Gastkommentar Manuel Theisen
Ackermanns Wille geschehe

Im Sinne der guten Unternehmensführung ist es ein Skandal, dass Josef Ackermann direkt vom Vorstandschef zum Chefaufseher werden soll, meint Corporate-Governance-Experte Manuel Theisen.
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Das Ergebnis überrascht keinen: Nach einem wochenlangen Königsdrama in ungezählten Akten gibt das Präsidium der Deutschen Bank durch seinen (noch) Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig bekannt, was der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann von Anfang an geplant hat und was allein sein Wille ist: Er bleibt der starke Mann der Deutschen Bank, bis Mai 2012 als Vorstandsvorsitzender und ab diesem Zeitpunkt als deren Aufsichtsratsvorsitzender.

So wenig ihn bisher gekümmert hat, wer unter ihm den Aufsichtsrat leitet, so wenig wird ihn kümmern, wer dereinst unter ihm den Vorstand spielen darf. Die Medien haben seine Gedankenwelt ja schon hinreichend trefflich aufgegriffen, wenn sie von der geplanten Doppelspitze ausnahmslos im Deminutiv sprechen, von "zwei halben Vorstandsvorsitzenden" oder den "Co-Vorsitzenden".

Besser also hätte es für Ackermann nicht laufen können, rechtzeitig hat er selbstlos verlauten lassen, er "lasse sich nochmals in die Pflicht nehmen" - um die ihm angemessene Dankbarkeit bereits im Vorfeld in allein ihm angemessenen Maße zu produzieren. Und hilfreich wie Arbeitnehmervertreter selten in deutschen Dax-Aufsichtsräten sind, hat die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, Karin Ruck, die ihr zugewiesene Rolle am Wochenende aufgegriffen und für den "Retter in der Not", the only Josef, öffentlichkeitswirksam Fürbitten vorgetragen. So etwas kommt gut an am Hofe Ackermann, l`Ackermann c`est moi.

Der Plan und seine Umsetzung scheint perfekt: Im angelsächsischen Ausland kennt kaum jemand wirklich das deutsche Vorstands-/Aufsichtsratsmodell und seine systemtragenden Elemente: Namentlich die Trennung zwischen Kontrolle und Führung bleiben bis heute nicht vermittelbar, es gibt immer nur einen starken Mann im Board, den Chief Executive Officer (CEO), der bis vor kurzem zumindest in den USA auch gleichzeitig der Vorsitzende des board (CoB) war und damit der uneingeschränkte "Herrscher aller Reussen" ist.

Auf diese Erfahrungen und Einschätzungen des internationalen Klientels kann Ackermann setzen, er ist und bleibt damit also "Mister Deutsche Bank". Angela und er werden also weiter Deutschland repräsentieren: Er denkt, sie assistiert, wie die staunende Öffentlichkeit zuletzt ja beim EU-Gipfel in Brüssel beobachten durfte. Ein Dreamteam? Ein Glücksfall für Deutschland?

Kommentare zu " Gastkommentar Manuel Theisen: Ackermanns Wille geschehe"

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  • Nach dem was man heute weiss wie die Banken- und Finanzkrise abgelaufen ist und derzeit weiter läuft und wie die Politik von den Bankenmanagern regelrecht erpresst werden gehören alle Ackermann & Co ab Middlemanagemen vor ein Gericht und weggesperrt. Solche Menschen braucht kein Staat.

  • Die Ausführungen des Herrn Theisen als sachlichen Kommentar zu bezeichnen fällt schwer; sie sind m.E. ein von großen Aversionen gegen Herrn Ackermann diktiertes Pamphlet. Der Wissenschaftler Theisen diskreditiert sich damit selbst.
    Zur neuen Doppelspitze: es ist sicher nicht die beste Lösung, es sei aber daran erinnert, daß es diese Konstruktion in den Jahren 1976-1985(Christians/Guth) bereits einmal gegeben hat; sie hat nach meinen Erinnerungen nicht schlecht gearbeitet.
    Das der ausscheidende Vorstandssprecher in den Aufsichtsrat wechselt und dessen Vorsitz übernimmt ist gute und bewährte Tradition. Im übrigen ernennt sich Herr Ackermann ja nicht selbst, er muß von der HV gewählt werden.
    Wenn das alles Herrn Theisen (und auch anderen Kritikern) nicht passt, steht es ihm/ihnen frei, Aktien der DB zu kaufen und dann seine/ihre Bedenken, allerdings in sachlicher Form, auf der HV den Aktionären vorzutragen und zu versuchen, damit die Wahl zu verhindern.

  • Ackermann hatte bis heute das unverdiente Glück, immer die richtigen Leute an seiner Seite zu haben, die ihn vor mancher Maläse bewahrten. Ansonsten ist und bleibt der sogenannte "Vollblutbanker" (das ich nicht lache!!!) sach- und fachlich schlicht substanzlos.

    Gott, hat mir der Beitrag aus der Seele gesprochen.

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