Spitzenreiter: die Versicherer. Große wie kleine Firmen investieren Millionen – um ihr dröges Produkt emotional aufzuladen.
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MünchenDie Szenerie wird sich auch am Freitag ab 22.30 Uhr hundertfach wiederholen: Dann ist in München die Auftakt-Partie der neuen Bundesliga-Saison zwischen dem FC Bayern München und Bayer Leverkusen abgepfiffen und 75.000 Fans strömen aus dem Stadion. Hunderte werden den Blick auf dem Weg zum Auto noch einmal wenden und ein Bild des hell erleuchteten Stadions schießen. Der Schriftzug „Allianz Arena“ ist dabei zwangsläufig nicht zu übersehen.

Fußball ist in Deutschland schon lange ein Massenphänomen. Moderne Stadien, beste Stimmung und letztlich guter Sport ziehen ab diesem Wochenende wieder Hundertausende zu den Spielen. Mit dabei sind aber nicht nur Fans, sondern auch die Versicherer. Wie keine andere Branche sponsern große wie kleine Player aus der Assekuranz inzwischen die Vereine.

Wird irgendwo eine Trikotbrust oder ein Stadionname frei, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dort der Name einer Versicherung auftaucht. 15 der 18 Vereine haben inzwischen Sponsoren aus der Versicherungsbranche. Nur RB Leipzig, Mainz 05 und der VfB Stuttgart sind ohne Assekuranz-Unterstützung. Wobei bei letzterem der Hauptsponsor Mercedes-Benz-Bank natürlich auch mit dem Thema Versicherungen zu tun hat. Und bei Mainz war lange Zeit der französische Kreditversicherer Coface Träger des Stadionnamens, ehe vor einem Jahr der nur wenige Kilometer entfernte Rüsselsheimer Autobauer Opel die Rechte übernahm.

Als Begründung für ihr Engagement geben die Assekuranzen dabei stets an, dass ihnen die Förderung des Sports besonders am Herzen liege. Das ist die offizielle Lesart. Insgeheim geben Vorstände und Werbeabteilungen aber auch gerne zu, dass es ihnen dabei vor allem darum geht, „die Marke emotional aufzuladen“. Oder, wie es ein Top-Manager einer großen deutschen Versicherung ausdrückt: „Eine Lebensversicherungs-Police hängt sich eben niemand in die Garage und steht jeden Tag bewundernd davor“. Es liegt somit in der Natur des Produktes, dass es die Versicherer hier zwangsläufig schwerer haben beim Kunden als beispielsweise die Autoindustrie.

Die Zeiten indes, in denen sich eine Versicherung bei einem Verein engagierte, weil der Chef Fan der Mannschaft war und als Statussymbol gerne eine Loge dort hatte, sind vorbei. Rein aus dem Bauch heraus steigt hier schon lange niemand mehr ein. Stattdessen sind ganze Mitarbeiterstäbe damit beschäftigt, vorher intensive Marktforschung über den Sinn eines solchen Engagements zu betreiben.

„Wesentliches Indiz dafür ist die Reichweite, die durch die Werbung auf dem Trikot, der Bande oder im Stadionnamen erzielt werden kann“, weiß Thomas Netzer, Seniorpartner bei McKinsey in Köln und Autor einer Studie über den Wirtschaftsfaktor Bundesliga. Das müsse zur Strategie des Unternehmens, beispielsweise zur geplanten Internationalisierung, passen.

Oder eben zur Wachstumsstrategie wie bei Bayer Leverkusen, dem Gastverein an diesem Freitag in München. Vor einem Jahr stieg dort der Wuppertaler Krankenversicherer Barmenia ein. 5,5 Millionen Euro zahlt das mittelgroße Unternehmen dafür pro Jahr, fast so viel wie die Allianz bei Bayern München.

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Kommentare zu " Fußball-Sponsoring: Die Liga der Versicherer"

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  • Schon interassant was hier so alles im HB zu lesen ist.

    Nur das Wesentliche steht hier nicht und wird auch nicht publiziert. Wedervon der Allianz oder anderen, wie grottenschlecht die zukünftigen Leistungen an ihre Versicherte demnächst sind.

    Die jetzt zukünftigen Versicherten (die sog. Babyboomer) werden von Deutschlands Versicherern mit rund 40 bis 50% weniger an Auszahklungen erhalten als einst ihr Versicherungsverteter ihnen vor 20,30 oder 40 jahren versprochen äh an Angebot unterbreitete.

    Ja, nicht 10 oder 20%, nein 40 bis 50%.

    Als Beispiel in Zahlen damit es nun auch jeder Depp versteht:

    Statt ehemals 100.000 Euro im Berechnugnsmodell werden nur noch 50.000 bis 60.000 Euro ausgezahlt.

    Okay! Altverträge bis 2005 -steuerfrei-.

    Wahnsinnige Lebensversicherungsrenditen.

    Für was braucht man die eigentlich noch?

    Es gibt weder Zinsen, noch zukünftig eine steuerfreie Auszahlung!

    Die Allianz scheint die meisten Blödis als Kunden zu haben.

  • Die großen Versicherungen haben schon immer sehr eng mit den Politikern
    zusammen gefuscht.
    Beste Zeiten waren die SPD-Schröderzeiten für die Versicherer. Siehe Renten- und Krankenversicherungen. Aus dem Wahlvolk waren kaum Reaktionen zu erkennen.
    Selbstständige und Beamte, sowie Politiker waren ja auch davon nicht betroffen, oder?

  • Ja, die Allianz gehört schon zu den großen Playern, die mit ihren Milliarden die Börsen und FOREX bewegen.

    Aber wie ich hier gerade gelesen habe, es geht dabei wohl noch etwas um Versicherungen.

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