Geldautomaten und Niedrigzinsen
Sparkassen-Chef zweifelt an Gebühren-Erfolg

Eigentlich genießen Sparkassen einen guten Ruf. Doch der hat in der letzten Zeit deutliche Kratzer bekommen. Grund ist die aggressive Gebührenpolitik einiger Institute. Die kritisiert jetzt sogar ein Verbandschef.
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BerlinReden auf Verbandstagungen von Sparkassen sind meistens nicht vergnügungssteuerpflichtig. In der Regel kommt man zusammen, um sich zu loben und den Zusammenhalt zu stärken. Kritik ist Mangelware. Von diesen Usancen hob sich der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, Michael Ermrich, ab.

Ungewöhnlich deutlich rügte er die Gebührenpolitik einiger Institute. Sparkassen müssten aufpassen, dass sie das Vertrauen ihrer Kunden nicht verspielten. Es reiche schon, „Leistungen nicht mehr nachvollziehbar zu bepreisen“, sagte Ermrich auf dem 9. Ostdeutschen Sparkassentag am Mittwoch in Potsdam. Mit dieser Kritik hatte er sicherlich nicht nur die Sparkassen in den neuen Bundesländern im Auge.

Auch die öffentlich-rechtlichen Institute haben sich in den vergangenen Monaten als durchaus findig erwiesen, wenn es darum ging, an der Gebührenschraube zu drehen. Höhere Kontoführungsgebühren und teilweise sogar kostenpflichtiges Geldabheben an eigenen Automaten gehören zum Repertoire der Institute, um den Dauerniedrigzinsen zu trotzen. Übrigens mit dem Segen der Finanzaufsicht. „Wer Kunde einer gesunden Bank oder Sparkasse sein will, muss akzeptieren, dass das Institut aufwandsgerechte Preise verlangt und neue Ertragsquellen erschließt, wenn alte versiegen“, sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld kürzlich.

Sparkassen-Verbandschef Ermrich aber machte noch eine andere Rechnung auf. „Wir müssen uns immer wieder fragen, wann wir, was wir und wie viel wir unseren Kunden zumuten können und ab welchem Punkt wir damit eine Grenze überschreiten und beginnen, Vertrauen zu verspielen.“ Für Ermrich ist beispielsweise klar, dass der Imageverlust durch Gebühren für Sparkassenkunden an eigenen Automaten ungleich schwerer wiege als der erzielte Mehrertrag.

Und dann stellte Ermrich im Beisein von Andreas Dombret, im Vorstand der Bundesbank für die Finanzaufsicht zuständig, die ketzerische Frage, ob es nicht im Sinne der Marke Sparkasse wäre, „in schwieriger Zeit auch ein vorübergehend deutlich niedrigeres Ergebnis“ zu tolerieren. Schließlich seien die Nullzinsen vor allem „ein Problem unserer Kunden“, deren finanzielle Lebensplanung dadurch gefährdet werde.

Und bislang sei es den Sparkassen ja gelungen, die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse relativ stabil zu halten und das Eigenkapital weiter zu stärken. An die Reserven musste man noch nicht gehen. Es bestehe daher die Gefahr, dass Sparkassen unglaubwürdig werden, wenn die Nullzinsen so vehement beklagt werden und zugleich Betriebsergebnisse erzielt werden, „die besser als die von vor 15 Jahren sind“, als die Zinsen deutlich höher waren. Vertrauen könnten die Sparkassen nur dann erhalten, wenn ihre Geschäftspolitik ausbalanciert ist und sowohl Nutzen für Kunden als auch Träger stiftet.

So deutlich wie Ermrich wurde Georg Fahrenschon zwar nicht. Aber auch der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes sieht die 396 Sparkassen in der Pflicht. „58 Prozent unserer Kunden sagen, dass die niedrigen Zinsen ihre aktuell größte Sorge in Sachen Finanzen sind“, zitierte er eine Umfrage. Und die Hälfte derer, die heute vorsorgen, sei sich nicht sicher, ob ihr Einsatz für die Zukunft reiche.

Fahrenschon sieht es als Zeichen des Vertrauens, dass die Kunden den Sparkassen 2016 deutlich mehr Einlagen anvertraut hätten. Das stelle die Sparkassen aber vor betriebswirtschaftliche Probleme. Die Europäische Zentralbank verlangt eine Gebühr von 0,4 Prozent, wenn Kreditinstitute ihre Liquidität bei den Währungshütern parken. Zwar würden einige Sparkassen dazu übergehen, für bestimmte Kundengruppen auch „Verwahrentgelte“ zu nehmen, um die negativen Marktzinsen nicht subventionieren zu müssen. Aber er sehe es als besondere Leistung der Sparkassen, dass sie die Millionen privater Sparer „besonders schützen“.

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  • Verstehe nichts vom Bankwesen, aber unter der Grün Sozialistischen Merkelregierung ist alles möglich.

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