Geldhäuser
Deutsche Banken auf Schrumpfkurs

Der Gewinn der deutschen Groß- und Landesbanken ist im ersten Halbjahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr deutlich geschrumpft. In den Zahlen von Ernst & Young zeigt sich außerdem ein einsamer Branchen-Spitzenreiter.
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Frankfurt/Stuttgart/DüsseldorfSchuldenkrise und Konjunkturflaute haben sich negativ in den Bilanzen deutscher Groß- und Landesbanken niedergeschlagen. In den ersten sechs Monaten 2012 erzielten sie 42 Prozent weniger Gewinn als vor einem Jahr, wie die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young am Dienstag in Frankfurt mitteilte.

Insgesamt sei das Nettoergebnis der 13 analysierten Finanzinstitute von 9,3 Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro geschrumpft. 11 Banken machten weniger Gewinn als im Vorjahr, eine Bank schrieb rote Zahlen. Das mit Abstand höchste Konzernergebnis verbuchte die Deutsche Bank, die vor Steuern 2,8 Milliarden Euro verdiente - knapp 2 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr.

An zweiter Stelle folgt die Commerzbank, die auf ein Konzernergebnis von 906 Millionen Euro kommt und damit 293 Millionen Euro weniger verdient, als im Jahr zuvor. Auch die DZ Bank muss Federn lassen und verdient 123 Millionen Euro weniger. Unterm Strich bleiben in den ersten sechs Monaten 515 Millionen Euro.

Bei den Landesbanken muss vor allem die HSH Nordbank mit einem Konzernergebnis von 35 Millionen Euro leiden - 453 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Die West LB verbuchte das mit Abstand schlechteste Konzernergebnis von Minus 365 Millionen Euro - 415 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. Und auch die Nord LB verdient 142 Millionen Euro weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Es bleiben im ersten Halbjahr 2012 131 Millionen Euro.

Allein in Spanien und Italien haben die Großbanken 50 Milliarden Euro an Unternehmenskrediten vergeben, hinzu kommen 36,5 Milliarden Euro an Staatsanleihen. "So lange sich die wirtschaftliche Talfahrt im Süden Europas fortsetzt, drohen weitere Verluste aus Kreditengagements vor allem bei Banken und Unternehmen aus den Krisenländern", warnt Müller-Tronnier.

Als Reaktion auf die Risiken träten die Banken auf die Kostenbremse, schreibt Ernst & Young. Ihr Verwaltungsaufwand sank im ersten Halbjahr insgesamt um eine Milliarde Euro. Die Mitarbeiter-Zahl sank um 1,4 Prozent auf 225.000. Müller-Tronnier sieht die Branche auch weiterhin auf Schrumpfkurs: „Vor den Banken liegen magere Jahre. Alle Kostenarten müssen auf den Prüfstand gestellt werden - einschließlich der Personalausgaben.“

Erfolgreicher sind die Institute beim Aufbau von dickeren Kapitalpolstern. Die Eigenkapitalausstattung der 13 untersuchten Banken habe sich im ersten Halbjahr um 4,1 Milliarden auf 150 Milliarden Euro erhöht. Weil zugleich die Risiken in der Bilanz schrumpften, stieg die durchschnittliche Kernkapitalquote auf 12,6 von 11,5 Prozent.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Zu den Top10 Banken:
    Sidney liegt in British Columbia. Damit glaube ich nicht, dass die CBA hier ihren Hauptsitz hat. Sydney in Australien schreibt man nicht Sidney!

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