Geldwäsche, faule Kredite EZB erwartet noch jahrelang Milliarden-Strafen für Banken

Die Europäische Zentralbank glaubt an weitere Milliardenstrafen für viele Geldhäuser aus Großbritannien und aus der Euro-Zone. Deutsche-Bank-Chef Cryan schwant deshalb für 2016 Böses.
Die EZB glaubt, dass auf die europäischen Banken in den kommenden Jahren zusätzliche Belastungen durch Rechtsstreitigkeiten von rund 50 Milliarden Dollar zukommen könnten. Quelle: dpa
Europäischen Zentralbank

Die EZB glaubt, dass auf die europäischen Banken in den kommenden Jahren zusätzliche Belastungen durch Rechtsstreitigkeiten von rund 50 Milliarden Dollar zukommen könnten.

(Foto: dpa)

FrankfurtEuropäische Banken müssen sich aus Sicht der EZB noch über Jahre auf milliardenschwere Strafzahlungen einstellen. „Obwohl viele Fälle abgeschlossen oder mit Vergleichen aus der Welt geschafft wurden, erwarten wir weiterhin gewaltige Kosten für Fehlverhalten in der Vergangenheit“, erklärte die Europäische Zentralbank am Montag. Die Zahlen europäischer Banken Ende 2015 deuteten darauf hin, dass auf sie in den kommenden Jahren zusätzliche Belastungen durch Rechtsstreitigkeiten von rund 50 Milliarden Dollar zukommen könnten.

Der Höhepunkt der Belastungen sei für viele Geldhäuser aus Großbritannien und aus der Euro-Zone wohl noch nicht erreicht. „Das legt nahe, dass der Druck auf die Gewinne der Banken hoch bleibt.“

In der Bundesrepublik haben die Deutsche Bank und die Commerzbank seit der Finanzkrise Milliarden-Strafen gezahlt, unter anderem wegen der Manipulation von Referenzzinssätzen oder Verstößen gegen US-Sanktionen. Die Deutsche Bank will ihre größten offenen Rechtsstreitigkeiten – etwa Hypothekengeschäfte in den USA und Geldwäsche-Vorwürfe in Russland – möglichst noch in diesem Jahr aus der Welt schaffen. Das werde 2016 noch einmal zu „weiteren Belastungen“ führen, warnte Vorstandschef John Cryan vergangene Woche. Einige Banker hoffen, dass die Strafzahlungen acht Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise peu a peu zurückgehen.

Laut EZB haben europäische Banken seit dem Ausbruch der Finanzkrise rund 160 Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten zurückgelegt. Etwa die Hälfte ihrer ausgewiesenen Gewinne von 2008 bis 2015 gingen damit für Rückstellungen, Vergleiche und Strafzahlungen drauf. Bei der Deutschen Bank und der Schweizer Großbank UBS waren die Belastungen durch Rechtsfälle in diesem Zeitraum deutlich höher als die erzielten Gewinne.

Für 26 ausgewählte globale Großbanken beliefen sich die Kosten für Strafen, Vergleiche und Rechtsstreitigkeiten seit 2008 auf rund 275 Milliarden Dollar. Die höchsten Strafen gab es dabei 2013 und 2014, seitdem nehmen die Strafzahlungen ab. „Diese Entwicklung ist vor allem auf US-Banken zurückzuführen, die früher und in größerem Umfang mit Kosten für Rechtsstreitigkeiten konfrontiert wurden als ihre europäischen Pendants“, erklärte die EZB. Über 80 Prozent der Kosten für Strafen und Vergleiche wurden von US-Behörden herbeigeführt.

So sehr schmieren Investmentbanken weltweit ab
Investmentbanken mit extremem Durchhänger
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Die Kursturbulenzen im ersten Quartal haben den Einnahmen von Investmentbanken immens geschadet. Zum Jahresbeginn waren die Kurse an den Aktienmärkten weltweit eingebrochen, Firmenübernahmen und Börsengänge wurden aufs Eis gelegt, Bankkunden handelten wegen der immensen Kursschwankungen weniger mit Wertpapieren.

Frankfurter Skyline
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Nach Daten des Finanzdatenanbieters Thomson Reuters fielen die Erträge im Investmentbanking weltweit um 28,5 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro – ein schwächeres Quartal hatte es zuletzt Anfang 2009 gegeben. Goldman Sachs hat den Spitzenplatz abgeben müssen.

Das Ranking umfasst aber nur das Geschäft mit der Ausgabe neuer Wertpapiere wie Aktien, Anleihen, Krediten sowie der Beratung bei Fusionen und Übernahmen – nicht etwa das Handelsgeschäft, in dem etwa die Deutsche Bank sehr stark ist.

Platz 15: Rothschild
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Traditionell ist das erste Quartal das stärkste für die meisten Investmentbanken, daher schlägt der Umsatzrückgang besonders ins Kontor. Unter den Top-20-Banken weltweit findet sich nur eine, die bei den Erträgen im 1. Quartal 2016 zulegen konnte.

Laut Thomson Reuters betrugen die Einnahmen von Rothschild 234 Millionen Dollar, ein Plus von 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – dadurch sprang die Bank um sieben Plätze im Ranking nach oben.

Platz 12: UBS
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Die Schweizer Großbank UBS erwischte ein Quartal, in dem es noch stärker abwärts ging als im Branchenschnitt: Die Einnahmen im Investmentbanking schrumpften um 39,1 Prozent auf 279 Millionen Dollar. Damit konnte die Bank Platz 12 verteidigen, knapp vor HSBC (minus 41,9 Prozent) und BNP Paribas (minus 30,8 Prozent).

Platz 10: RBC Capital Markets
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Die kanadische Investmentbank RBC Capital Marktes (Foto: Werbestand auf einer Automesse) ist das erste Institut in den Top 10, mit knappem Vorsprung vor der Mizuho Financial Group auf Rang 11. Bei RBC schrumpfte das Geschäfts so stark wie der Gesamtmarkt (minus 28,5 Prozent) auf 345 Millionen Dollar.

Platz 9: Wells Fargo
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Die Bank mit Sitz in Kalifornien hält mit Erträgen von 401 Millionen Dollar (minus 34,3 Prozent) ihren Platz und liegt nur knapp hinter der größten deutschen Investmentbank.

Platz 8: Deutsche Bank
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Das Geschäft der Deutschen Bank schrumpft unter den Top 10 der Investmentbanken am stärksten: minus 44,5 Prozent. Die Einnahmen von 498 Millionen Dollar stammen fast zur Hälfte aus dem Anleihegeschäft. Die Bank büßt zwei Plätze auf Rang acht ein.
Einer Analyse des Marktbeobachters Coalition Group zufolge war die Deutsche Bank im vergangenen Jahr – inklusive des Handelsgeschäfts – die fünftgrößte Investmentbank der Welt, in dieser Rangliste ging es ebenfalls zwei Plätze abwärts.
Hier lesen Sie eine Analyse zur Lage des Investmentbankings der Deutschen Bank.

  • rtr
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