Geiz war geil
Das Ende der Gratiskonten

Wirklich kostenlos sind Girokonten nur noch bei den Direktbanken. Bei Filialbanken und Sparkassen verliert das Gratismodell seinen Reiz. In Zeiten niedriger Zinsen werden die Budgets knapp. Wie Banken Kunden werben.
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DüsseldorfManchmal lohnt es sich, wenn man sich unbeliebt macht. Im Jahr 2008 - auf dem Höhepunkt der Finanzkrise - wagte die Comdirect einen Tabubruch. Die Direktbank der Commerzbank schaffte kurzerhand die Gebühren für ihr Girokonto ab. Damit nicht genug: Die Kunden bekamen sogar eine Gutschrift. Aktuell zahlt die Bank jedem Neukunden 50 Euro.

Eigentlich waren Wechselprämien aus der Mode. Die Branche war erzürnt, doch das Preisbrecher-Angebot hat der Bank viele neue Kunden beschert: Seit die Bank ihr kostenfreies Girokonto eingeführt hat, hat sich die Zahl der Konten mehr als verdoppelt. Im Jahr 2013 verwaltete die Direktbank erstmals über eine Million Girokonten.

In puncto Eigenkapitalrendite ist das Institut seitdem allerdings kaum vorangekommen. Zinsüberschuss und operatives Ergebnis sind rückläufig, die Verwaltungsausgaben steigen. Das verwundert nicht: Das Geschäft mit den Gratiskonten wird in Deutschland mittlerweile hart geführt. Für jedes dritte Konto in Deutschland werden keine Kontoführungsgebühren erhoben - 30 Millionen sind es bundesweit. Kunden haben sich längst an die Gratiskultur gewöhnt. Um aufzufallen müssen Banken deshalb mehr bieten.

Somit steht die Comdirect mit ihrem Angebot längst nicht mehr allein da. Im März boten 1822 direkt, Cortal Consors und die Ing-Diba Neukunden ebenfalls 50 Euro. „Um signifikant neue Kunden zu werben ist ein kostenloses Konto inklusive Kreditkarte und Willkommensprämie von 50 bis 100 Euro notwendig“, sagt Oliver Mihm von der Managementberatung Investors Marketing.

Die Comdirect wirbt daher mit einer Zufriedenheitsgarantie: 50 Euro bekommen Neukunden, wenn sie zufrieden sind. 100 Euro, wenn nicht. Auch die Commerzbank bieten diese Offerte in ihren Filialen. Zufrieden dürfte am Ende aber nur der Kunde sein.

Für die Banken sind Kostenloskonten mit Wechselprämie zunächst ein Zuschussgeschäft. Die Kosten für die Akquise schätzt Mihm auf 150 bis 300 Euro. Von der Werbung über die Kontoeröffnung bis zur EC-Karte zahlt die Bank erst mal drauf. Dazu kommt die Wechselprämie. „Mehr als ein dutzend Banken verzinsen die Guthaben“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Im Zuge des Zinstiefs sind aber nur noch maximal 1,1 Prozent drin.

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  • Aus meiner Sicht finden hier die Sparda-Banken (über 4 Mio. Kunden) und die PSD-Banken (1,23 Mio. Kunden) zu wenig Beachtung.
    Beide sind schon lange Vorreiter in Sachen "kostenloses Girokonto". Beide Bankengruppen sind genossenschafliche Direktbanken, die jeweils eigenständige Banken in den Regionen sind.

    Im übrigen kann ich nicht nachvollziehen, warum sich die Filialbanken so starsinnig zeigen, was kostenlose Girokonten betrifft: ich gehe davon aus, dass allein durch die Kontoführung sehr geringe Kosten entstehen, wie ich jedenfalls vermute – durch einzelne Transaktionen entstehen der Bank in Zeiten der EDV so gut wie keine Kosten mehr.
    Vermutlich eher, wenn überprüft werden muss, ob ein Konto gedeckt ist, was aber gemessen an der Gesamtzahl an Kunden auch eher selten eintritt.
    Die Direktbanken kriegen es ja auch hin, also müsste es den Filialbanken auch möglich sein. Sicher, sie haben höhere Kosten durch mehr Mitarbeiter und die Filialen, dafür aber auch mehr Kunden. Ob ein Kunde nun zum Schalter kommt oder anruft, macht ja letztlich keinen Unterschied.
    Ich könnte mir vorstellen, dass Filialbanken im Gratis-Modell lediglich für einzelne Vorgänge, wo ein direkter Kontakt nötig ist, etwas berechnen.

  • Leider sieht man von dem "Service" aber nicht mehr viel. Meine Filialbank hat in der Vergangenheit mit allen Mitteln versucht den Service auf den Kunden abzuwälzen. In der Filiale komme ich im Prinzip nur noch mit Automaten in Kontakt. Dann wieder Gebühren zu verlangen ist dreist.

  • Über Banken wird gerne viel negatives berichtet (Zockerei, Absocke bei Zinsen etc.). In diesem Fall habe ich volles Verständnis für eine Kontoführungsgebühr als "Bezahlung für geleistete Arbeit!"
    Filialbanken bieten den Service, dass es einen Ansprechpartner vor Ort gibt, der Probleme lösen hilft bzw. Informationen gibt.
    Gleichzeitig sollte sich jeder im Klaren sein, dass im Hintergrund des Bankgeschäfts mehr läuft als nur irgendwelche Zahlen hin und her zu buchen - zu jeder verschobenen Zahl (Überweisung) muss auch noch Geld (über ein Zentralinstitut) übertragen werden.
    Selbst wenn Sie keinen Bedarf an Hilfe von Bankangestellten haben, muss immer noch jemand die Geldautomaten zur Verfügung stellen und befüllen oder Geld in Kassen vor Ort organisieren (es sind keine "Farbdrucker" in den Automaten, die das Geld herstellen :-) )
    Für die Geldabhebung bei seiner eigenen Bank (Verbund) zahlt man ja auch nichts.
    Die Firmen haben damals die "Lohntüte" abgeschafft und auf ein Girokonto bestanden, weil das Bargeldmanagement einfach zu teuer ist.
    In anderen Branchen käme keiner die Idee, erhobene Beiträge in Frage zu stellen (Fitnessstudio, Telefon etc.).

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