Geldzähl-Experte im Interview
„Ein sehr gut gefälschter 500-Euro-Schein ist im Umlauf“

Kreditkarten-Firmen wollen Bargeld am liebsten abgeschafft wissen. Für Wolfgang Schelle wäre das schlecht. Der Hersteller von Geldzählmaschinen spricht über falsche Fünfhunderter und Kunden, deren Bargeld er nicht nimmt.

Wolfgang Schelle ist Teil eines Familienunternehmens: Seine Frau Marlies ist Geschäftsführerin und auch Sohn Björn ist im Unternehmen beschäftigt. Die Firma CashConcepts Europe stellt Geldzählmaschinen her – zuletzt bestellte die Bundesbank ihre Notenzähler bei der Firma mit Sitz am Bodensee. Im Interview spricht Schelle über den Auftrag, den neuen 20-Euro-Schein und die Zukunft des Bargelds.

Herr Schelle, das Zählen von Banknoten macht ja in der Regel sehr viel Spaß. Muss das denn zwingend von einer Maschine übernommen werden?
Da kann man ruhig ganz ehrlich sein: Für Privatleute machen Geldzählmaschinen überhaupt keinen Sinn. Deshalb verkaufen wir unsere Produkte auch nur an Banken und Gewerbetreibende. Da ist halt Schnelligkeit meist wichtiger als der Spaß am Zählen. Die Maschinen schaffen etwa 1200 Noten pro Minute – und Zeit ist ja bekanntermaßen auch Geld.

Viele Geschäfte werden heute per Kartenzahlung abgewickelt. Ist ihre Branche von der Technik überholt worden?
Der Trend mag weltweit vielleicht dorthin gehen, aber er ist in Deutschland nicht so stark wie in anderen europäischen Staaten. Der Deutsche liebt sein Bargeld. Gut 70 Prozent der Transaktionen werden hier noch bar bezahlt. Und ich glaube, dass sich der Deutsche sein Bargeld auch nicht nehmen lässt.

Ist das denn zu befürworten? Zwar nimmt auch der Kreditkartenbetrug immer mehr zu, doch Bargeldfälscher werden auch immer raffinierter.
Im Endeffekt gilt es, den Betrug in all seinen Facetten so weit es geht zu erschweren. Ähnlich wie Betrüger neue Wege finden, um das System zu hintergehen, finden wir auch neue Wege, um die Sicherheit zu erhöhen. Man kann den Menschen allerdings schwer vorschreiben, ob sie bar oder per Kreditkarte zahlen sollen. Mit Bargeld bleibe ich anonym, das gefällt vielen Leuten.

Ihre Firma hat von der Bundesbank den Auftrag über die Herstellung und Lieferung von 130 Banknotenzählmaschinen erhalten. Warum gerade Sie?
Man kann seine Geräte auf Falschgelderkennung bei der Bundesbank testen lassen. Das haben wir getan, wie viele andere Firmen auch. Bei uns lag die Falschgelderkennungsquote bei 100 Prozent.

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„Barzahlung ist bei uns nicht möglich“

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